Studie zeigt: Deshalb versagen die meisten Krebsversuche an Mäusen

Seit Jahrzehnten werden Krebserkrankungen erforscht, indem man Mäusen menschliche Tumore einpflanzt. Nun bestätigt ein Team renommierter Wissenschaftler: Dieses Verfahren ist extrem fehlerhaft.

Forscherinnen und Forscher analysierten für die Studie über 1.000 Maus-„Modelle“ mit menschlichem Krebs. (1) Sie fanden heraus, dass die Transplantation menschlicher Krebszellen in diese Mäuse die genetische Zusammensetzung der Zellen verändert – und zwar auf eine Art und Weise, die beim Menschen so gut wie nie auftritt. Das führte unweigerlich dazu, dass die Zellen auch auf Medikamente der Chemotherapie anders reagierten.

Eine weitere Ernüchterung ist die in den 90er-Jahren in Europa patentierte sogenannte „Krebsmaus“. Durch in das Erbgut geschleuste, bei Menschen krebsauslösende Gene bekommen die Mäuse gezwungenermaßen Krebs, was zum Durchbruch in der Krebsforschung führen sollte. Professor Axel Ullrich, ehemaliger Direktor am Max-Planck-Institut für Biochemie in München, betitelte die Patentierung der Krebsmaus als einen lediglich „symbolischen Schritt“, der ohne „praktische Bedeutung“ geblieben ist.

Das bringt das „Forschen“ mit Tieren ordentlich ins Wanken – soll doch mit den Experimenten eigentlich herausgefunden werden, wie Patienten auf Medikamente reagieren. Dass das aber nicht funktioniert, ist eigentlich nichts Neues.

Tierversuche scheitern

2018 kam eine umfangreiche Studie über die Erfolgsraten in der Medikamentenentwicklung zu einem erschreckenden Ergebnis: Nur 3,4 Prozent der onkologischen Medikamente, also der Präparate gegen Krebs, erhielten die Zulassung zur Anwendung am Menschen – und das, obwohl sie im Tierversuch erfolgreich waren (2). Die Autoren einer anderen Studie zu Erfolgsraten in der Medikamentenentwicklung räumen ein: „[…] Derzeit angewandte Tiermodelle (z. B. Xenograft-Tumormodelle bei Mäusen*) können die klinischen Ergebnisse bei Menschen teils nicht vorhersagen.“ (3)

Krebs bei Mäusen heilbar – beim Menschen nicht

Schon viel früher kamen Krebsforscher zu der Erkenntnis: Die Maus ist kein Mensch, deswegen ist die Forschung an der Maus für den Menschen nutzlos! Der amerikanische Zellbiologe und Mediziner Judah Folkman sagte einmal: „Wenn du Krebs hast und eine Maus bist, dann kann ich dir helfen.“ (4); der Direktor des American National Cancer Institute stellte 1998 fest: „Seit Jahrzehnten heilen wir Krebs bei Mäusen, aber beim Menschen klappt es einfach nicht.“ Und auch deutsche Wissenschaftler zweifeln das Modell an. So sagt der Dekan der Berliner Charité, Axel Pries, es sei „auch ein bisschen naiv zu glauben“, eine in Tierversuchen entwickelte Krebstherapie würde beim Menschen genauso funktionieren. (4)

Was Sie tun können

Informieren Sie Freunde und Verwandte über die Unzulänglichkeit von Tierversuchen! Für eine wirklich hilfreiche Forschung müssen deutlich mehr Fördergelder in humanrelevante Forschungsmethoden fließen: Fordern Sie das Bundesministerium dazu auf, die finanzielle Förderung von Alternativmethoden zu Tierversuchen zu stärken!


Gute Nachrichten: Veganer haben nach der derzeitigen Studienlage ein geringeres Krebsrisiko als Fleischesser. In unserem Veganstart-Programm erfahren Sie, wie Sie eine ausgewogene vegane Ernährung, reich an krebshemmenden Nahrungssubstanzen, aufbauen.
 

*Anmerkung: Unter Xenograft-Tumormodellen versteht man Verfahren, bei welchen Mäusen menschliche Tumore eingepflanzt werden.

Quellen:
(1) Uri, Ben-David et al., 2017: Patient-derived xenografts undergo mouse-specific tumor evolution. Nature Genetics, vol. 49, pp. 1567-1575.
(2) Wong, Chi Heem et al., 2018:
Estimation of clinical trial success rates and related parameters. Biostatistics, pp. 1-14
(3) Hay, M. et al., 2014: Clinical development success rates for investigational drugs. Nature Biotechnology, vol. 32, pp. 40-51.

(4) Wagner, Lorenz: Leben lassen (Stand: 10. Januar 2019), https://sz-magazin.sueddeutsche.de/gesundheit/leben-lassen-86606?reduced=true [abgerufen 31.01.2019]

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