Lederindustrie verliert Rechtsstreit: Begriffe „Apfelleder“ und „veganes Leder“ dürfen weiterhin verwendet werden

Duden erweitert Eintrag zu Leder nach Gesprächen mit PETA 

 
Hannover / Stuttgart, 10. September 2019 – Nachdem der Verband der deutschen Lederindustrie (VDL) den veganen Handtaschenhersteller Nuuwai wegen der Verwendung der Bezeichnungen „Apfelleder“ und „veganes Leder“ verklagt hatte, gab das Landgericht Hannover heute seine Entscheidung in der Sache bekannt: Entgegen der Ansicht des VDL seien die Begriffe weder irreführend noch wettbewerbswidrig. Die vorsitzende Richterin ließ in der mündlichen Verhandlung klar und deutlich erkennen, dass es keinerlei Irreführung zum tierischen Leder geben würde, weil allgemein bekannt sei, dass der Begriff „vegan“ nicht mehr nur in der Lebensmittelindustrie angewandt würde. Zudem trage Nuuwai das Label „PETA-Approved Vegan“ einer bekanntermaßen den Veganismus vertretenen Organisation.
 
„Wir freuen uns über die Entscheidung des Gerichts. Tierfreie Lederalternativen auf der Basis von Äpfeln, Kork oder Polyurethan (PU) sind der Lederindustrie ein Dorn im Auge, da sie mittlerweile eine immer beliebtere Alternative zu Tierhäuten darstellen. Veganes Leder ist oftmals deutlich ökologischer und vor allem tierfreundlich“, so Johanna Fuoß, Fachreferentin für Bekleidung und Textil bei PETA. „Auch Streitereien über Begrifflichkeiten können den Verbraucher nicht darüber hinwegtäuschen, dass für tierisches Leder jährlich mehr als 1,3 Milliarden Rinder, Ziegen und Schafe qualvoll getötet werden.“
 
Leder aus Äpfeln, Kork und Co. gewinnt an Popularität
PETA reagierte auf diesen Angriff der Lederindustrie und bat Hersteller von Wörterbüchern darum, die Definition von Leder zu erweitern. Immer mehr Verbraucher und Unternehmen entscheiden sich für vegane Lederalternativen – dies sollte sich auch im allgemeinen Sprachgebrauch widerspiegeln. Als erstes Wörterbuch hat der Duden die Änderung bereits in seinem Onlinewörterbuch veröffentlicht.
 
In der Automobil-, Bekleidungs-, Schuh- und Polsterindustrie sind Lederarten, die auf pflanzlichen oder synthetischen Materialien basieren, bereits fest verankert. Das Marktforschungsunternehmen Grand View Research (GVR) fand heraus, dass die vegane Lederindustrie auch weiterhin stark wachsen und im Jahr 2025 über 85 Milliarden Dollar wert sein wird. Innovative Unternehmen produzieren das vegane Leder beispielsweise auf der Basis von Ananasfasern und Pilzen oder benutzen Hefezellen, um reines Kollagen wachsen zu lassen – ganz ohne Tierleid.
 
Lederproduktion schadet Tieren, Menschen und der Umwelt
PETA weist darauf hin, dass Leder kein Abfallprodukt aus der Fleischindustrie ist, sondern es sich bei der Lederbranche um einen eigenständigen Industriezweig handelt. Dort werden Tiere in überfüllte Ställe gesperrt und haben keinerlei Möglichkeit, ihr natürliches Verhalten auszuleben. Zudem markieren Arbeiter beispielsweise Rinder mit schmerzhaften Brandzeichen, stutzen ihnen die Schwänze, kürzen ihre Hörner und kastrieren sie – all das oftmals ohne Betäubung oder Schmerzmittel. Anschließend werden sie auf Transportern zusammengepfercht und ins Schlachthaus transportiert. Dort erfolgt die Betäubung häufig nicht ordnungsgemäß, sodass manchen Tieren die Haut bei lebendigem Leib vom Körper geschnitten wird. Hinzu kommt, dass zum Beispiel in Indien und Bangladesch sowohl Menschen als auch die Umwelt erheblich durch die Lederproduktion belastet werden, da hochgiftige Chemikalien wie Chrom und Formaldehyd zum Einsatz kommen, um die Verwesung der Tierhäute zu verhindern. Diese werden oft ungefiltert in der Natur entsorgt.
 
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 

Für Leder werden in Indien viele Kühe ohne Betäubung getötet. Arbeiter drücken sie zu Boden und schneiden ihnen mit einem Messer die Kehle durch. / © PETA/Karremann
 
Das Motiv steht hier zum Download zur Verfügung.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Hintergrundwissen-Leder
PETA.de/13-Fakten-die-uns-die-globale-Lederindustrie-verheimlicht
 
Pressekontakt:
Jana Fuhrmann, +49 711 860591-529, [email protected]