Leer/Wilhelmshaven: Kamelbaby in Wanderzirkus geboren – PETA zeigt Zirkus Charles Knie wegen Tierquälerei bei Veterinärämtern an

Leer (Ostfriesland) / Wilhelmshaven / Stuttgart, 14. Mai 2019 – Tiernachwuchs im reisenden Zirkusbetrieb: Augenzeugen der Gruppe „Ostfriesen gegen Tierleid“ zufolge wurde am Samstag ein Kamelbaby im Zirkus Charles Knie geboren. Die Tierfreunde hatten während einer Mahnwache auf dem Zirkusgelände in Leer beobachtet und gefilmt, wie grob Zirkusmitarbeiter mit der Kamelmutter und ihrem neugeborenen Fohlen umgingen. Gemäß den Tierschutzrichtlinien des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) dürfen hochschwangere und säugende Tiere ausdrücklich keinen Reisestrapazen ausgesetzt werden. PETA hat Anzeige beim Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung Landkreis Leer und dem Veterinäramt JadeWeser gegen die Zirkusverantwortlichen erstattet, da sich der Zirkus seit März auf Tournee befindet. Das Veterinäramt des Landkreises Leer bestätigte den Tierschutzverstoß und gab an, ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten [1]. Dennoch stimmte die Behörde dem Weitertransport von Kamelstute und Fohlen zum nächsten Gastspielort in Wilhelmshaven zu. Die Tierschutzorganisation fordert deshalb das Veterinäramt JadeWeser auf, den Richtlinien folgend umgehend ein Reiseverbot für die Tiermutter und das Kamelkind zu verhängen.
 
„Es ist eine gängige Masche der Zirkusbetriebe, mit Tierbabys Besucher anzulocken“, so Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Dabei gehen die Unternehmen sogar mit hochschwangeren Tieren auf Reisen – entgegen den ausdrücklichen Tierschutzbestimmungen. Auch nach der Geburt müssen Jungtier und Mutter laut Vorgaben für einige Zeit vor Reisestrapazen geschützt werden. Einmal mehr zeigt sich, dass Zirkusbetreiber Tiere nur als Betriebskapital ansehen.“
 
In den Zirkusleitlinien des BMEL heißt es unmissverständlich: „Das Mitführen von hochtragenden, in der Geburt befindlichen und säugenden Zirkustieren im Reisebetrieb wird grundsätzlich abgelehnt.“ In vergleichbaren Fällen haben die Veterinärämter Landkreis Havelland im April 2018, Landkreis Gütersloh im März 2017, Bezirk Berlin-Spandau im Juli 2015, Stadt Ulm im Januar 2014, Landkreis Aichach-Friedberg im Juni 2013, Stadt Lübeck im Februar 2013 sowie Landkreis Kelheim im Juni 2012 nach Anzeige von PETA entsprechende Auflagen erteilt und teilweise Bußgeldverfahren gegen die entsprechenden Schaustellerunternehmen eingeleitet.
 
Immer häufiger muss PETA die Veterinärämter dazu auffordern, die Tierschutzrichtlinien selbst in Zirkusbetrieben durchzusetzen, die keine Wildtiere mitführen. Denn bei vielen Zirkussen ist auch die Haltung domestizierter Tiere wie Pferde, Rinder oder Ponys mangelhaft. Deutschland sollte in dieser Hinsicht dem Beispiel anderer Staaten folgen: Neben Griechenland, Malta und Zypern, die die Haltung von Tieren in Zirkusbetrieben bereits komplett verboten haben, kündigte 2017 auch Italien ein Verbot an, das schrittweise umgesetzt werden soll.
 
PETAs Motto lautet in Teilen, dass Tiere nicht dazu da sind, dass sie uns unterhalten. Die Tierschutzorganisation fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus, denn die Unterbringung in kleinen Gehegen, die ständigen Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur führen zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oftmals zu einem frühen Tod.
PETA setzt sich gegen Speziesismus ein: eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

[1] Ostfriesen-Zeitung (2019): Zirkus Knie: Verstoß gegen Tierschutzrecht. Online abrufbar unter: https://www.oz-online.de/-news/artikel/601026/Zirkus-Knie-Verstoss-gegen-Tierschutzrecht. (13.05.2019).
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Zirkus
PETA.de/Zirkus-Charles-Knie
 
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