ERFOLG! Löwin ohne Krallen und 46 weitere Tiere aus Zoo gerettet!

Twitter / Four Paws

Update April 2019

Insgesamt 47 traumatisierte Tiere aus Rafah-Zoo gerettet

Die örtlichen Behörden und der Betreiber des Rafah-Zoos im Gazastreifen haben dem öffentlichen Druck endlich nachgegeben. Der Zoo war für die miserablen Zustände berüchtigt und vor allem wegen der Krallen-Amputation bei einer Löwin in die Schlagzeilen geraten. In einer umfangreichen Rettungsaktion konnte die Tierschutzorganisation Vier Pfoten 47 Tiere dort herausholen – darunter Löwen, eine Hyäne, Affen, Wölfe, Stachelschweine, Füchse, Hunde und Katzen. Auch PETA hatte sich mit einem Brief an die Gemeindeverwaltung von Rafah gewandt und die Beschlagnahmung der Tiere und deren Überführung an geeignete Auffangstationen gefordert. Die meisten Tiere wurden nun in einem jordanischen Wildtierzentrum untergebracht. Zwei Löwen konnten in eine auf Großkatzen spezialisierte Auffangstation in Südafrika überführt werden.



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Einem Wildtier die Krallen zu entfernen, damit Menschen es wie ein Spielzeug behandeln können, ist nicht nur abstoßend, es ist in Deutschland auch verboten. Warum solche Verbote nötig sind, wurde nun abermals deutlich. In einem Video aus dem Gazastreifen ist zu sehen, wie ein Mann einer Löwin namens Falestine die Krallen amputiert. So soll der Kontakt zum Menschen möglich werden.

Die Pfleger des kleinen Zoos von Rafah im Gazastreifen geben an, der Löwin seien die Krallen entfernt worden, damit Besucher mit ihr „spielen“ könnten. Der Tierarzt Fayyaz al-Haddad amputierte die Krallen mit einer Draht- und einer Gartenschere. Nach zwei Wochen war die Behandlung Berichten zufolge abgeschlossen – doch das Tier wird vermutlich ein Leben lang leiden.



Die 14 Monate alte Löwin hat aktuell noch all ihre Zähne. Das bedeutet, dass der Kontakt zum Menschen trotzdem eine große Gefahr birgt. Die Pfleger sagten zudem, die Krallen würden innerhalb von sechs Monaten nachwachsen. Sollte das der Fall sein, müsste Falestine die schmerzhafte und sinnlose Prozedur noch einmal über sich ergehen lassen.

Ob die Krallen nun nachwachsen oder nicht: Einer Katze – egal welcher – die Krallen zu entfernen, ist eine invasive und extrem schmerzhafte Verstümmelung. Der Eingriff besteht aus mindestens zehn einzelnen Amputationen: Nicht nur die Nägel werden entfernt, auch die Gelenke. Zudem kann die Entfernung lebenslange Schmerzen und andere Komplikationen nach sich ziehen, etwa Lahmheit und Arthritis. Einige Tiere sind sogar daran gestorben.

Falestine kann ohne ihre Krallen nicht einmal ihren grundlegendsten und natürlichsten Verhaltensweisen nachkommen. Sie kann weder klettern noch nach Nahrung greifen.

Ein auch nur annähernd artgerechtes Leben ist nicht möglich, wenn Großkatzen die Krallen entfernt und sie gezwungen werden, mit Menschen zu interagieren. Löwen, Tiger und andere Tiere, die in Zoos gefangen gehalten werden, haben ureigenste Interessen. Niemals würden sie freiwillig ihre Freiheit aufgeben und sich von Menschen anstarren, streicheln und fotografieren lassen.

So macht sich PETA gegen diese Verstümmelung stark

In Deutschland ist das Krallenentfernen zum Glück verboten. Und auch PETA USA bekämpft die grausame Prozedur. Erst vor kurzem konnte ein bahnbrechender Sieg vor Gericht gegen einen Tierarzt errungen werden. Rick L. Pelphrey hatte in einem kleinen Zoo in Charlestown, Indiana, Löwen, Tigern und Großkatzenhybriden die Krallen entfernt – was illegal war. Mindestens zwölf Großkatzen hat er auf diese Weise verstümmelt. Nicht eine davon erhielt Schmerzmittel. Ein Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums zeigt, dass zwei Tigerjunge schwere Komplikationen aufwiesen. Sie hatten Blutungen, konnten nur schwer laufen und hatten offenbar Schmerzen. Beide Tiere starben infolge des Eingriffs.



Der Gerichtsbeschluss macht nun deutlich: Das Entfernen der Krallen bei bedrohten und gefährdeten Katzen verstößt – sofern nicht medizinisch indiziert – gegen den Endangered Species Act. Damit wurde das Urteil zum Präzedenzfall.

Unser Schreiben an die Gemeindeverwaltung von Rafah

Falestines Geschichte zeigt: Das Leben in Zoos ist für die Tiere ein Albtraum. Doch nach und nach setzen wir die grausame Industrie unter Druck. PETA Deutschland hat die Gemeindeverwaltung von Rafah in einem Schreiben aufgefordert, den Zoo zu schließen und die Tiere an geeignete Auffangstationen zu übergeben. 

 

Unsere Autoren

Yvonne Würz

Yvonne ist Fachreferentin für Tiere in Zoo und Zirkus bei PETA Deutschland. Sie ist promovierte Biologin und hat sich in ihrer Dissertation mit der Persönlichkeit von Tieren beschäftigt.