Mangelhafte Tigerhaltung bei Carmen Zander in Schkeuditz? Staatsanwaltschaft Leipzig leitet nach PETA-Anzeige Strafermittlungsverfahren ein

Schkeuditz / Stuttgart, 13. August 2019 – Im Juli erstattete PETA Strafanzeige gegen Carmen Zander, da die Tiger-Dompteurin in Schkeuditz sechs Tiger unter mutmaßlich tierschutzwidrigen Bedingungen hält. Die Leipziger Staatsanwaltschaft ermittelt bereits (Az.: 951 Js 38090/19). Ein Augenzeuge hatte der Tierrechtsorganisation mitgeteilt, dass die Tiger nach einem Gastspiel beim Augsburger Weihnachtszirkus Anfang Januar in einem kleinen Zirkuswagen in das sächsische Winterquartier transportiert wurden. Dort sollen sie mehrere Tage ohne Auslauf und Futter eingesperrt und monatelang weiteren Missständen ausgesetzt gewesen sein. Als oberste Tierschutzbehörde hat das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz bereits eine fachaufsichtliche Untersuchung eingeleitet. Das Veterinäramt des Landkreises Nordsachsen bestätigte zudem ein laufendes Verfahren zur Tigerhaltung bei der Dompteurin. PETA fordert die Behörde auf, ein Tierhalteverbot zu verhängen.

„In der Öffentlichkeit präsentiert sich Frau Zander als große Tierfreundin, doch hinter den Kulissen zeigt sich ein Bild, das mit Tierliebe nichts zu tun hat“, so Dr. Yvonne Würz, Biologin und PETA-Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche. „Die tierquälerische Haltung der Tiger in Schkeuditz muss schnellstmöglich beendet werden.“
 
Zahlreiche Missstände in der Tierhaltung bei Tiger-Dompteurin
In ihrer Anzeige äußert PETA den Verdacht, dass Carmen Zander gegen Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes verstößt. Dem Whistleblower zufolge mussten die Tiger auch nach der Ankunft im Winterquartier überwiegend in einem kleinen Zirkustransportwagen ausharren, obwohl laut Zirkusleitlinien des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft täglich mindestens vier Stunden Zugang zu einem Außengehege vorgeschrieben sind. Gefüttert habe die Dompteurin die Tiere anscheinend erst, nachdem der Zeuge den Missstand beim Veterinäramt anzeigte. Im Juni sollen die Tiger trotz Temperaturen von über 30 Grad keinen Zugang zu einem Badebecken gehabt haben, zudem mangele es grundsätzlich an Beschäftigungsmöglichkeiten für die kognitiv hoch entwickelten Tiere. Gemäß den Zirkusleitlinien sollen Tiere im Zirkus täglich beschäftigt werden. Wenngleich PETA sich grundsätzlich gegen die Wildtierdressur ausspricht, kritisiert die Organisation scharf, dass sich die Dompteurin wahrscheinlich nicht einmal an diese Richtlinien hielt und die „Arbeitsmanege“ erst im Mai aufbaute. Ist die „Beschäftigung“ beziehungsweise das tägliche Training nicht möglich, greifen die Haltungsrichtlinien für Zoos, nach denen den sechs Tigern mindestens ein Innengehege mit 120 und ein Außengehege mit 600 Quadratmetern zur Verfügung hätten stehen müssen. Die Wildtiere mussten jedoch monatelang ausschließlich in einem Innengehege mit etwa 36 und einem Außengehege mit schätzungsweise 80 bis 90 Quadratmetern ausharren.
 
Carmen Zander bereits für Tierquälerei bekannt
PETA veröffentlichte 2013 ein Video, das zeigt, welcher Qual Tiere im Zirkus ausgesetzt sind. Carmen Zander wollte die Tierrechtsorganisation gerichtlich dazu zwingen, eine Szene zu entfernen, die zeigt, wie sie mit einem Stock auf einen Tiger losgeht. Mit diesem Vorhaben scheiterte sie 2014 sowohl vor dem Land- als auch vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. Dieses stellte in seinem Beschluss fest, dass die Dompteurin „im Rahmen der Dressur (notwendigerweise) durch dominante Zwangshandlungen den von ihr dressierten Tigern ihren eigenen Willen aufzwingt“ (Az. 1 O 252/13).
 
PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Tierrechtsorganisation fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus, denn die Unterbringung in kleinen Gehegen, die ständigen Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur führen zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oftmals zu einem frühen Tod.
 
PETA setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 

Im Winterquartier waren die Tiger mehrere Tage ohne Auslauf und Futter eingesperrt. / © PETA Deutschland e.V.
 
Das Motiv steht hier zum Download zur Verfügung.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Wildtierdressur
PETA.de/Themen/Zirkus
 
Kontakt:
Lisa Kienzle, +49 711 860591-536, [email protected]