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Schweizer Philosoph Markus Wild fordert ein neues Bild vom Fisch

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Neues Gutachten über Bewusstsein und Schmerzempfinden bei Fischen mit Auszügen aus der Neuen Zürcher Zeitung vom 14.11.2012

Stand November 2012

Professor Markus Wild, Philosoph an der Universität Freiburg (CH), hat kürzlich für die Eidgenössische Ethikkommission für Biotechnologie im Ausserhumanbereich ein Gutachten zum Thema Bewusstsein und Schmerzempfinden bei Fischen erstellt. Zeitgleich ist ein weiteres Gutachten des Biologen Professor Helmut Segner, Universität Bern, zum gleichen Thema entstanden. Die Resultate beider Studien stimmen in der Tendenz überein.

Markus Wild kommt darin zu dem Schluss, dass sich Fische nicht so sehr von Säugetieren unterscheiden, wie lange angenommen wurde. Insbesondere sind Fische in der Lage, Schmerzen zu erleiden.
In einem Interview in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) fordert er hieraus Konsequenzen für unseren Umgang mit Fischen. Markus Wild isst selbst auch keine Fische (mehr).

Hier ein Resümee der wichtigsten Fragen und Antworten, die wir dem Interview des Philosophen mit der NZZ entnommen haben.

Können Fische denken?
„Im Laufe der letzten zwanzig Jahre hat man immer mehr erkannt, dass Fische enorm lernfähig sind, dass sie Gedächtnisleistungen über viele Stunden, Tage und Wochen haben, dass sie nicht nur individuell, sondern auch sozial lernen können. Intelligenz ist ja auch auf die soziale Umwelt bezogen. Und da sind Fische erstaunlich gut, sie jagen in Kooperationen und teilen darin ihre Rollen. Das setzt voraus, dass sie ein bisschen darüber Bescheid wissen, was sie tun.“

Empfinden Fische Schmerzen?
„Seit etwa zehn Jahren kann man nachweisen, dass Fische in der Lage sind, schädigende Reize aufzunehmen und diese Reize im Hirn zu verarbeiten. Sie haben also die physiologische Voraussetzung, um Schmerzen zu empfinden.“

Es kursiert aber noch immer das berühmte Argument: “no brain, no pain“ (kein Gehirn, keine Schmerzen). Demnach heißt es, können Fische keine Schmerzen wahrnehmen, weil sie gar nicht über einen Kortex verfügen.
„Es bedarf keiner bestimmten Hirnregionen, um Schmerzen zu empfinden, sondern Hirnregionen, um die entsprechende Information zu verarbeiten. Auch der Mensch verarbeitet Schmerzen nicht nur im Neokortex, es sind sehr viele Hirnareale beteiligt, man nennt das die ,pain matrix‘. Im Gehirn ist die Vernetzung bestimmend, nicht die Lokalisierung.“

Aber Fische können nicht schreien, sie haben keine Mimik, woran können wir erkennen, dass sie Schmerzen haben?
„Es gibt Lebewesen, bei denen wir sicher sind, dass sie Schmerzen haben, also beispielsweise Säugetiere wie Menschen, Katzen, Ratten oder Eichhörnchen. Nun schaut man, welche Kriterien eigentlich erfüllt sein müssen, damit wir bei diesen Wesen von Schmerzen sprechen. Wenn diese Kriterien auch bei Fischen zutreffen, und das tun sie meines Erachtens, dann gibt es einen guten Grund, zu sagen, dass sie auch Schmerzen empfinden.“

Woran erkennt man konkret, dass Fische Schmerzen empfinden?
„Da ist zum Beispiel die Art, wie Fische reagieren. Bei Schmerz vermeiden wir es zum Beispiel, die verletzte Stelle zu berühren, oder wir kümmern uns um sie. Die Katze leckt eine Wunde. Fische, denen man Essigsäure in die Lippen spritzt, fangen an, die Lippen am Boden zu reiben.“

Welche Konsequenzen ergeben sich aus dem Schmerzempfinden von Fischen?
„Ich hoffe, dass das Gutachten Auswirkungen auf die Tierschutz-Gesetzgebung für den kommerziellen Umgang mit Fischen haben wird, aber auch auf Privatfischerei und auf das Konsumverhalten. Wenn Fische Schmerzen empfinden, ist es eine Quälerei, sie ersticken zu lassen, wie es beim Hochseefang passiert. Ganz abgesehen davon, dass sich hier auch noch massenweise Fische in Netzen verhängen oder bei lebendigem Leib geschreddert und zerrissen werden.“

 

Was Sie tun können

Essen Sie keine Fische mehr!
Informieren Sie Ihr Umfeld darüber, dass Fische Schmerzen empfinden und ein erstaunlich gut ausgeprägtes Sozialverhalten zeigen, was darauf hindeutet, dass sie denken und planen können und ein Bewusstsein haben.
Fische sind wie wir!