Spenden
 »  »  » Massenhaft tote, verletzte und sterbende Reptilien im Heimtierhandel: Neue PETA-Recherche bewirkt

Massenhaft tote, verletzte und sterbende Reptilien im Heimtierhandel: Neue PETA-Recherche bewirkt konsequente Reaktionen des Zoofachhandels

 
Banner
 
 
Empfohlene Beiträge

Organisation fordert Haltungsverbot von exotischen Tieren in Privathand

Stand August 2016
Stuttgart, 24. August 2016 – Deutscher Zoohandel reagiert: Eine neue international übergreifende PETA-Recherche offenbart erstmals Einblicke in den Handel mit Reptilien, die für den deutschen Heimtiermarkt bestimmt sind. Ermittler der Tierrechtsorganisation dokumentierten massenhaft tote, verletzte oder jahrelang in Plastikboxen eingesperrte Tiere bei deutschen Großhändlern und deren internationalen Zulieferern. Daraufhin legte PETA den führenden deutschen, von der Recherche betroffenen Zootierfachhändlern die Ermittlungsergebnisse vor – und diese reagierten konsequent: Der Tierfachmarkt Kölle-Zoo mit Sitz in Schwieberdingen gab den Ausstieg aus dem Reptilienverkauf bis 2018 bekannt. Ebenso sicherte die Garten-Center-Gruppe Dehner im bayerischen Rain in einem Schreiben an PETA ein Ende des Handels mit „Terrarientieren“ zu. Der Marktführer Fressnapf sowie die norddeutsche Handelskette Das Futterhaus kündigten nach Gesprächen mit der Tierrechtsorganisation zumindest erste Schritte an: Die beiden Unternehmen wollen, einem Zeitplan folgend, die Anzahl der angebotenen Reptilienarten reduzieren und den Verkauf wild gefangener Reptilien beenden. Vor dem Hintergrund der Recherche fordert PETA nun die CDU/CSU- sowie die SPD-Fraktion im Bundestag auf, die Haltung und den Handel mit exotischen Tieren für den deutschen Heimtiermarkt zu verbieten.

„Das unstillbare Verlangen der hunderttausenden Terraristikanhänger in Deutschland nach immer mehr und immer selteneren Tieren gefährdet nicht nur die Artenvielfalt in den Herkunftsländern, sondern ist auch für unermessliches Tierleid verantwortlich: In den Massenzuchten und auf den Transportwegen sterben unzählige Reptilien qualvoll oder sind schwer verletzt – in den Lagerräumen der deutschen Großhändler müssen die überlebenden Tiere oft jahrelang in winzigen Behältern ausharren“, so Dörte Röhl, Tierärztin und Fachreferentin für Tierische Mitbewohner bei PETA. „Nur ein umfassendes Verbot des Reptilienhandels in Deutschland kann dem Leiden ein Ende setzen.“

Aus den Lagerräumen eines der größten deutschen Reptiliengroßhändler und Zulieferer zahlreicher Zoofachhändler, der Peter H. GmbH aus Baden-Württemberg, wurden PETA schockierende Aufnahmen massenhaft toter Tiere zugespielt, die auf den langen Transportwegen aus Asien, Afrika oder den USA gestorben sind. Beim US-Großhändler Reptiles by Mack aus Ohio, der zumindest in der Vergangenheit Tiere an die Peter H. GmbH lieferte, zeigen Undercover-Aufnahmen Reptilien, die ihr Dasein verdurstend, krank oder schwer verletzt in winzigen, überfüllten und völlig verdreckten Plastikbehältern fristen. In Asien offenbarte ein weiterer Großhändler aus Vietnam – eigenen Angaben zufolge ebenfalls Zulieferer der Peter H. GmbH – gegenüber PETA-Ermittlern ungeschönt die branchenüblichen „Reklamationsbedingungen“ für Tiere, die die Überseetransporte nicht überleben. Vietnam zählt zu den bedeutendsten Exportländern von Reptilien nach Deutschland.

Bei der Branchengröße M&S Reptilien mit Stammsitz in Villingen-Schwenningen fanden PETA-Ermittler zahlreiche Schlangen, die vielfach bis zu zehn Jahre und darüber hinaus in kleinen Plastikboxen gehalten werden – die Behältnisse, auch mit anderen Reptilien „befüllt“, stapeln sich in den Geschäftsräumen bis zur Decke. Um Platz zu schaffen, werden Tiere teilweise als Auktionen auf der Facebook-Präsenz von M&S regelrecht verramscht. PETA hat die dokumentierten Missstände sowohl im Fall der Peter H. GmbH als auch bezüglich M&S Reptilien den zuständigen Staatsanwaltschaften zur Strafverfolgung vorgelegt.
 
Schauspieler Sky du Mont sprach das Video zur PETA-Recherche ein – der langjährige Unterstützer der Tierrechtsorganisation verlieh den Tieren bereits bei mehreren PETA-Projekten seine Stimme.

PETA setzt sich für ein Verbot von exotischen Tieren in Privathand ein. Pro Jahr werden rund 600.000 Reptilien nach Deutschland eingeführt – viele von ihnen sterben, bevor sie überhaupt beim Käufer ankommen. Verlustraten von bis zu 70 Prozent gelten in der Zoohandelsbranche als üblich [1]. Doch auch in deutschen Wohnzimmern ergeht es den sensiblen Exoten kaum besser: Eine tierärztliche Fallstudie, bei der rund 150 verstorbene Reptilien untersucht wurden, brachte zutage, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten [2]. In einer Beschlussempfehlung des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft des Deutschen Bundestages im Juni dieses Jahres wurde der ausufernde internationale Handel mit Wildtieren, insbesondere mit Reptilien, mit der organisierten Kriminalität in Verbindung gebracht [3].

[1] Toland, Elaine / Warwick, Clifford / Arena, Phillip (2012): Pet Hate. In: The Biologist. Vol. 59, No. 3.
[2] Schmidt, Volker (2008): Die Bedeutung von haltungs- und ernährungsbedingten Schäden bei Reptilien. Eine retrospektive pathologische Studie. 4. Leipziger Tierärztekongress.
[3] Beschluss des Bundestages (2016): Drucksache 18/8940. Online unter: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/089/1808940.pdf.
 

Kisten voller toter Tiere bei einem der größten deutschen Reptilienhändler / © PETA
Das druckfähige Motiv kann hier heruntergeladen werden.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Exotenhandel
 
Kontakt:
Jana Fuhrmann, +49 (0)711 860591-529, JanaF@peta.de