Massives Tiersterben im Stuttgarter Max-Eyth-See: PETA fordert, keine neuen Individuen einzusetzen und erwägt, Mahnmal zum Gedenken an die etwa 100.000 Todesopfer zu errichten

Stuttgart, 9. September 2019 – Zehntausende tote Fische binnen weniger Wochen: Weil sich zu wenig Sauerstoff im Wasser befindet und mutmaßlich auch Blaualgen-Toxine vorhanden sind, starben im Max-Eyth-See in Stuttgart zwischen Anfang August und Anfang September um die 50.000 Fische sowie zahlreiche Schildkröten, Krebse und Muscheln. Bereits im vergangenen Jahr wurde die Feuerwehr wegen eines befürchteten größeren Fischsterbens hinzugezogen; auch in den Vorjahren wurden immer wieder tote Tiere geborgen. Sobald das Wasser giftfrei ist und die Stadt ein geeignetes Konzept vorlegt, sollen eventuell neue Fische in dem See angesiedelt werden. PETA hat sich nun an das städtische Umweltamt sowie an das Tiefbauamt gewandt und appelliert, eine solche Gefahr nicht erneut in Kauf zu nehmen und entsprechend keine neuen Tiere in den See zu setzen. Die Tierrechtsorganisation erwägt zudem, ein Mahnmal zum Gedenken an die bislang etwa 100.000 verstorbenen Tiere zu errichten.
 
„Es wäre fahrlässig und verantwortungslos, neue Tiere im Max-Eyth-See anzusiedeln, solange nicht mit Sicherheit auszuschließen ist, dass in den nächsten Jahren wieder fühlende Lebewesen in dem See zu Schaden kommen. Ein Mahnmal könnte an die bisherigen Todesopfer erinnern und zum Umdenken anregen“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA.
 
Zehntausende tote Tiere im Max-Eyth-See
Schon in den vergangenen Jahren – immer zwischen August und September – starben im Max-Eyth-See zahlreiche Tiere. Aufgrund des Klimawandels steigt die Wassertemperatur und verstärkt somit das rasche Wachstum von Blaualgen (Cyanobakterien). Beim Abbau der Biomasse der Algen wird vermehrt Sauerstoff verbraucht; gleichzeitig gelangt nicht genug Licht zu den Wasserpflanzen, die Sauerstoff produzieren. Infolgedessen sinkt der Sauerstoffgehalt im See, was zum Tod der Fische und wirbellosen Tiere führt. Zudem produzieren Blaualgen Giftstoffe, die gesundheitsschädlich für Schildkröten, Wasserratten sowie für Menschen und deren tierische Mitbewohner sind.
Da sich aufgrund der steigenden Wassertemperaturen das starke Wachstum von Cyanobakterien auch künftig kaum ausschließen lässt, fordert PETA die Stadt auf, den Württembergischen Anglerverein (WAV) von den mit seiner Hegepflicht verbundenen künstlichen Besatzungsmaßnahmen zu entbinden. Die Hegepflicht kann ausgesetzt werden, wenn der Fischbestand aufgrund der Beschaffenheit des Gewässers nicht erhalten werden kann. Laut einer Mitteilung des WAV habe das Tiefbauamt erwogen, den Fischbestand zu ermitteln und zu verändern, damit keine Fische mehr durch die Fehlplanung sterben. „Diese Maßnahme würden wir begrüßen – vorausgesetzt, sie sieht vor, dass keine neuen Fische mehr in den See eingesetzt werden“, so Breining.
 
PETA appelliert an die Verantwortlichen, die Problematik ernst zu nehmen und keine fühlenden Individuen derartigen Risiken auszusetzen. Wissenschaftliche Studien und Gutachten belegen, dass Fische Schmerz spüren können [1]. Die faszinierenden Tiere sind sehr intelligent; sie schließen teils enge Freundschaften und einige Arten benutzen Werkzeuge oder unterscheiden Menschengesichter [2]. Manche Rifffische singen wie Vögel in der Morgen- und Abenddämmerung im Chor [3].
 
Konsum tierischer Produkte trägt entscheidend zum Klimawandel bei
Schon 2006 besagte ein Bericht der UN-Welternährungsorganisation (FAO), dass die industrielle Tierhaltung – und damit der Konsum tierischer Produkte – die Hauptursache für die Umweltprobleme unserer Zeit ist. Dies belegen auch weitere wissenschaftliche Studien, die zugleich zu einer Änderung unserer Ernährungsgewohnheiten auffordern [4]. PETA appelliert daher an alle Menschen, sich vegan zu ernähren – den Tieren, der Umwelt und der eigenen Gesundheit zuliebe.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

[1] Stellungnahme des FLI zu den Veröffentlichungen von Rose et al. (2012) sowie Arlinghaus und Cyrus (2013) (Berichterstatter: Dr. Michael Marahrens, Dr. Inga Schwarzlose), 2013.
[2] Balcombe, Jonathan P. (2016): What a Fish Knows: The Inner Lives of Our Underwater Cousins. Print.
[3] Bioacoustics, DOI: 10.1080/09524622.2016.1227940.
[4] Steinfeld, Henning/Gerber, Pierre/Wassenaar, Tom/Castel, Vincent/Rosales, Mauricio/de Haan, Cees (2006): Livestock’s Long Shadow. Environmental Issues and Options. Rom: UN Food and Agriculture Organisation (FAO). Online abrufbar unter: http://www.fao.org/docrep/010/a0701e/a0701e00.HTM.
 
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