Menschen durch Elefanten gefährdet: Zirkusdirektor Hardy Weisheit erneut zu Bußgeld verurteilt

Erfurt / Stuttgart, 21. November 2017 – Das Amtsgericht Erfurt hat den Direktor des Circus Afrika Hardy Weisheit am vergangenen Freitag zu einem Bußgeld von 800 Euro verurteilt. Der Grund: Weisheit hatte seine Elefanten während eines Gastspiels in Erfurt im August 2016 außerhalb des von den Behörden genehmigten Bereichs herumlaufen lassen und damit fahrlässig Menschen gefährdet (Az.: 653 Js 201266/1765). Zwei weitere Verfahren gegen den Zirkusdirektor wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz wurden eingestellt, da die Sachverhalte nicht aufgeklärt werden konnten: Ebenfalls im August letzten Jahres hatte er die Elefanten entgegen der Anordnung der Stadt Erfurt auf dem Gelände einer brachliegenden Schuhfabrik spazieren geführt. Dabei war eines der Tiere auf einen zugewachsenen Gullydeckel getreten und hatte sich verletzt, da dieser nicht richtig auflag. Außerdem wurde Weisheit die fehlende Genehmigung zur Haltung der Steppenzebras vorgeworfen. Circus Afrika und sein Chef Hardy Weisheit sind in der Vergangenheit wiederholt wegen Tierquälereien und Verstößen gegen die öffentliche Ordnung in die Schlagzeilen geraten.
„Circus Afrika ist einer der rücksichtslosesten Zirkusbetriebe des Landes und bereits dutzendfach negativ aufgefallen. Immer wieder setzt sich der Betrieb über behördliche Vorgaben und das Tierschutzgesetz hinweg“, so Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Wenigstens die Kommunen sollten jetzt Verantwortung übernehmen und Wildtierverbote für Zirkusse erlassen – zum Schutz von Menschen und Tieren.“
In einer Chronik hat PETA die Verfehlungen des Zirkusbetriebs aufgelistet. Darunter findet sich eine Vielzahl von behördlichen Beanstandungen und Verfahren wegen der Tierhaltung, zahlreichen illegalen Landbesetzungen und wilden Plakatierungen sowie über ein Dutzend Ausbrüche der Elefanten, die oftmals mit Sach- oder Personenschäden endeten. Zuletzt verursachte ein Elefant Anfang September 2017 bei einem Gastspiel in Barth einen erheblichen Sachschaden. Zudem quält die Asiatische Elefantendame Gandhi ein großes Bauchödem; bei den Afrikanischen Elefanten Tonga und Moja sind die Beine wegen des andauernden Stehens auf hartem Untergrund teilweise deformiert [1].
Elefanten werden in Zirkusbetrieben in der Regel jede Nacht an zwei Beinen fixiert. Mit dem sogenannten Elefantenhaken – einem Stock mit einem spitzen Metallwiderhaken – werden die Tiere gefügig gemacht. Experten zufolge funktioniert die Dressur von Elefanten nur unter Anwendung von Gewalt und Zwang. Der Bundesrat begründete 2016 in seiner Entschließung für ein Wildtierverbot detailliert, warum insbesondere Elefanten erheblich im Zirkus leiden.

Die Tierrechtsorganisation PETA appelliert an die Städte, rechtssichere Wildtierverbote auf den Weg zu bringen, in denen vor allem die Abwehr von Gefahren durch gefährliche Großwildtiere im Vordergrund steht. Über 85 Städte und Gemeinden haben bereits ein kommunales Wildtierverbot beschlossen. Hinsichtlich der insgesamt uneinheitlichen Rechtsprechung verschiedener deutscher Gerichte bestätigt ein neues Gutachten aus dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR), dass kommunale Wildtierverbote auch weiterhin zulässig sind – insbesondere, wenn neben tierschutzfachlicher Erwägungen auch der kommunalrechtlich relevante Aspekt der Gefahrenabwehr als ein wesentlicher Grund für das kommunale Verbot genannt wird, denn die Verantwortung dafür liegt bei den Kommunen. Jährlich mehrere Dutzend, teils gefährliche Ausbrüche von Tieren im Zirkus bestätigen die Notwendigkeit einer weitergehenden Regelung. Auch bei Circus Afrika sind in der Vergangenheit mehrfach Elefanten ausgebrochen.

PETA fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus, denn die Unterbringung in kleinen Gehegen, die ständigen Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur führen zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oftmals zu einem frühen Tod.
 
[1] Dornbusch, T. (2012): Haltungsbedingte Probleme Afrikanischer Elefanten im Circus. In: Elefanten in Zoo und Circus. Nr. 20, 2011. Hrsg. Elefanten-Schutz Europa e.V. Online unter: www.european-elephant-group.com/files/PDF/20-2011_circusafrikaner_folgeschaeden.pdf.
[2] Kveton, P. (2016): Zirkus zieht Klage zurück. Kommunen dürfen weiter Verbote für Wildtiere erlassen. In: Bayerischer Rundfunk.
[3] VG München, Az. M7K 13.2449.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Chronik-Afrikas-Big-Circus
PETA.de/Wildtierdressur

Kontakt:
Denis Schimmelpfennig, +49 711 860591-528, DenisS@peta.de