Nach Tod von zwei Jungelefanten im Tierpark Hagenbeck durch Herpesvirus: PETA übt scharfe Kritik und fordert Ende der Elefantenhaltung

Hamburg / Stuttgart, 14. Juni 2018 – Letzte Woche verstarb im Tierpark Hagenbeck der junge Elefantenbulle Kanja an einem aggressiven Herpesvirus. Nun gab der Tierpark bekannt, dass auch das zweite Elefantenjungtier Anjuli der Erkrankung erlag. PETA übt scharfe Kritik an den Zoo-Verantwortlichen, da Elefanten durch die Haltungsbedingungen enormem Stress ausgesetzt sind, der das Infektionsrisiko für das Herpesvirus erhöhen kann. Die Tierrechtsorganisation fordert in einem ersten Schritt einen Elefantenzuchtstopp im Tierpark Hagenbeck und in absehbarer Zeit ein Ende der Elefantenhaltung in Gefangenschaft.
 
„Ein Ausbruch der Herpeserkrankung wird wahrscheinlich durch Stress begünstigt. Durch die mangelhaften Haltungsbedingungen in Zoos wird es deshalb immer wieder zu derartigen Todesfällen kommen. Da die Elefantenhaltung im Zoo grundsätzlich nicht tiergerecht möglich ist, fordern wir, sie ganz auslaufen zu lassen“, so Dr. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA.
 
Im Tierpark Hagenbeck werden die Elefanten im sogenannten direkten Kontakt gehalten und mit dem Elefantenhaken, einem Stock mit spitzem Metallhaken, kontrolliert. Ein Umfeld der dauerhaften Einschüchterung und Angst vor Bestrafung mit dem Elefantenhaken führt zu enormem Stress bei den Tieren – insbesondere durch diesen erhöht sich das Risiko des Krankheitsausbruchs bei Elefanten, die mit dem Herpesvirus infiziert sind.
 
Allein im Berliner Zoo starben 1998, 2000 sowie im April und Mai 2011 bereits mindestens vier Elefanten an dem Herpesvirus. Insbesondere sehr junge, in Gefangenschaft lebende Asiatische Elefanten sind dem Risiko einer Infektion durch das sogenannte Elephant Endotheliotropic Herpesvirus ausgesetzt. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge wird starker Stress mit einem Ausbruch der Erkrankung in Verbindung gebracht [1]. Asiatische Elefanten besiedeln in freier Natur große Reviere und wandern über weite Strecken. Können Elefanten ihre natürlichen Verhaltensweisen nicht ausleben, entwickeln sie in der Regel Stresssymptome wie Stereotypien und sind für Viruserkrankungen besonders anfällig. Bei Elefantenpopulationen in freier Natur stellt das Virus keine ernste Bedrohung dar.
 
Viele Elefanten in Zoos leiden unter schweren Verhaltensstörungen, was sich unter anderem im sogenannten Weben äußert, bei dem die Tiere mit Kopf und Körper hin und her schwanken. Das unnatürlich lange Stehen verursacht Fuß- und Gelenkerkrankungen; Stress und Fettleibigkeit sind die Hauptgründe dafür, dass Elefanten im Zoo durchschnittlich deutlich früher sterben als ihre Artgenossen in freier Natur. Allein in den vergangenen sechs Jahren sind im Tierpark Hagenbeck drei Elefanten gestorben.
 
PETA spricht sich grundsätzlich gegen die Elefantenhaltung in Zoos aus, da diese unabhängig von der Haltungsform nicht artgerecht möglich ist. In der Natur leben Elefanten in stabilen Sozialverbänden und erleben eine Vielzahl von Umweltreizen. Der Zooalltag hingegen ist geprägt von Bewegungsmangel, Beschäftigungslosigkeit und zerstörten Sozialstrukturen. Im Zoo geborene Elefanten werden nicht ausgewildert. Vielmehr importieren Zoos auch heute noch sogenannte Wildfänge und tragen so zu ihrem Aussterben in der Natur bei.
 
PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht da, um uns zu unterhalten. Die Tierrechtsorganisation fordert ein Nachzucht- und Importverbot für Elefanten in Zoos, damit die Haltungen mittelfristig auslaufen, und bittet alle Menschen, keine derartigen Einrichtungen zu besuchen.
 
[1] Fowler, M.E. & Mikota, S.K. (2006): Biology, Medicine, and Surgery of Elephants. Blackwell Publishing.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Elefanten-in-Zoos
 
Kontakt:
Katharina Wicke, +49 711 860591-535, KatharinaW@peta.de