Nach Tönnies-Skandal im Kreis Gütersloh: PETA fordert Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig auf, alle Mitarbeiter des Unternehmens in Chemnitz auf COVID-19 testen zu lassen

Chemnitz / Stuttgart, 30. Juni 2020 – In den vergangenen Wochen hat sich bundesweit ein Schlachtbetrieb nach dem anderen als Corona-Hotspot entpuppt, so unter anderem in Birkenfeld, Bad Bramstedt, Dissen, Straubing-Bogen und Coesfeld. Doch die Infektionswelle im Betrieb der Tönnies Holding in Rheda-Wiedenbrück mit aktuell über 1.500 Erkrankten und anschließendem „Lockdown“ der Landkreise Gütersloh und Warendorf zeigt PETAs Ansicht nach in vollem Ausmaß, wie die Verantwortlichen des Fleischkonzerns um Firmenchef Clemens Tönnies Arbeiter ausbeuten und Bürger gefährden. Selbst nachdem die Masseninfektionen aufgedeckt wurden, kooperierte die Unternehmensführung nur widerwillig mit den Landkreisbehörden. Der Landkreis Gütersloh warf dem Unternehmen unkooperatives Verhalten bei der Adressbeschaffung der Arbeiter vor und der Krisenstabsleiter des Kreises Gütersloh, Thomas Kuhlbusch, vermeldete, das Vertrauen in die Familie Tönnies sei „auf null“. Vergangene Woche forderte PETA Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig auf, unverzüglich anzuordnen, sämtliche Tönnies-Mitarbeiter in Chemnitz auf das Coronavirus zu testen. Zudem erwartet die Tierrechtsorganisation, dass die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter geprüft sowie die Einhaltung der Tierschutz- und Tierhygienebestimmungen engmaschig kontrolliert werden.
 
„Aufgrund der systematischen und offenbar vorsätzlich herbeigeführten menschenverachtenden Arbeits- und Lebensbedingungen in dem Tönnies-Betrieb in Rheda-Wiedenbrück ist zu befürchten, dass auch an den anderen Standorten des Unternehmens ähnliche Bedingungen und womöglich COVID-19 Erkrankungen vorherrschen“, so Dr. Edmund Haferbeck. „Wir erwarten, dass die Landräte und Oberbürgermeister der Tönnies-Standorte jetzt hart durchgreifen und nicht länger wegschauen.“
 
Tönnies Skrupellosigkeit zeigt sich auch im qualvollen Umgang mit den Tieren
Ebenso wie die schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten ist auch das Leid der Tiere aufgrund der bei Tönnies angewandten leidvollen Kohlenstoffdioxid-Betäubung seit Jahren bekannt. Bei dieser Methode vergehen bis zu 30 Sekunden, bis die narkotisierende Wirkung des Gases einsetzt. In dieser Zeit erleiden die Tiere Todesqualen: Unter Atemnot schreien sie laut, springen in den Betäubungsgondeln wild übereinander und recken verzweifelt die Nasen in die Höhe, um dem Gas zu entkommen, das ihre Schleimhäute reizt.
 
Hintergrundinformationen: Tierische Produkte bergen Risiken für menschliche Gesundheit
Bereits 2004 nannte die Weltgesundheitsorganisation WHO die steigende Nachfrage nach tierischen Produkten als eine der Hauptursachen für die Entstehung von Zoonosen. [1] COVID-19, die Vogelgrippe H5N1, die SARS-Pandemie, das MERS-CoV, das gefährliche Ebolafieber, unzählige Opfer durch multiresistente Keime und sogar Aids – sie alle haben einen gemeinsamen Nenner: die Gier der Menschen auf Fleisch, Milch und Eier. [2] Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft betonte schon 2015 in einem Gutachten: „Tierische Lebensmittel bergen grundsätzlich Risiken für die menschliche Gesundheit. Mögliche Beeinträchtigungen der Gesundheit ergeben sich zum einen durch Erreger von Zoonosen, die in den Tierbeständen vorkommen und auf unterschiedlichen Wegen zu den Konsumenten/Konsumentinnen gelangen können, zum anderen durch verschiedene stoffliche Belastungen aus der Tierhaltung sowie durch die Entstehung von Resistenzen gegenüber Medikamenten.“ [3]
 
PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen oder sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

[1] WHO/FAO/OIE (2004): Report of the WHO/FAO/OIE joint consultation on emerging zoonotic diseases. Online abrufbar unter: https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/68899/WHO_CDS_CPE_ZFK_2004.9.pdf?fbclid=IwAR2ha8hDMHV8gDJYEadsk7-lxLS84Z3kSlq3E4-zG5kaWUh1Xc5vgJhTsJ4. (20.04.2020).
[2] Bundesministerium für Bildung und Forschung (2011): Gefährliche Eindringlinge – Droht nach der Schweine- und Vogelgrippe in Zukunft eine Fledermausgrippe?. Online abrufbar unter: https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/gefahrliche-eindringlinge-droht-nach-der-schweine-und-vogelgrippe-in-zukunft-eine-3200.php. (20.04.2020).
[3] Wissenschaftlicher Beirat für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2015): Wege zu einer gesellschaftlich akzeptieren Nutztierhaltung. Gutachten. Online abrufbar unter: https://buel.bmel.de/index.php/buel/article/view/82/Nutztiergutachten - Sonderheft 221 - BüL-html. (07.05.2020).
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Corona-Tönnies
PETA.de/Corona
PETA.de/Zoonosen
PETA.de/Antibiotikaeinsatz-in-deutschen-Staellen
PETA.de/Kontrollbericht-Schlachthof
PETA.de/Schlachthoefe-Corona
PETA.de/CO2-Betaeubung-Schweine
 
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