Nach Veröffentlichung von neuer Recherche: PETA fordert gemeinsam mit den griechischen Organisationen GAR, Ippothesis, SAWA und VeGaia Verbot des touristischen Eselreitens

Esel und Maultiere auf Santorin weiterhin gequält und Touristen gefährdet


Firá / Stuttgart, 12. Dezember 2019 – Ein kürzlich von PETA veröffentlichtes Video zeigt, dass Esel und Maultiere auf der griechischen Urlaubsinsel Santorin nach wie vor als „Taxis“ missbraucht werden. Obwohl das griechische Ministerium für ländliche Entwicklung die Ritte nach PETAs Appell im vergangenen Jahr für Touristen mit einem Gewicht von über 100 Kilogramm untersagte, müssen die Tiere noch immer teils schwergewichtige Menschen tragen und haben aufgrund des schlecht sitzenden Sattelzeugs wundgescheuerte Stellen. Auf den Aufnahmen vom September dieses Jahres ist zu sehen, dass einige von ihnen – von den Eselführern teils mit Stockschlägen angetrieben – stolpern und so auch für Spaziergänger zur Gefahr werden; zum Teil flüchteten Touristen auf Mauervorsprünge, um ihnen auszuweichen. PETA Deutschland und die Organisationen GAR, Ippothesis, SAWA und VeGaia wenden sich in einem gemeinsamen Brief an Griechenlands Landwirtschaftsminister Makis Voridis. Sie fordern gesetzliche Veränderungen, die den Schutz von Eseln und Maultieren sichern und es verbieten, sie für Ritte zu missbrauchen. Denn der Landwirtschaftsminister äußert sich in einem aktuellen Brief an die griechischen Medien dahingehend, dass er vermehrt auf den Tierschutz achten werde, er aber eine „lokale Tradition“ bewahren und die Wirtschaft somit stärken möchte. Voridis fordert damit nichts anderes, als die fragwürdige „Tradition“ durch die Ausbeutung von Tieren auch in Zukunft fortbestehen zu lassen.
 
„Da nach wie vor Esel und Maultiere für den Tourismus ausgebeutet werden, fordern wir mit vereinten Kräften ein Verbot der Ritte. Nur so können die Tiere wirklich geschützt werden. Dass Minister Voridis ‚Tradition‘ und wirtschaftliche Faktoren wichtiger sind als die Sicherheit der Tiere, ist schockierend. Verstöße gegen das Tierschutzgesetz wurden bisher kaum oder gar nicht geahndet und werden sehr wahrscheinlich auch in Zukunft nur schwer an allen Orten Griechenlands zu kontrollieren sein. Daher ist eine Verschärfung von Gesetzen und Strafen nicht ausreichend“, so Harald Ullmann, 2. Vorsitzender von PETA Deutschland.
 
Hintergrundinformation
Die Tierrechtsorganisation deckte bereits 2018 die Missstände der vermeintlichen Touristenattraktion auf. Obwohl der Aufstieg per Seilbahn möglich ist, müssen auch etwa ein Jahr später noch circa hundert Esel und Maultiere mit Touristen auf ihren Rücken mehrmals täglich die mehr als 500 Stufen zur Stadt Firá bezwingen. Zwar legte das griechische Ministerium eine Gewichtsgrenze fest, doch PETAs neue Recherche zeigt, dass sich die Eselführer nicht an die Regelung halten und keine Kontrollen stattfinden. Zudem sind viele Touristen sichtlich mit den Tieren überfordert: Sie rammen ihnen die Fersen in die Flanken, um sie zum Gehen zu bewegen, oder ziehen sie die Stufen runter.
 
Durch schlecht sitzende und abgenutzte Sättel leiden einige Tiere an schmerzhaften Abschürfungen und Wunden im Bauchbereich. Auch das Zaumzeug ist ungeeignet: Einige Esel und Maultiere haben mit Fliegen übersäte Wunden an den Köpfen. Während die Tiere in der Mittelmeersonne ausharren und auf die nächste Tour warten müssen, verwehren die Halter ihnen selbst essenzielle Dinge wie Wasser, Schatten oder Witterungsschutz. Der europaweit renommierte Pferdeexperte und Sachbuchautor Ingolf Bender verfasste für PETA eine „Tierschutzfachliche Stellungnahme“ zu der Problematik; er kritisiert die durchweg mangelhafte Ausrüstung und bewertet es als „krass tierschutzwidrig“, die Tiere über mehrere Stunden ohne Futter und Wasser einzusetzen. „Wir appellieren an alle Reisenden, Abstand von vermeintlichen Attraktionen mit Tieren zu nehmen und ihre Reise tierfreundlich zu gestalten“, so Ullmann.
 
Im Gegensatz zu Pferden sind Anzeichen für Schmerz, Angst oder Krankheit bei Eseln nur schwer erkennbar. Sehen sie sich einer potenziellen Gefahr ausgesetzt, verwurzeln sie ihre Füße am Boden, um die Situation zu analysieren. Häufig wird dieses Verhalten als „Sturheit“ interpretiert, obwohl Esel in solchen Momenten aller Wahrscheinlichkeit nach schlichtweg Angst empfinden.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

 

 

Schlecht sitzende Sättel und Gurte verursachen wunde und blutige Hautverletzungen. / © PETA Deutschland e.V.
 
Das Bildmaterial steht hier zum Download zur Verfügung.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Santorin-2019
PETA.de/Santorin-Esel-Gesetzesaenderung
PETA.de/Petition-Santorin-Esel
PETA.de/offene-Wunden-am-Ruecken-so-leiden-Esel-auf-Santorin-jeden-Tag
 
Pressekontakt:
Lisa Kienzle, +49 711 860591-536, [email protected]