Cesar Millan und seine gewalttätigen Methoden – Ein Gastblog

Gastblog einer freien Journalistin, die seit mehreren Jahren überwiegend über Tierschutzthemen schreibt

Der kleine Willi röchelte und keuchte, stand auf einmal ganz still, zitterte am ganzen Körper, senkte den Kopf und fiepte jämmerlich. Sein Halter hatte dem erst drei Monate alten, sehr kleinen Welpen eine Würgeschlinge umgelegt, die an das Ende einer schwarzen Stoffleine geknüpft worden war. Der Welpe wog damals rund zwei Kilo. Eine Nachbarin sprach den Mann an, warum er diesem jungen, kleinen Hund so etwas anziehe.

„Er soll lernen, nicht an der Leine zu ziehen“, antwortete der Mann.


Und er ergänzte:

„Ich lege ihm das Band über den Kehlkopf, wie es der Hundetrainer Cesar Millan macht.“


Die Druckausübung auf den Kehlkopf ist sehr schmerzhaft – und das wusste die Nachbarin, denn sie war auch Tierschützerin. Entsetzt über die Behandlung des kleinen Welpen informierte die Frau die zuständige Amtstierärztin. Eine andere Nachbarin, die das Würgen des kleinen Hundes ebenfalls gesehen hatte, schaute geflissentlich weg und ging mit ihrem Hund hoch erhobenen Hauptes weiter. Sie ließ später keinen Zweifel daran aufkommen, wie übertrieben sie das Verhalten ihrer Nachbarin fand, die das Würgen des Hundes durch den Halter als unangemessen erachtete und daraufhin die Amtstierärztin verständigte.

Die Ehefrau des Halters hatte noch eine weitere Erklärung für die Verwendung der Würgeschlinge:

„Wenn man es nicht nehmen sollte, dürfte es nicht verkauft werden“, sagte sie lapidar.


Eine Nachfrage bei den Zoogeschäften „Fressnapf“ und „Futterhaus“ am Wohnort der Halter ergab jedoch, dass diese Händler eine Würgeschlinge, wie sie bei Willi verwendet wurde, nicht empfehlen und auch nicht verkaufen würden – schon gar nicht für einen Welpen. Es ist daher davon auszugehen, dass die Halter die Schlinge selbst an das Ende der Stoffleine geknüpft hatten.

Geschirr für Welpen

Während eines Kontrollbesuchs klärte die Amtstierärztin den Halter und seine Ehefrau darüber auf, dass das Tragen dieser Schlinge für den Welpen sehr gesundheitsschädlich sei. Sie empfahl ein Geschirr für den kleinen Hund. Danach trug der Welpe zwei Tage lang ein Geschirr, dann jedoch wieder die Würgeschlinge. Offensichtlich waren die Halter trotz der Aufklärung durch die Tierärztin vollkommen uneinsichtig. In der Hundeschule, die die Halter mit ihrem kleinen Hund besuchten, sind Würgehalsbänder verboten. Daher hatten Willis Besitzer dem Hund aus Täuschungsgründen einen Stopp in die Würgeschlinge eingefügt, damit diese sich nicht ganz zuziehen konnte. Beim Besuch der Trainingsstunden legten sie dem Tier bisweilen auch ein normales, allerdings sehr schmales Halsband an, sodass die Hundeschule keine Beanstandungen feststellen konnte. Wenn die Halter mit ihrem Hund aus dem Haus gingen, trug er zwar ein normales, schmales Halsband. Sobald sie sich jedoch außer Sichtweite von Menschen glaubten, streiften sie ihm wieder die Würgeschlinge ohne Stopp über, die an der Stoffleine befestigt war und die die Halter in der Tasche mitführten. Dies wurde von der Tierschützerin mehrfach beobachtet.

Der Mann brüstete sich gegenüber einer weiteren Nachbarin sogar damit, dass er dem Hund, genau wie Cesar Millan, durch das Würgeband zeige, dass er der Stärkere und damit der Rudelführer sei.

„Bei einem so kleinen Hund ist es sehr leicht, stark zu sein, ein Würgeband ist dazu bestimmt nicht nötig“, meinte die Frau. Nach Informationen der Autorin kann damit jeder Hund gefügig gemacht werden. Und nach diesem Prinzip handelt auch Millan.

„Würge- und Stachelhalsbänder wirken besonders drastisch. Dadurch kann sich ein Hund lebensgefährliche Verletzungen an der Luftröhre zuziehen“, sagt Nadja Kutscher von der Tierrechtsorganisation PETA.


Schleudertrauma, Bandscheibenwölbung, Ohnmacht oder Verletzungen des Rückenmarks nennt Kutscher als mögliche Folgen. Im schlimmsten Fall könne ein Würgeband auch die Luftröhre zertrümmern und den Hund ersticken lassen. Daneben seien auch ausgerenkte Nackenknochen, zerquetschte Speiseröhren, Kehlkopfschäden und ein Druckanstieg im Kopf, der Hirn- oder Augenschäden verursachen könne, möglich. Inzwischen raten Organisationen wie PETA, Aktion Tier, das Haustierregister Tasso und der Deutsche Tierschutzbund sowie viele Tierärzte grundsätzlich zum Brustgeschirr, da dieses den Druckpunkt von der Halswirbelsäule hin zum Brustkorb verlagert.

Das besonders Fatale in Willis Fall ist, dass der kleine Hund noch während des Wachstums der Knochen eine Würgeschlinge tragen musste. Sein weiteres Schicksal ist ungewiss, denn die Halter benutzen das Würgehalsband weiter, sobald sie denken, dass es niemand sieht. Neuerdings verwenden sie auch ein sogenanntes Schlupfhalsband. Der darin befindliche Stopp wurde nach unten verschoben, damit er das Zuziehen des Halsbandes nicht verhindern kann. An einem türkisfarbenen Kordel-Halsband, das der Welpe trug, war zu sehen, dass der Stopp gewaltsam nach unten verschoben worden war, denn er war nicht mehr rund, sondern oval verformt. Es sah aus, als wäre mit einem Hammer darauf geschlagen worden.

Es ist mit Sicherheit nur eine Frage der Zeit, bis bei dem kleinen Willi gesundheitliche Beeinträchtigungen oder gar körperliche und seelische Schäden auftreten.

Willi hat jetzt etwa die Größe eines Dackels. Gegenüber der Amtstierärztin, die mehrfach Kontrollen durchführte, bestritten die Halter stets die Verwendung von Würgehalsbändern. Allerdings hatte die Veterinärin während ihres ersten Besuchs bei Willis Haltern den anfänglich eingesetzten schwarzen Endlos-Würger gesehen. Später wurde ihr immer nur ein normales Halsband gezeigt, das die Halter angeblich verwendeten.

Die Beweise reichten für eine Beschlagnahmung des Tieres nicht aus, zumal das Fotografieren des Hundes mit dem Zughalsband nicht möglich war. Die Tierschützerin befürchtete, dass der Halter ihr die Kamera oder das Handy aus der Hand schlagen könnte. Der Hund gehorcht übrigens perfekt. Muss er an der Leine laufen, passt er sich haargenau den Schritten seiner Halter an, damit sich das Halsband nicht zuzieht. Dies verbuchen die Besitzer als Erfolg ihrer „Erziehung“. Aufgrund der Hitze in diesem Sommer wohnten sie übrigens mit ihrem Hund auf einem Campingplatz. Willi wurde also schon mehrere Monate nicht mehr gesehen.

Wie es ihm derzeit geht, ist nicht bekannt.

Auch die Tierärztin Dr. Jennifer Nehls, die bei Hamburg eine mobile Tierarztpraxis mit Schwerpunkt Physiotherapie für Kleintiere betreibt und als Medizinjournalistin ein Pressebüro führt, spricht sich entschieden gegen die Verwendung von Würgehalsbändern aus.

„Würgehalsbändern liegt die Idee zugrunde, dem Hund beim Zug an der Leine Schmerzen zuzufügen und ihn so für sein Verhalten zu bestrafen. Im Gegenzug soll er durch das Nachlassen des Schmerzes belohnt werden, bei dauerhaftem Zug an der Leine bleibt der Effekt aus.“

 
„Durch die Anwendung des Würgehalsbands entsteht ein Druckschmerz im Halsbereich, der schlimmstenfalls zu Verletzungen von Kehlkopf, Luftröhre und Speiseröhre sowie zu Folgeschäden führen kann. Wird beispielsweise der Nerv, der den Kehlkopf versorgt, durch das Anwenden des Würgehalsbands verletzt, kann dies zu einer Lähmung der Stimmritze führen, die sich aus physiologischen Gründen bei der Einatmung öffnet. Die Lähmung führt dazu, dass beim Einatmen nicht mehr ausreichend Sauerstoff über die Luftröhre in die Bronchien gelangt, sodass eine notwendige Anreicherung des Gewebes mit Sauerstoff verhindert wird. Ein weiterer nachteiliger Effekt ist, dass der Abfluss des venösen Blutes durch den Druck des Halsbands beeinträchtigt wird, was sich negativ auf die Blutgefäße der Augen auswirken kann. Die Anwendung von Stachelhalsbändern dramatisiert den Effekt, da zusätzlich Metalldornen auf den Hals des Hundes einwirken. Aus tierärztlicher Sicht ist die Anwendung von Würgehalsbändern beim Hund unabhängig von Rasse, Größe und Alter des Tieres tierschutzwidrig. Paragraf 1 des Tierschutzgesetzes besagt, dass es in der Verantwortung des Menschen liegt, das Wohlbefinden des Tieres zu schützen.

Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Leiden, Schmerzen oder Schäden zufügen.

Paragraf 2 definiert darüber hinaus eindeutig, dass eine Person, die ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, die Möglichkeit des Tieres für eine artgemäße Bewegung nicht derart einschränken darf, dass ihm Schmerzen, vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.“

Eine Nachfrage bei Steffi Märke von der Fachkoordination des Deutschen Tierschutzbundes ergab, dass der Einsatz eines Würgehalsbands auch gegen Paragraf 3, Absatz 1, Nummer 5 des Tierschutzgesetzes verstößt. Dieser Paragraf bezieht sich auf die Bereiche Ausbildung und Training. Bei der Verwendung eines Würgehalsbandes sei von erheblichen Schmerzen, Leiden und Schäden auszugehen, da eine Druckwirkung auf die Halswirbelsäule erzeugt wird. Es könne zu Blockaden, Wirbelverschiebungen oder sogar Bandscheibenvorfällen kommen. Weiter seien Schädigungen der Carotis-Arterie (Unterversorgung des Gehirns mit Blut und Sauerstoff), Luft- und Speiseröhre, Kehlkopf und Schilddrüse möglich. In Verbindung von Paragraf 3 mit Paragraf 18, Absatz 1, Nummer 4 wird bei Nichtbeachten des Verbots von einer Geldbuße bis zu 25.000 Euro gesprochen. Zuständige Behörde ist das Veterinäramt.


Die Tierärztin und Journalistin Barbara Welsch, veröffentlichte einen Fall, bei dem das Würgen eines jungen Schäferhundes dessen Tod zur Folge hatte. „Sein Besitzer hatte ihn beim Training zur Strafe an einem Würgehalsband hochgehoben und über eine Minute in der Luft hängen lassen. Erst als das Tier in Panik geriet und schließlich bewusstlos wurde, ließ sein Halter es wieder zu Boden. Der Hund erwachte wenige Sekunden später aus seiner Bewusstlosigkeit und erschien zunächst normal. Innerhalb der nächsten vier Stunden bewegte sich das Tier jedoch zunehmend unsicher und begann zwanghaft im Kreis zu laufen. Bei der Allgemeinuntersuchung in einer Tierklinik erhoben die Tierärzte folgende Befunde: Ängstlichkeit, starkes Hecheln, Herzrasen, Körpertemperatur von über 40 Grad, dunkel verfärbte Schleimhäute und eine verzögerte Kapillarfüllungszeit als Zeichen eines Kreislaufschocks. Nachdem die Tierärzte den Kreislauf des Hundes stabilisiert hatten, fuhren sie mit einer neurologischen Untersuchung fort. Dabei stellten die Tierärzte Blindheit, Pupillenerweiterung, reduzierte Reflexe, Augenzittern und eine linkseitige Gesichtsnervenlähmung fest. Auf Magnetresonanzaufnahmen des Gehirns waren erhebliche Veränderungen des Mittel- und Zwischenhirns zu sehen, die für die neurologischen Symptome einschließlich der Blindheit verantwortlich waren. Die Hirnschäden führten die Tierärzte auf einen langandauernden Sauerstoffmangel durch das Würgen zurück.“

Aufgrund der schweren Hirnschäden, die als unheilbar erachtet wurden, schläferten die Tierärzte den Hund schließlich ein.

Das Verwenden von Würgehalsbändern als Erziehungsmittel wird von einigen Trainern nach wie vor empfohlen, obwohl die damit verbundenen Gefahren, im schlimmsten Falle Tod durch Erwürgen, längst bekannt sind. Ein prominenter Verfechter der Würgeschlingen und Zug- sowie „Erziehungshalsbänder“ ist der selbst ernannte „Hundeflüsterer“ Cesar Millan, auf den sich auch Willis Besitzer berufen hatten. Es sieht so einfach aus und die Leute machen es nach – obwohl vor den Sendungen auf Sixx darauf hingewiesen wird, dass die gezeigten Methoden nicht ohne Trainer praktiziert werden dürfen. Zu Millans Repertoire gehören zudem Schläge auf den Kehlkopf und Nierentritte.
Auch das „Hängen“ von Hunden zur Strafe von Fehlverhalten scheint in einigen Kreisen durchaus üblich zu sein.

Es gibt Gerüchte, dass es in den USA immer wieder zu Todesfällen durch „Strafhängen“ gekommen sein soll. (Ergänzung vom 04.07.2013).

Möglicherweise handelt es sich bei dem bekannt gewordenen Fall nur um die Spitze eines Eisbergs.


Eine ausführliche Darstellung des beschriebenen Falles ist in folgendem kostenpflichtigen Fachartikel nachzulesen:
Grohmann, K., Dickomeit, M. J., Schmidt, M. J., & Kramer, M. (2013). Severe brain damage after punitive training technique with a choke chain collar in a German shepherd dog. Veterinary Behavior, Vol 8, Issue 3, S.180-184. Abstract (das Abstract ist öffentlich und kostenlos verfügbar)

Was Sie tun können

  • Arbeiten Sie niemals mit den gewaltsamen Methoden nach Cesar Millan und besuchen Sie keine seiner Shows.
  • Suchen Sie sich einen Hundetrainer, der mit positiver Bestärkung arbeitet und eine erfolgreich abgelegte Sachkundeprüfung nachweisen kann.
  • Die meisten Zwischenfälle zwischen Mensch und Hund sowie Hund und Hund sind auf ein falsches Verständnis der Hundesignale zurückzuführen. Viele Hundehalter wissen nicht, wie sie auf das Verhalten ihres Hundes in kritischen Situationen reagieren sollen. Deshalb fordern wir die Einführung eines bundesweiten „Hundeführerscheins“.