Studie beweist: Kühen und Kälbern in der Milchindustrie geht es schlecht

Die Milchindustrie hält Kühe zu einem einzigen Zweck: um die Milch der Tiere zu verkaufen. Die Branche hat Kühe zu reinen Milchmaschinen degradiert – und so verwundert es nicht, dass die Tiere durch Qualzucht, artwidrige Nahrung, möglichst kostengünstige Haltung und falsche Behandlung im wahrsten Sinne des Wortes krank gemacht werden. Eine von der Bundesregierung finanzierte Studie, die von 2016 bis 2020 mit mehr als 750 deutschlandweiten Betrieben durchgeführt wurde, beweist nun, was wir von PETA seit langem anprangern: Ein Großteil der Kühe in deutschen Milchbetrieben ist krank. Zudem sterben Zehntausende Kälber frühzeitig. [1]

Lahmende und abgemagerte Kühe in Betrieben jeder Haltungsform

Die bislang wohl umfangreichste Untersuchung zu dieser Thematik bestätigt, dass Kühe in der Milchindustrie am häufigsten von Lahmheit betroffen sind, beispielsweise von schmerzhaften Störungen des Ganges. Zu diesem Krankheitsbild kommt es, weil sich die Klauen der Tiere auf den ungeeigneten Stallböden oder auf feuchten Weiden falsch abnutzen und Klauenpflege in vielen Betrieben vernachlässigt wird. Auch krank machende Untergründe voller Kot und Urin stellen ein häufiges Risiko dar.  

Hinzu kommt, dass viele Kühe stark abgemagert sind, was ebenfalls zur Lahmheit führen kann. Dass Kühe in der Milchindustrie abmagern, hat verschiedene Gründe: Zum einen zehrt die zuchtbedingt unnatürlich hohe „Milchproduktion“ die Tiere regelrecht aus, zum anderen können sonstige Erkrankungen, psychisches Leid aufgrund der artwidrigen Haltung oder minderwertige Futtermittel zu starkem Untergewicht führen. Folgen dieser Abmagerung sind unter anderem Verletzungen wie blutige Abschürfungen und Abszesse, da die Tiere im Stall meist auf harten Untergründen liegen müssen oder sich herausstehende Knochen anschlagen.

Als weiteres Ergebnis zeigt die deutschlandweite Studie auf, dass jedes zehnte Tier den vierten Lebensmonat nicht erreicht – das sind 280.000 Kälber im Jahr. [2] Besonders bei männlichen Kälbern ist die Rate an Erkrankungen sowie die Todesrate in den ersten beiden Lebenswochen hoch. Männliche Kälber haben wirtschaftlich gesehen keinen Wert für Milchbetriebe, da sie kaum Fleisch ansetzen und natürlich keine Milch geben.

Auffallend ist, dass diese Erkrankungen in allen Betriebsarten verzeichnet wurden – also vom Bio-Betrieb mit Weidegang bis hin zur Anbindehaltung.

Lahmende Kühe sind Normalität in Milchbetrieben

Eine Lahmheit sollte nicht heruntergespielt werden, denn diese Erkrankung bedeutet für betroffene Tiere meist starke Schmerzen und beeinträchtigt schnell den ganzen Körper. Dennoch ist das Krankheitsbild nach Angaben der Studienleiterin in vielen Betrieben Normalität (2) – also Betriebsblindheit auf Kosten der Tiere! Im fortgeschrittenen Stadium der Lahmheit gelten Kühe als nicht mehr transportfähig und müssen somit im Betrieb „notgetötet“ werden.

„Nottötung“ – Potenzial für Unwort des Jahres

Der Begriff „Nottötung“ ist eine beschönigende Umschreibung für eine Situation, die sich so mancher Landwirt nicht eingestehen will, denn dann müsste er das ausbeuterische System kritisch hinterfragen. Nottötung bedeutet im Klartext: Ich kann für dieses Tier keine Tierarztkosten (mehr) aufbringen, denn das übersteigt seinen wirtschaftlichen Wert. Da sein Zustand aber so schlecht ist, kann es nicht mehr zum Schlachthof transportiert werden. Also töte ich es vor Ort und entsorge es in der Tierkörperbeseitigungsanlage.

Illegale Transporte statt Nottötungen

Viele Tierhalter unterschätzen die Lahmheit ihrer Kühe oder ignorieren die Erkrankung schlicht und einfach. Aufdeckungen von Tierschützern und Untersuchungen an Schlachthöfen zeigen daher immer wieder, dass selbst kranke und nicht transportfähige Kühe den Strapazen eines Transports zum Schlachthaus ausgesetzt werden, damit Milchbetriebe aus den leidenden Tieren noch ein letztes Mal Profit schlagen können. Ihre ausgezehrten Körper werden meist zu Hunde- und Katzennahrung oder Burger Patties verarbeitet.

Insgesamt wird jede zweite Kuh aufgrund gesundheitlicher Probleme im Schlachthof getötet – was nicht heißt, dass die andere Hälfte glücklich bis an ihr natürliches Lebensende lebt. Jede Kuh in der Milchindustrie wird früher oder später getötet. Nur der Zeitpunkt und die Gründe unterscheiden sich.

Mythos: Nur gesunde und glückliche Kühe „geben“ Milch

Wie die von der Bundesregierung finanzierte Studie aufzeigt, produzieren Kühe selbst dann noch wirtschaftliche Mengen Milch, wenn es ihnen schlecht geht. Überzüchtung kombiniert mit hohen Mengen an „Kraftfutter“ zwingen die Tiere regelrecht dazu. Aus dem gleichen Grund kann auch eine Henne nicht aufhören, Eier zu legen, obwohl es ihr gesundheitlich extrem schlecht geht.

So macht auch die Studienleiterin in einem Interview deutlich:

„Die Milchleistung ist kein Indikator für das Befinden der Kuh.“ [2]

Was Sie tun können

Machen Sie sich nicht länger mitverantwortlich für das Leid der Kühe in Milchbetrieben. Die Milchindustrie ist ausnahmslos grausam – auch für Tiere, die nicht an zusätzlichen Krankheiten leiden. Kuhmütter und ihre Kälber werden systematisch kurz nach der Geburt voneinander getrennt und nach einem kurzen, leiderfüllten Leben gewaltsam im Schlachthof getötet.

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