Video: Mäuse nach Rückenmarksversuchen querschnittsgelähmt

Haben Sie schon einmal zugesehen, wie einem anderen Lebewesen Schmerzen zugefügt werden und diesen Schmerz dann selbst verspürt? Mit dieser unangenehmen Reaktion versucht unser Gehirn, Mitgefühl mit dem Schmerz eines anderen Wesens auszudrücken. Vermutlich wird es Ihnen bei folgendem Video auch so ergehen: Es zeigt Mäuse, die verzweifelt versuchen, vorwärts zu kriechen, indem sie ihre gelähmten Beine nachziehen.

Experimentatoren der Ruhr-Universität Bochum hatten neugeborenen Mäusen die Kopfhaut aufgeschnitten, Substanzen in ihr Gehirn injiziert und einige Wochen später Teile des Rückenmarks verletzt, um eine Lähmung zu verursachen. Am Ende des Versuchs wurden die Mäuse getötet und seziert. [1]

Werfen Sie einen Blick in den Spiegel und sehen Sie sich dann eine Maus an. Wir teilen uns mit den Tieren einige komplexe Emotionen, wie etwa die Fähigkeit Mitgefühl zu empfinden. Man muss jedoch kein Genie sein, um zu erkennen, dass sich die Physiologie von Menschen und anderen Tieren enorm unterscheidet.

Der Mensch ist keine 70 kg schwere Maus

Vergleichende wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass Tiere keine guten Modelle sind, wenn es um die Erforschung von Rückenmarksverletzungen beim Menschen geht. Solche Versuche führen nicht zu Ergebnissen, die sich zuverlässig auf den Menschen übertragen lassen: Dies wird beispielsweise deutlich an dem einzigen Medikament für Rückenmarksverletzungen, das derzeit verfügbar ist: Obgleich es an zahllosen Tieren getestet wurde, haben die Experimente aufgrund der enormen physiologischen Unterschiede zwischen den verschiedenen Spezies extrem unterschiedliche Ergebnisse hervorgebracht. [2] Selbst die US-Gesundheitsbehörde (NIH) räumt ein, dass 95 Prozent aller neuen Medikamente, die sich in Tierversuchen als sicher und wirksam erweisen, in klinischen Studien an Menschen schließlich versagen. [3] Das verschwendet Zeit und Geld.

Tierfreie Methoden werden noch zu wenig genutzt

Eine ethisch vertretbare Forschung und fortschrittliche Testverfahren gehen Hand in Hand. Zu solchen Methoden gehören unter anderem Gewebezüchtungen mit menschlichen Stammzellen, Organoide, Bioprinting [4] oder klinische Studien mit Menschen. Diese und andere tierfreie Forschungs- und Testverfahren können wissenschaftlichen Fortschritt und damit die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden und Medikamente ermöglichen.

Hassan Jerbi

Es gibt auch gute Nachrichten: Nach Gesprächen mit PETA USA hat die Ball Corporation die Finanzierung ähnlicher Rückenmarksversuche an Tieren eingestellt. Es ist an der Zeit, dass alle, die noch an Tieren experimentieren – sei es an der Ruhr-Universität oder anderenorts – endlich auf moderne tierfreie Forschungsmethoden umsteigen.

Was Sie tun können

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