Aktueller Umwelt-Report: Die Wollindustrie befeuert das Artensterben!

Inhaltsverzeichnis:

„[Wolle] ist ein Produkt moderner industrieller, chemischer, ökologischer und genetischer Eingriffe, das wesentlich zur Klimakrise, zur Bodenverschlechterung, zum Wasserverbrauch, zur Verschmutzung und zum Verlust der biologischen Vielfalt beiträgt.“

Center for Biological Diversity und CIRCUMFAUNA Initiative von Collective Fashion Justice [2]

Laut einer Studie glauben 87 Prozent aller Konsument:innen, Wolle sei umweltfreundlich. [1] Dabei gilt es unter Experten als unumstritten, dass die landwirtschaftliche Tierhaltung – und damit auch die Wollindustrie – einer der größten Klimakiller unserer Zeit ist. Der Report „Environmental Impacts of Wool Production“ des Center for Biological Diversity und der CIRCUMFAUNA Initiative von Collective Fashion Justice hat nun anhand bestehender Daten ausgewertet, welche konkreten Auswirkungen die Wollindustrie auf das weltweite Artensterben hat. [2]

Die 8 wichtigsten Erkenntnisse aus dem Report

1. Der Flächenverbrauch für Wolle ist extrem hoch

Um Wolle zu produzieren, werden sehr große Landflächen verschwendet. Damit Schafe grasen können, müssen natürliche Ökosysteme zerstört und Wälder und andere Pflanzenbestände abgeholzt werden. Um nur einen Wollballen herzustellen, müssen in Australien bis zu 44,04 Hektar Land gerodet werden. Für einen Ballen Baumwolle hingegen sind dies nur 0,12 Hektar. [3] Dadurch wird viel Land vernichtet, und die Wollproduktion ist einer der Gründe, dass wir uns derzeit im größten Artensterben unserer Zeit befinden.

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2.Die Wollindustrie bedroht die Artenvielfalt

Lebensraumverlust durch Landnutzungsänderungen, einschließlich Entwaldung und Bodendegradation, stellen die größte Bedrohung für die biologische Vielfalt dar. Ohne Pflanzenvielfalt gibt es keine tierische Vielfalt. Viele Waldvogelarten wie der Schwarzkopfschnäpper, aber auch Bodenbrüter wie der Emu sind wegen der Woll- und Agrarindustrie in großen Teilen Australiens bereits stark bedroht. [4]

„Das Getrampel nicht heimischer Schafe fügt anfälligen Wildtieren und empfindlichen Ökosystemen erheblichen Schaden zu, denn es beschädigt Höhlen und Baue gefährdeter Arten und beeinträchtigt und zerstört die Bodenkruste und den Pflanzenwuchs.“

Center for Biological Diversity und CIRCUMFAUNA Initiative von Collective Fashion Justice [2]

3.Für Wolle werden wild lebende Tiere ausgerottet

Während viele Schafhalter:innen in Deutschland als Hauptbefürworter:innen für den Abschuss des Wolfes gelten, ist die Wollindustrie auch in anderen Ländern für die massenhafte Tötung von Wildtieren zuständig. Zahlreiche Grizzlybären, Wölfe, Kojoten, Kängurus und viele weitere Wildtiere werden tagtäglich im Namen der Wollindustrie getötet. Denn viele Wildtiere stehen in direkter Nahrungskonkurrenz zu den Schafen oder ernähren sich von ihnen. In den meisten Teilen der Welt sind Schafe nämlich gar nicht heimisch und stellen daher natürlich leicht gefangene Nahrung für Beutegreifer dar. Diese wirtschaftlichen Einbußen will die Wollindustrie nicht hinnehmen. Einige Tierarten wie der Tasmanische Tiger wurden in Australien durch die Wollindustrie bereits ausgerottet. [5]

4. Für Wolle werden Gewässer verschmutzt

Schafe sind sehr durstige Tiere sind, und für die Bewässerung von Futterpflanzen und Weidefläche wird viel Wasser verschwendet. Davon abgesehen bedroht die auch die Qualität von Grundwasser und marinen Lebensräumen. Gewässer werden beispielsweise in Form von Pestiziden verschmutzt, die auf Weide- und Agrarflächen für Futtermittel ausgebracht werden. Millionen von Tieren in der Wollindustrie hinterlassen stark phosphorhaltige Ausscheidungen, die das Grundwasser verseuchen und es für Menschen und Tiere unbrauchbar machen. Die Böden werden übersäuert, und es entstehen unfruchtbare Landstriche und Todeszonen für Wassertiere. [6, 7]

Zudem werden die meisten Schafe in der Wollproduktion regelmäßig in sogenannte Chemiebäder getaucht. Die Brühe aus Insektiziden soll Parasitenbefall vorbeugen. Dabei werden jedoch nicht nur Schmeißfliegen und Läuse getötet, sondern auch andere Insektenarten wie Bienen – insbesondere, wenn die Brühe ungefiltert in der Natur entsorgt wird. [8]

schmutziges wasser

5. Wolle steckt voller Chemie

Bei der Verarbeitung und Reinigung der Wolle kommen weitere Chemikalien zum Einsatz. Die Abwässer von Wollreinigungsanlagen, die sich meist in China befinden, enthalten zahlreiche Tenside, teilweise auch Alkylphenolethoxylate (APEOs), die bei Menschen und Tieren zu Unfruchtbarkeit führen und für Wassertiere giftig sind. [9,10,11] Für jedes Kilogramm verarbeiteter Wolle fallen im Schnitt 17 Liter Abwasser an, das sich laut Report häufig durch einen hohen chemischen Sauerstoffbedarf (CSB-Wert) auszeichnet. Ein hoher CSB-Wert regt das Bakterienwachstum in Gewässern an. Durch die Bildung von Algen und Algenblüten können ganze Ökosystem kollabieren. [13]

6. Auch Wolle ist von fossilen Energieträgern abhängig

Obwohl auch die Wollproduktion Teil der chemischen Industrie ist, kritisiert die Branche an synthetischen Alternativen insbesondere den Einsatz von Erdöl. Doch wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Denn die Wollindustrie ist ebenfalls im großen Stil von der knappen Ressource abhängig, und zwar in fast jeder Produktionsstufe: vom Anbau der Futtermittel für Schafe mit Traktoren bis hin zu Finishing-Verfahren, bei denen die Wolle durch die Verwendung von Polyaminoamid-Kunststoffharz maschinenwaschbar und pflegeleicht gemacht wird. [13]

7. Die Wollindustrie befeuert die Klimakrise

Hinzu kommt, dass kleine Wiederkäuer wie Schafe und Ziegen für 474 Millionen Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr verantwortlich sind. [14] Um diese Emissionen, für die auch die Wollindustrie verantwortlich ist, auszugleichen, müsste man jedes Jahr etwa 103 Millionen Autos aus dem Verkehr ziehen. Das sind mehr als doppelt so viele Autos, wie in Deutschland überhaupt zugelassen sind. [15]

klimakrise

8. Greenwashing für Wolle

Obwohl die Zahlen und Daten das genaue Gegenteil aufzeigen, bewirbt die Wollindustrie ihre Produkte mit Vorliebe als besonders „nachhaltig“ oder „umweltfreundlich“. Belegt werden diese Aussagen selten. So kritisiert der Report die Aussage des Schuhherstellers Allbirds, die Wolle in seinen Schuhen würde sogar dazu beitragen, seinen biologischen Fußabdruck zu verringern. Belege? Fehlanzeige. Auch das von Allbirds verwendete Label für Merinowolle ZQ verspricht laut Report, für eine „natürliche Welt“ zu stehen. Gleichzeitig sammelt das Unternehmen hierzu jedoch keine Daten bezüglich der Klimaauswirkungen oder Schädigung der biologischen Vielfalt durch seine Produkte. Die Wollindustrie ist voll von leeren Versprechungen – ein klassischer Fall von Greenwashing. Besonders häufig missbraucht wird die Bezeichnung „natürlich“. Dies ist besonders absurd, wenn man bedenkt, dass Wolle ein Produkt jahrtausendelanger Qualzucht ist.

„Trotz der Behauptung der Industrie, nachhaltig zu wirtschaften, gibt es keine zentralen Daten, um die Auswirkungen von Wolle auf Land, Wasser, Klima und Artenvielfalt zu verfolgen, aufzuzeichnen oder zu bewerten.“

CENTER FOR BIOLOGICAL DIVERSITY UND CIRCUMFAUNA INITIATIVE VON COLLECTIVE FASHION JUSTICE [2]

Die Wollproduktion ist speziesistisch

Abgesehen von den Erkenntnissen des Reports handelt es sich bei Schafen und vielen anderen Tieren in der Wollindustrie um Qualzuchten. Damit wir Menschen die Wolle der Tiere für uns selbst nutzen können, wurde der natürliche Fellwechsel der Tiere gezielt weggezüchtet – und somit die überlebensnotwendige Fähigkeit, ihre Körpertemperatur eigenständig regulieren zu können. Eine solche Denkweise, die den Menschen gegenüber anderen Tieren als höherwertig einstuft, nennt sich Speziesismus.

Zudem sind Schafe Fluchttiere, die bei der Schur in Angst und Panik verfallen und Schnittwunden erleiden. Fast alle Schafe werden grausamen Standardeingriffen unterzogen, darunter das Abtrennen des Schwanzwirbels mittels Gummiringen oder erhitzten Brenneisen.

hund und schaf auf der weide

Humane Washing für Wolle

Derartige Eingriffe sind auch bei gängigen „Tierschutz“-Labeln wie dem Responsible Wool Standard (RWS) erlaubt. Begriffe wie „verantwortungsvoll“ oder „ethisch produziert“ sollen Verbraucher:innen nicht nur in Sachen Umwelt, sondern auch beim Tierschutz ein gutes Gewissen verschaffen. In Wahrheit täuschen sie jedoch nur darüber hinweg, wie grausam die Wollindustrie ist.

Petition: Keine Wolle mehr bei Allbirds

Ob Sie die Umwelt schützen oder Tierleid verhindern möchten: Mit der Nutzung von Wolle ist das nicht möglich. Zucht und Haltung von Millionen Ziegen, Schafen oder Alpakas sind immer mit Tierleid und der Zerstörung natürlicher Lebensräume verbunden. Fordern Sie das Modeunternehmen Allbirds auf, Wolle aus seinem Sortiment auszulisten, denn nur so können wir Tieren und der Natur langfristig helfen.