Ermittlungen des Bayerischen Landeskriminalamts bestätigen: Nürnberger Delfinlagune vorsätzlich undicht gebaut – PETA reicht Beschwerde bei Generalstaatsanwaltschaft ein

Nürnberg / Stuttgart, 22. August 2019 – PETA hat seit 2011 mehrfach auf die gravierenden Missstände während der Baumaßnahmen in der Nürnberger Delfinlagune aufmerksam gemacht. Die nach mehreren Razzien erfolgten Ermittlungen des Bayerischen Landeskriminalamts haben ergeben, dass die Lagune vorsätzlich undicht gebaut wurde. Das Ermittlungsverfahren wurde jedoch im Januar 2019 eingestellt. PETA hat nunmehr Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg eingereicht. Die Tierrechtsorganisation mahnt, das Bauprojekt umgehend zu stoppen, die Beteiligten für die millionenschweren Mehrkosten zur Verantwortung zu ziehen und die Delfine an betreute Meeresbuchten abzugeben. Zudem fordert PETA den Rücktritt des verantwortlichen Bürgermeisters Christian Vogel sowie die sofortige Suspendierung der verantwortlichen Mitarbeiter der Verwaltung.
 
„Schon 2009 hat eine Architektin des Hochbauamts vor den Folgen dieser Bauweise gewarnt. Dass die Verantwortlichen all die Konsequenzen samt des immensen Tierleids in Kauf genommen haben, ist inakzeptabel und zeugt von einer erheblichen kriminellen Energie“, so Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Rechts- und Wissenschaftsabteilung bei PETA. „Bislang sind insgesamt mehr als 30 Millionen Euro in das Projekt geflossen, allein für Gutachten kamen noch einmal 400.000 Euro hinzu. Es ist unfassbar, wie verschwenderisch hier mit Steuergeldern umgegangen wird.“
 
Gravierende Folgen trotz Warnungen aus ästhetischen Gründen in Kauf genommen
Dr. Dag Encke, Direktor des Tiergartens Nürnberg, sah als Material für das Becken Naturstein vor, womit der Bau einer dichten Beckenfuge unmöglich wurde. Die bautechnischen Hinweise einer Architektin des Hochbauamts wurden jedoch ignoriert und das Becken undicht gebaut. Als das zuständige Bauunternehmen Adler & Olesch mit den Vorwürfen konfrontiert wurde, gab es bekannt, nie zu einem dichten Bau der Lagune verpflichtet worden zu sein. „Nach insgesamt vier Razzien bei Behörden und Privatpersonen war die Staatsanwaltschaft bemüht, ihre Entscheidung, das Verfahren einzustellen, zu bestätigen“, so Haferbeck. Ein Mitarbeiter der Firma musste infolgedessen eine Geldbuße in Höhe von 5.000 Euro zahlen – PETAs Ansicht nach eine Farce, da in derartigen Fällen Geldbußen in Millionenhöhe für die fehlerhaft arbeitenden Firmen üblich sind. Die Organisation appelliert mit ihrer Beschwerde an die Staatsanwaltschaft, dies in Anbetracht der Rechtslage zu korrigieren.
 
Schwerwiegender Fehler auf Kosten von Tieren und Umwelt
Infolge des bewusst mangelhaften Baus trat tonnenweise Salzwasser aus dem Becken aus, unter anderem auch in ein nahegelegenes, geschütztes Biotop. Es starben 60 Bäume und viele andere Vertreter aus Flora und Fauna. Trotz aller Maßnahmen ging der Chloridgehalt, der jahrelang über dem zugelassenen Grenzwert lag, nicht zurück, sondern stieg 2012 sogar massiv an. „Auch die Delfine mussten wieder in das kleinere Becken umziehen und wurden hierfür vermutlich – typisch für den Nürnberger Tiergarten – sogar sediert“, erklärt Haferbeck. Dieser unhaltbare Zustand dauert bis heute an.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein: eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft. In Freiheit leben Delfine in komplexen Sozialverbänden – den sogenannten Schulen – und schwimmen am Tag bis zu 150 Kilometer weit. In Gefangenschaft müssen die intelligenten Tiere ihr Dasein in engen, trostlosen Betonbecken fristen, in künstlichem Salzwasser schwimmen und erhalten mitunter sogar Psychopharmaka, um die Situation zu ertragen.
 
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