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Nürnberger Lagunen-Desaster wird ausgesessen: PETA fordert Abschluss des Beweissicherungsverfahrens und weitere strafrechtliche Verfolgung

Nürnberg / Stuttgart, 26. Februar 2020 – PETA machte das Tierschutz-, Umwelt- und Bau-Desaster um die Lagune Nürnberg bereits 2011 unter anderem durch eine Strafanzeige öffentlich. Zuletzt reichte die Organisation im August 2019 Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg ein und mahnte, das Bauprojekt zu stoppen und die Verantwortlichen für die Mehrkosten in Millionenhöhe zur Verantwortung zu ziehen. PETA kritisiert nun scharf, dass die justizielle Aufarbeitung trotz vorliegender Sachverständigengutachten seit Jahren hinausgezögert wird. Die Tierrechtsorganisation fordert den zeitnahen Abschluss des Beweissicherungsverfahrens und eine weitere strafrechtliche Verfolgung der laut Gutachter Verantwortlichen für die Katastrophe um die Delfinlagune und das Manatihaus.
 
„Das Desaster im Nürnberger Tiergarten ist seit fast einem Jahrzehnt dokumentiert und ein gerichtlicher Abschluss längst überfällig. Auch das Beweissicherungsverfahren, dessen mehr als tausend Seiten umfassende Dokumente PETA vorliegen, läuft schon acht Jahre – und obwohl ein umfassendes Gutachten die Verantwortungen eindeutig geklärt hat, wird die Schuldfrage ausgesessen“, so Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Rechts- und Wissenschaftsabteilung bei PETA.
 
Firmen wurden von Beklagten zu Streithelfern
Seit 2012 ist ein selbstständiges Beweissicherungsverfahren beim Landgericht Nürnberg auf Antrag der Stadt Nürnberg anhängig. Zunächst klagte die Stadt gegen zwei der beteiligten Unternehmen, später gegen fünf weitere. Bis 2014 wurden drei der sieben Firmen zu Streithelfern der Stadt Nürnberg – und das, obwohl sie ursprünglich ebenfalls Beklagte waren. Dass die drei Unternehmen mitverantwortlich für die gravierende Problematik im Tiergarten Nürnberg sind, geht auch aus einem umfangreichen Sachverständigengutachten vom Februar 2018 hervor. Laut diesem liegt die Schuld zu 58 Prozent bei der Planung, Ausführung und Überwachung sowie Wassertechnik, zu zwölf Prozent bei der Tragwerksplanung und zu 30 Prozent bei der Ausführung, insbesondere der Betonarbeiten.
 
Gravierende Folgen aus ästhetischen Gründen in Kauf genommen
Dr. Dag Encke, Direktor des Tiergartens Nürnberg, sah als Material für das Becken Naturstein vor, womit der Bau einer dichten Beckenfuge unmöglich wurde. Infolge des bewusst mangelhaften Baus trat tonnenweise Salzwasser aus, unter anderem auch in ein nahegelegenes, geschütztes Biotop. Es starben 60 Bäume und viele andere Vertreter aus Flora und Fauna. Trotz aller Maßnahmen ging der Chloridgehalt, der jahrelang über dem zugelassenen Grenzwert lag, nicht zurück, sondern stieg 2012 sogar massiv an. „Auch die Delfine mussten wieder in das kleinere Becken umziehen und wurden hierfür vermutlich – typisch für den Nürnberger Tiergarten – sogar sediert“, erklärt Haferbeck. Als das zuständige Bauunternehmen Adler & Olesch mit den Vorwürfen konfrontiert wurde, gab es bekannt, nie zu einem dichten Bau der Lagune verpflichtet worden zu sein. „Nach insgesamt vier Razzien bei Behörden und Privatpersonen war die Staatsanwaltschaft bemüht, ihre Entscheidung, das Verfahren einzustellen, zu bestätigen“, so Haferbeck. Ein Mitarbeiter der Firma musste infolgedessen eine Geldbuße in Höhe von 5.000 Euro zahlen – PETAs Ansicht nach eine Farce, da für die fehlerhaft arbeitenden Firmen in derartigen Fällen Geldbußen in Millionenhöhe üblich sind.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft. In Freiheit leben Delfine in komplexen Sozialverbänden – den sogenannten Schulen – und schwimmen am Tag bis zu 150 Kilometer weit. In Gefangenschaft müssen die intelligenten Tiere ihr Dasein in engen, trostlosen Betonbecken fristen, in künstlichem Salzwasser schwimmen und erhalten mitunter sogar Psychopharmaka, um die Situation zu ertragen.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/18-Fakten-Delfinarien-Duisburg-Nuernberg
PETA.de/Themen/Delfinarien
 
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