Jeder zweite getestete Wiesenhof-Mitarbeiter in Oldenburger Schlachtbetrieb mit Corona infiziert: PETA übt scharfe Kritik und appelliert an Landrat Harings und Wiesenhof, Betrieb umgehend einzustellen

Oldenburg / Stuttgart, 24. Juni 2020 – Fleischfabrik als Corona-Hotspot: Obwohl im Oldenburger Wiesenhof-Schlachtbetrieb schon jetzt bei etwa jedem zweiten der 50 getesteten Mitarbeiter eine Corona-Infektion festgestellt wurde, läuft der Betrieb weiter. Daher wendet sich PETA nun in einem Schreiben an Landrat Carsten Harings und weist darauf hin, dass Fleisch Zoonosen und damit einhergehende Pandemien wie Corona oder SARS begünstigt. Erst im Mai erstattete die Tierrechtsorganisation aufgrund der sich häufenden Corona-Fälle in Schlacht- und Zerlegebetrieben wegen gefährlicher Körperverletzung Anzeige gegen Wiesenhof und weitere Unternehmen. PETA erinnert daran, dass der Fleischkonsum darüber hinaus für viele weitere Umwelt- und Gesundheitsprobleme unserer Zeit verantwortlich ist. Die Organisation appelliert an Wiesenhof und Landrat Harings, den Schlachtbetrieb umgehend einzustellen und die Produktion künftig auf pflanzliche Fleischalternativen umzustellen.
 
„Fleisch ist alles andere als lebensnotwendig. Der Hunger auf Fleisch hat überhaupt erst zahlreiche Infektionskrankheiten und Pandemien wie COVID-19 begünstigt. Wo Tiere massenweise auf engstem Raum inmitten ihrer eigenen Exkremente zusammengepfercht werden, über Tausend Menschen auf engstem Raum arbeiten und oftmals in sehr beengten Verhältnissen leben, existieren regelrechte Brutstätten für potenziell tödliche Keime“, so Ilana Bollag, PETAs Fachreferentin für Klima und Ernährung. „Dass die Produktion noch weiterläuft, zeigt einmal mehr, dass in diesem System Profit über dem Wohl von Tieren und Menschen steht und damit die Ausbeutung der Arbeiter zur Tagesordnung gehört. Der Betrieb muss umgehend eingestellt werden – alles andere wäre höchst fahrlässig.“
 
Hintergrundinformationen
75 Prozent – somit drei von vier aller neu auftretenden Infektionskrankheiten – wurden vom Tier auf den Menschen übertragen, sind also Zoonosen. Bereits 2004 nannte die Weltgesundheitsorganisation WHO die steigende Nachfrage von tierischen Produkten als eine der Hauptursachen für die Entstehung von Zoonosen. [1] COVID-19, die Vogelgrippe H5N1, die SARS-Pandemie, das MERS-CoV, das gefährliche Ebolafieber, unzählige Opfer durch multiresistente Keime und sogar Aids – sie alle haben einen gemeinsamen Nenner: den Appetit des Menschen auf Fleisch, Milch und Eier. [2] PETA erinnert daran, dass jedes Mal, wenn ein tierisches Produkt gekauft wird, eine Reihe von Ereignissen in Gang gesetzt wird, die möglicherweise die nächste Zoonose auslösen könnte. Im Falle von Corona wird meist ein Wildtiermarkt in Wuhan als Ausgangspunkt der Pandemie genannt. Es wird allgemein vermutet, dass das Virus-Genom ursprünglich von Fledermäusen stammte und dann auf mindestens ein Säugetier übergesprungen ist, bevor es Ende vergangenen Jahres einen Menschen infizierte. [3]
 
Die Hauptursache für zoonotische Krankheiten wie COVID-19 ist jedoch nicht der Verzehr von Wildtieren, sondern der Verzehr und Handel von Tieren allgemein. Damit ist die landwirtschaftliche Tierhaltung eine Hauptursache – und obwohl das Problem der deutschen Politik bekannt ist, bleibt sie tatenlos. Dabei schrieb zum Beispiel der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft schon 2015 in einem Gutachten: „Tierische Lebensmittel bergen grundsätzlich Risiken für die menschliche Gesundheit. Mögliche Beeinträchtigungen der Gesundheit ergeben sich zum einen durch Erreger von Zoonosen, die in den Tierbeständen vorkommen und auf unterschiedlichen Wegen zu den Konsumenten/Konsumentinnen gelangen können, zum anderen durch verschiedene stoffliche Belastungen aus der Tierhaltung sowie durch die Entstehung von Resistenzen gegenüber Medikamenten.“ [4]
 
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

[1] WHO/FAO/OIE (2004): Report of the WHO/FAO/OIE joint consultation on emerging zoonotic diseases. Online abrufbar unter: https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/68899/WHO_CDS_CPE_ZFK_2004.9.pdf?fbclid=IwAR2ha8hDMHV8gDJYEadsk7-lxLS84Z3kSlq3E4-zG5kaWUh1Xc5vgJhTsJ4. (20.04.2020).
[2] Bundesministerium für Bildung und Forschung (2011): Gefährliche Eindringlinge – Droht nach der Schweine- und Vogelgrippe in Zukunft eine Fledermausgrippe?. Online abrufbar unter: https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/gefahrliche-eindringlinge-droht-nach-der-schweine-und-vogelgrippe-in-zukunft-eine-3200.php. (20.04.2020).
[3] Köppe, J. (2020): Suche nach Patient X. In: Der Spiegel. Online abrufbar unter: https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronavirus-sars-cov-2-wissenschaftler-suchen-im-virenerbgut-nach-ursprung-von-covid-19-a-b4f5a5c8-9c3a-416f-b27f-8ffcb5ad64ae. (20.04.2020).
[4] Wissenschaftlicher Beirat für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2015): Wege zu einer gesellschaftlich akzeptieren Nutztierhaltung. Gutachten. Online abrufbar unter: https://buel.bmel.de/index.php/buel/article/view/82/Nutztiergutachten%20-%20Sonderheft%20221%20-%20B%C3%BCL-html. (07.05.2020).
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Kontrollbericht-Schlachthof
PETA.de/Zoonosen
PETA.de/Corona
PETA.de/Coronavirus-Tiermarkt
PETA.de/Wildtiermaerkte-schliessen
PETA.de/Antibiotikaeinsatz-in-deutschen-Staellen
PETA.de/Herzkreislauf
PETA.de/Krebs
 
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