Orang-Utan-Baby im Münchner Tierpark Hellabrunn gestorben: PETA übt scharfe Kritik an Zoodirektion und fordert mehr Geld für Artenschutz

München / Stuttgart, 1. März 2018 – Am vergangenen Wochenende starb das Orang-Utan-Baby im Münchner Tierpark Hellabrunn aus bislang unbekannter Ursache. Medienberichten zufolge verstieß die Mutter ihren Nachwuchs kurz nach der Geburt Anfang Februar. PETA kritisiert die Münchner Zoodirektion scharf für die Haltung von Menschenaffen in Gefangenschaft und verweist auf die hohen Sterberaten von Jungtieren. Aufgrund der mangelhaften und unnatürlichen Haltungsbedingungen sind seit Anfang 2014 mindestens zwölf junge Menschenaffen in deutschen Zoos gestorben, meist durch Infektionskrankheiten. Angesichts der im Februar 2018 veröffentlichten Zahlen über den großen Populationsrückgang von Orang-Utans in Asien appellierte die Tierrechtsorganisation vor wenigen Tagen an den Tierpark Hellabrunn und 17 weitere Zoos mit Orang-Utan-Haltung, 50 Prozent der Einnahmen in Artenschutzprojekte vor Ort zu investieren. Zudem fordert PETA ein Import- und Nachzuchtverbot für Menschenaffen in Gefangenschaft, um die Haltung mittelfristig auslaufen zu lassen.
 

„Das Einsperren von Menschenaffen in Zoos ist ein Verbrechen. Während Gerichte in den USA und Argentinien den nächsten Verwandten des Menschen schon gewisse Grundrechte zugesprochen haben, werden die sensiblen Tiere in Deutschland allein zur Belustigung der Zoobesucher in engen, kargen Gehegen gefangen gehalten“, so Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Auch das Argument des Artenschutzes zählt nicht: Nur der Erhalt natürlicher Lebensräume kann das Überleben bedrohter Arten langfristig sichern – dazu tragen Zoos nahezu gar nichts bei. Im Zoo geborene Orang-Utans können nicht ausgewildert werden.“

 

Anfang 2017 starben im Frankfurter Zoo die ein und drei Jahre alten Bonoboschimpansen Tikala und Wolo an den Folgen einer Lungen- und Mandelentzündung. Im April 2016 wurde ein Orang-Utan-Baby im Dortmunder Zoo eingeschläfert. Das Tier litt unter einer Infektionskrankheit und inneren Verletzungen. Im Frankfurter Zoo starben zwischen 2014 und 2016 vier junge Gorillas, darunter drei neugeborene. In der Stuttgarter Wilhelma überlebten 2014 und 2015 zwei junge Bonobos Infektionskrankheiten nicht, deren Auslöser auf Mängel in der Lüftungsanlage zurückzuführen gewesen sein sollen. Ende 2014 kam Orang-Utan-Baby Olivia im Zoo München durch ein Schädeltrauma ums Leben. Im Juni desselben Jahres starb der sechs Monate alte Gorillajunge Jengo im Zoo Leipzig.

 

Einer aktuellen Studie zufolge hat sich der Bestand der Orang-Utan-Population auf Borneo seit 1999 etwa halbiert [1]. Die Zucht und angebliche Aufklärungsarbeit von Zoos konnte nichts daran ändern. PETA weist darauf hin, dass die Aktivitäten zoologischer Einrichtungen dem Artenschutz sogar entgegenwirken können. Sie suggerieren der Gesellschaft fälschlicherweise, dass Tierarten durch die Gefangenhaltung vor dem Aussterben bewahrt werden – dadurch verliert der Erhalt natürlicher Lebensräume von Tieren für viele Menschen an Bedeutung. Die Forscher rechnen in Kürze mit einem Aussterben der Menschenaffen, wenn nicht sofort Schutzmaßnahmen greifen. Finanzielle Mittel für Artenschutzmaßnahmen sollten nach Ansicht der Tierrechtsorganisation vor allem in den Schutz der natürlichen Lebensräume der Tiere fließen, nicht in die Zucht in Gefangenschaft. Wie gering der Beitrag von Zoos zum Artenschutz bislang ist, zeigt sich beim Vergleich der Spendenabgaben an Projekte vor Ort und dem in zoologischen Einrichtungen betriebenen Aufwand, um einige wenige Tiere in Gefangenschaft zu halten und für zahlendes Publikum auszustellen.


Renommierten Primatologen wie Professor Dr. Volker Sommer zufolge sind Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans Menschen derart ähnlich, dass sie die Ausweglosigkeit ihrer Situation in Gefangenschaft erkennen und Zustände wie Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit erleben [2].

 

PETAs Motto lautet in Teilen, dass Tiere nicht da sind, um uns zu unterhalten.

 

[1] Voigt et al. (2018): Global Demand for Natural Resources Eliminated More Than 100,000 Bornean Orangutans. In: Current Biology 28, 1-9.

[2] Goldner, Colin (2014): Lebenslänglich hinter Gittern. Alibri Verlag, Aschaffenburg. (S. 218)
 

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