Ostsee-Dorsch massiv gefährdet: PETA fordert komplettes Fangverbot und die Ausweisung von Meeresschutzgebieten

Stuttgart / Berlin / Brüssel, 19. September 2019 – Fischfangquote auf null setzen: Die EU-Fischereiminister werden Mitte Oktober in Brüssel die Fangquote in der Ostsee für das Jahr 2020 festlegen. Laut NDR sieht der Vorschlag der EU-Kommission ein Verbot in den östlichen Gebieten der Ostsee und eine drastische Reduzierung der Fangmenge für Dorsch in den westlichen Gebieten um 68 Prozent vor. Auch die Angelfischerei soll hier auf zwei Dorsche pro Tag und Person reduziert werden. Medienberichten zufolge möchten deutsche Europaabgeordnete der CDU jedoch trotz der kritischen Situation kein Limit unter sieben Fischen pro Tag und Angler akzeptieren.
PETA kritisiert dieses Vorgehen und appelliert an die Bundesregierung, sich für ein komplettes Fangverbot für Dorsche in der Ostsee einzusetzen, um die Population nachhaltig zu schützen. Zudem fordert die Tierrechtsorganisation die Ausweisung von sogenannten No-Take-Zonen im deutschen Küstenmeer, in denen jeglicher Fischfang verboten ist. Mitarbeitern von Fischereiunternehmen, die durch Verbote in existentielle Notsituationen kommen, könnte die Bundesregierung eine Umschulung finanzieren.
 
„Laut der gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) der EU müssen alle EU-Staaten die Überfischung in ihren Meeren bis zum Jahr 2020 beenden. Deutschland muss jetzt dringend dieser Pflicht nachkommen, die Fischerei-Notbremse ziehen und Schutzgebiete ausweisen, anstatt die Beschränkungen der EU anzufechten“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Wassertiere bei PETA.
 
Hintergrundinformationen
Nicht nur Dorsche und Heringe sind aufgrund von Fischerei in Gefahr, sondern auch mindestens zehn weitere Fischarten. [1] In dem Bericht der Bundesregierung „Zustand der deutschen Ostseegewässer 2018“ ist zudem zu lesen: „Eine der Hauptbelastungen, insbesondere für wirtschaftlich genutzte Fischarten, stellt die kommerzielle Fischerei und in den Ostseegewässern auch die Freizeitfischerei (bspw. mit den Zielarten Dorsch und Meerforelle) dar.“ [2] Auch der Internationale Seerat ICES hat in seinem Bericht vom Frühjahr für 2020 strenge Fangverbote in östlichen Gebieten der Ostsee empfohlen. [3] Auch wenn es von der ICES für Angler in westlichen Gebieten der Ostsee keine konkrete Zahl gab, empfahl die EU-Kommission den zuständigen Ministern eine Kürzung auf zwei Dorsche pro Tag und Person.
 
Weltweit werden jedes Jahr zwischen 1000 und 3000 Milliarden Fische aus den Weltmeeren gezogen. [4] Die schmerzempfindlichen Tiere werden in den Netzen erdrückt, ersticken an Bord von Schiffen oder werden ohne Betäubung aufgeschnitten und ausgeweidet. Neben internationalen wissenschaftlichen Studien, die bestätigen, dass Fische Schmerzen spüren, kommt auch das Friedrich-Loeffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) in seiner Stellungnahme für die Bundesregierung zu dem Schluss, dass „Fische zur Schmerzwahrnehmung fähig sind und entsprechend als sensible Lebewesen behandelt und geschützt werden sollten.“ [5] Die faszinierenden Tiere sind sehr intelligent. Sie schließen teils enge Freundschaften und einige Arten benutzen Werkzeuge oder unterscheiden Menschengesichter. [6] Manche Rifffische singen wie Vögel in der Morgen- und Abenddämmerung im Chor. [7]

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen oder sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

[1] Zustand der deutschen Ostseegewässer 2018. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) Referat WR I 5 Meeresumweltschutz, Internationales Recht des Schutzes der marinen Gewässer
[2] http://ices.dk/sites/pub/Publication%20Reports/Advice/2019/2019/cod.27.24-32.pdf
[3] fishcount.org.uk
[4] Stellungnahme des FLI zu den Veröffentlichungen von Rose et al. (2012) sowie Arlinghaus und Cyrus (2013) (Berichterstatter: Dr. Michael Marahrens, Dr. Inga Schwarzlose), 2013.
[5] http://science.sciencemag.org/content/352/6290/1213.full
[6] Balcombe, Jonathan P. (2016): What a Fish Knows: The Inner Lives of Our Underwater.
[7] J. G. Parsons, Chandra P. Salgado Kent, Angela Recalde-Salas, Robert D. McCauley (2016): Fish choruses off Port Hedland, Western Australia. Online unter: http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09524622.2016.1227940?ai=mv7m0. (07.12.2016).

Weitere Informationen:
PETA.de/Meeresschutzgebiete-Petition
PETA.de/Welttag-Abschaffung-Fischerei
PETA.de/Fische-Schmerz-Neocortex

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Carolin von Schmude, +49 711 860591-528, [email protected]