Pandemien wie Corona verhindern – PETA fordert dauerhafte Schließung der Reptilienbörse in Ulm

Ulm / Stuttgart, 22. Mai 2020 – Wildtierbörsen begünstigen die Entstehung und Verbreitung von Viren und Bakterien: Durch das Coronavirus ist deutlich geworden, wie gefährlich der Handel mit exotischen Tieren ist. PETA hat daher in einem Schreiben an Oberbürgermeister Gunter Czisch sowie die Fraktionen im Gemeinderat appelliert, die regelmäßig stattfindende Reptilienbörse dauerhaft zu schließen. Viele der auf solchen Märkten angebotenen exotischen Tiere sind durch tagelange Transporte in winzigen Plastikboxen stark geschwächt und können als Überträger von Zoonosen ein großes Risiko darstellen. Ein Verbot ist zum Schutz der Bevölkerung und auch aus Tier- und Artenschutzgründen unumgänglich. Die Tierrechtsorganisation erwartet von den Politikern, dass sie den Ernst der Lage erkennen und den Verkauf exotischer Tiere auf Börsen verbieten – auch, um künftige Pandemien zu verhindern.
 
„Die Reptilienbörse in Ulm darf nie wieder öffnen. Der Handel und die Ausbeutung von Wildtieren haben nicht nur die aktuelle Corona-Krise ausgelöst, sondern in der Vergangenheit bereits zahlreiche tödliche und hochansteckende Pandemien verursacht – darunter die SARS-Pandemie, die Vogelgrippe H5N1, das Ebolafieber und sogar Aids“, so Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA. „Die Kommunalpolitiker stehen nun in der Verantwortung, die Bevölkerung vor weiteren Pandemien und gefährlichen Krankheiten zu schützen.“
 
Bei einem großen Teil der auf deutschen Börsen verkauften exotischen Tiere handelt es sich um Wildfänge aus Asien, Afrika und Südamerika, die wenige Tage zuvor ihrem natürlichen Lebensraum entrissen wurden. Ob oder welche tödlichen Viren oder Bakterien sie in sich tragen, ist unbekannt. Fest steht jedoch, dass mit 72 Prozent der größte Teil aller Zoonosen aus dem Kontakt mit wildlebenden Tierarten resultiert [1]. Auf Exotenbörsen werden die meist in winzige Plastikboxen eingesperrten Tiere häufig an Besucher herumgereicht. China hat aufgrund des Coronavirus verboten, Wildtiere zu konsumieren, und Märkte weitgehend eingeschränkt. Doch auch in Deutschland ist ein umgehendes und vor allem schnelles Handeln unerlässlich. PETA und 11 weitere deutsche Tier- und Artenschutzorganisationen haben daher im März dieses Jahres in einem Schreiben an verschiedene Bundesministerien sowie an Parteivorsitzende ein umfassendes Importverbot für exotische Wildtiere gefordert.
 
Eine Studie, die vom Bundesumweltministerium im März 2020 vorgestellt wurde, bestätigt zudem, dass der Handel mit exotischen Wildtieren zum weltweiten Artensterben beiträgt. Besonders aus Gründen des Arten- und Naturschutzes müsse dringend entsprechend gehandelt werden. Sterberaten beim Fang und Transport von bis zu 70 Prozent gelten in der Zoohandelsbranche als üblich [2]. Die Tiere sterben durch Stress, Unterversorgung oder transportbedingte Verletzungen. Auch der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) betont, dass die direkte Ausbeutung der Natur einer der Hauptgründe für das Artensterben ist.
 
Ulm kann nun einen wichtigen Teil zum Schutz von Menschen und Tieren beitragen und ein kommunales Verbot für Exotenbörsen aussprechen. Passau und Bad Oeynhausen haben bereits in den vergangenen Jahren die Abhaltung von Reptilienbörsen in kommunalen Gebäuden untersagt.
 
PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 
[1] Global trends in emerging infectious diseases. – PubMed – NCBI. Online abrufbar unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18288193. (17.03.2020).
[2] Toland, Elaine / Warwick, Clifford / Arena, Phillip (2012): Pet Hate. In: The Biologist, Vol. 59 No. 3.
 

Die wie Ware ausgestellten Tiere auf Exotenbörsen können Zoonosen übertragen. / © PETA Deutschland e.V.
 
Das Motiv steht hier zum Download zur Verfügung.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Reptilienhandel
PETA.de/Wildtiermaerkte-schliessen
 
Pressekontakt:
Valeria Goller, +49 711 860591-536, [email protected]