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Umweltsünde Pelz: So viel Chemie steckt in einem Pelzkragen

Pelt / Umweltschädlich

Umweltsünde Pelz: So viel Chemie steckt in einem Pelzkragen

Um über das Leid der Tiere in der Pelzproduktion hinwegzutäuschen, nutzt die Pelzindustrie für die Bewerbung ihrer blutigen Produkte gerne Begriffe wie „natürlich“ und „nachhaltig“. Ganz schön dreist, wenn man bedenkt, wie umweltschädlich die Herstellung von Pelzen wirklich ist. Aufgrund ihrer irreführenden Werbung wurde die Pelzindustrie bereits von Werberäten in mehreren Ländern gerügt. [1]

Pelze sind niemals umweltfreundlich

Eine ökologische Vergleichsstudie zwischen Nerz- und Kunstfellmänteln kam zu dem Ergebnis, dass die ökologischen Auswirkungen bei der Herstellung eines Nerzmantels bis zu 5-mal so schädlich sind, wie bei der Produktion eines Pelzimitats. In Sachen Klimawandel schneiden Pelze mit 110 kg CO2-Äquivalente pro kg Pelz besonders schlecht ab. Der Schaden beginnt bereits bei der Aufzucht der Tiere, denn die Tierzucht ist generell einer der größten Klimakiller unserer Zeit. Gründe für die schlechte Umweltbilanz von Pelzen sind u. a. der Transport von Futtermitteln zu Farmen, die Müllverwertung, die Elektrizität für Gebäude und Tötungsapparate, der Einsatz von Pestiziden, Impfstoffen und Antibiotika sowie der Abtransport von Kadavern. [2]

Pelze konservieren – eine schmutzige Angelegenheit

Unabhängig davon, ob Tiere auf einer Farm eingesperrt oder in der Wildnis qualvoll erschossen werden: Tierfelle müssen immer chemisch aufbereitet werden, damit sie haltbar sind und im Kleiderschrank nicht verwesen. Zuerst wird den Tieren das Fell vom Körper geschnitten und konserviert – meist durch massiven Einsatz von Salzen oder energieintensive Kühlung. Danach werden die Felle mit Schwefelsäure, Ammoniumchlorid, Formaldehyd, Bioziden oder halogenorganischen Verbindungen haltbar gemacht und zugerichtet. Viele der eingesetzten Chemikalien gelten als Umweltgifte und können über das Abwasser oder in Form giftiger Schlämme und anderer Abfälle Böden, Luft und Gewässer massiv belasten. [3,4]

Pelze sind nicht biologisch abbaubar, sondern oftmals giftig

An dieser Stelle sollte bereits jedem klar sein, dass man ein gegerbtes und verarbeitetes Fell nach dem Tragen nicht einfach sorglos im Garten vergraben kann. Laboruntersuchungen zufolge gehören Pelze eher auf den Sondermüll. Eine Untersuchung von Pelzprodukten verschiedener Preisklassen hat Rückstände krebserregender, allergieauslösender und hormonverändernder Chemikalien aufgezeigt, die bei Hautkontakt zu schweren Erkrankungen wie Krebs, chronischen Vergiftungen oder Allergien führen können. Kein einziger der 35 getesteten Pelze war frei von Schadstoffen. Kinderbekleidung schnitt besonders schlecht ab. [5] Pelz sollte man somit weder auf der Haut tragen noch auf den Kompost werfen.

Was Sie tun können

Ob Fuchs, Nerz oder Lamm – die Tiere brauchen ihren Pelz, um sich warm zu halten. Eine Studie der Hohenstein Institute hat ergeben, dass Kunstpelze uns Menschen sogar besser vor Eis und Wind schützen als Tierfelle. [6] Wer aus ökologischen Gründen keinen Kunstpelz tragen möchte, der kann auf eine große Auswahl an pflanzenbasierten Materialien wie Bio-Baumwolle, Tencel, Modal, Hanf, Leinen, Sojaseide oder Viskose zurückgreifen. Für alle anderen gilt in Sachen Umweltschutz: Kunstpelze gut pflegen, zeitlose Designs kaufen und vor allem lange tragen! Mehr zum Thema tierfreundliche Mode erfahren Sie auf veganemode.info.



[1] Chiorando, Maria (2018): Advertising Watchdog Rules Ad Calling Fur ‚Ethical‘ Is Misleading. Plantbasednews. Online: https://www.plantbasednews.org/culture/advertising-watchdog-rules-fur-ad-misleading (zuletzt abgerufen am 11.12.2019) 
[2] Bijleveld, Marijn/Korteland, Marisa/Sevenster, Maartje (2011): The environmental impact of mink fur production. Report. Delft, CE Delft
[3] Trommer, B./Kellert, J. (1998): Vergleich der verschiedenen Gerbarten auf ihre ökologische Gesamtwirkung. Forschungsinstitut für Leder- und Kunstledertechnologie gGmbH, An-Institut der TU Bergakademie Freiberg.
[4] Umweltbundesamt (2003): Integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung (IVU). Referenzdokument über die Besten Verfügbaren Techniken für die Lederindustrie. Umweltbundesamt.
[5] Gift im Pelz, Report II (2011): Bedenkliche Chemikalien in Pelzprodukten. Hamburg/Wiesbaden. https://www.tierimrecht.org/documents/2024/2011_Report_Gift_im_Pelz_II_VIER_PFOTEN_und_ECOAID_small.pdf (zuletzt abgerufen am 11.12.2019) 
[6] Concept III/Hohenstein Institute (2017): Even better than the real thing. The merits of faux fur over natural fur. Online: https://static1.squarespace.com/static/5a309b058a02c782305a69a0/t/5a4847aa652deacfabc972bc/1514686385800/hoh_ssheet.v1.pdf (zuletzt abgerufen am 11.12.2019)