PETA-Brandbrief an Agrarminister Schmidt und Landtagsfraktionen wegen Tiertransporten in Nicht-EU-Staaten: „Helfen Sie den Amtstierärzten!“

Veterinäre brauchen dringend Rückendeckung, um illegale Transporte zu verbieten

Dresden / Stuttgart, 30. Juli 2018 – Bedrohungen, Personalmangel, Handlungsunfähigkeit: Der Tierschutz auf Tiertransporten in Nicht-EU-Staaten ist für deutsche Amtsveterinäre nicht überprüfbar. Diese Bankrotterklärung gab der Präsident des Bundesverbandes der beamteten Tierärzte, Dr. Holger Vogel, im Juni in einer Anhörung dem Agrarausschuss des Deutschen Bundestages. Nicht nur fehlten bundesweit rund 2.000 beamtete Tierärzte, es sei auch nicht möglich, für die Prüfung notwendige Auskünfte aus dem Ausland zeitnah einzuholen. Zudem seien Amtsveterinäre immer häufiger Gewalt und Bedrohungen durch Tierhalter ausgesetzt. PETA fordert Agrarminister Thomas Schmidt (CDU) und die sächsischen Landtagsfraktionen in einem Brief auf, den Tierärzten den Rücken zu stärken. Es soll auf Landesebene eine Weisung erlassen werden, die den Beamten verbietet, Lebendtransporte in Drittstaaten zu genehmigen.
 
„Auf tagelangen Todesfahrten leiden Tiere immense Qualen – sie verdursten in sengender Hitze, fügen sich aus Verzweiflung gegenseitig Wunden zu und werden schließlich häufig betäubungslos getötet. Das muss schleunigst gestoppt werden“, so Lisa Kainz, Agrarwissenschaftlerin und Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie bei PETA. „Weder die Amtsveterinäre noch die Tiere können auf eine neue europäische Lösung warten, sie brauchen Hilfe – jetzt!“
 
Eine EU-weit verbindliche Verordnung von 2005 erlaubt es Amtstierärzten heute schon, Transporte nicht zu genehmigen, bei denen keine Transportpläne mit „wirklichkeitsnahen Angaben“ vorgelegt werden. Denn: Meist genehmigen die Veterinäre Anträge der Transportfirmen, obwohl Vorschriften zur Begrenzung der Transportdauer, zur Futteraufnahme und zum Ruhen an Abladestationen, zu Platz-, Wasser- und Futtermittelangebot sowie Minimal- und Maximaltemperaturen nicht eingehalten oder sichergestellt werden können. Gerade in den heißen Sommermonaten dürfte das nahezu alle Lebendtiertransporte in Nicht-EU-Staaten betreffen. PETA ermutigt die Tierärzte daher, trotz ihrer schwierigen Situation aktiv Rückhalt bei Vorgesetzten und Politikern einzufordern. Bestehende Vorschriften sollen sie im Sinne des Vorsorgeprinzips zugunsten der Tiere, nicht zugunsten der Profitinteressen der Agrarindustrie auslegen und anwenden.
 
Die Probleme bei den Tiertransporten sind längst bekannt. Verantwortliche Politiker, insbesondere Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), bleiben jedoch untätig und verweisen auf die Europapolitik.
 
Auch ohne die schrecklichen Zustände auf den Transporten leiden die Tiere in der Ernährungsindustrie. Ihr meist kurzes Leben verbringen sie in der Regel in riesigen, überfüllten Ställen ohne Freilauf. Jedes Jahr werden Millionen Rinder und Schweine in deutschen Schlachthäusern getötet. Viele von ihnen sind dabei nicht ausreichend betäubt.
 
PETA vertritt die Ansicht, dass Tiere nicht dazu da sind, für Fleisch, Milch oder Eier ausgebeutet zu werden. Mit dem kostenlosen Veganstart-Programm der Tierrechtsorganisation gelingt der Umstieg auf eine rein pflanzliche Ernährung spielend leicht.
 
Die Briefe von PETA an den Agrarminister und die Landtagsfraktionen können hier und hier heruntergeladen werden.
 

Auf den Transporten verletzen sich die Tiere nicht selten gegenseitig. Veterinären muss der Rücken gestärkt werden, damit solche Transporte in Zukunft nicht mehr genehmigt werden. / © PETA
 

Tagelang werden Kälber und erwachsene Rinder bis über die Grenzen transportiert – und das, obwohl die Transporte nach EU-Recht meist illegal sind. / © PETA
 
Die Motive können hier heruntergeladen werden.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/kloeckner-kann-quaelerei-auf-tiertransporten-sofort-beenden
ZDF.de/Geheimsache-Tiertransporte
https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2018/kw26-pa-landwirtschaft/556690
 
Kontakt: 
Denis Schimmelpfennig, +49 711 860591-528, [email protected]