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Ponyreiten auf dem Weihnachtsmarkt in Finnentrop: PETA appelliert an die Gemeinde, den missbräuchlichen Tiereinsatz künftig nicht mehr zuzulassen

 
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Stand Dezember 2017
Finnentrop / Stuttgart, 7. Dezember 2017 – Fragwürdige „Kinderattraktion“: Auf dem Weihnachtsmarkt in Finnentrop wird auch in diesem Jahr wieder das Ponyreiten angeboten. PETA übt scharfe Kritik an dem rücksichtslosen Umgang mit den Pferden und sieht darüber hinaus Gefahren für die Kinder. Daher bittet die Tierrechtsorganisation den Veranstalter, die Gemeinde Finnentrop, dem Vorbild anderer deutscher Städte wie Konstanz und Zwickau zu folgen und das Ponyreiten künftig nicht mehr zuzulassen.

„Für ein kurzes Kindervergnügen nehmen die Verantwortlichen das Leid der sensiblen Tiere billigend in Kauf“, so Peter Höffken, Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Der Veranstalter sollte außerdem bedenken, dass für Kinder eine ernst zu nehmende Gefahr besteht – niemand kann garantieren, dass ein vom Lärm des Weihnachtsmarktgetümmels gestresstes Tier nicht doch einmal austritt, buckelt oder scheut.“

Pferde sind auf einem Weihnachtsmarkt unweigerlich dem Lärm und Trubel der Besuchermassen sowie mitunter lauter Musik und verschiedenen Lichtern ausgesetzt – dies bedeutet enormen Stress für die Fluchttiere. Laut den Leitlinien des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft müssen Pferde, die beim Ponyreiten eingesetzt werden, alle vier Stunden abgesattelt und abgetrenst werden, Futter und Wasser erhalten und sich mindestens eine Stunde frei in einem Paddock oder einer Box bewegen können. Der Untergrund sollte trocken sein und sich auch als Liegefläche für die Ponys eignen [3]. Diese Richtlinien sind jedoch völlig unzureichend. Zudem dürfte die Kontrolle nur schwer realisierbar sein, da sie die Anwesenheit eines Amtsveterinärs über mindestens vier Stunden erfordern würde.
 
Beim Ponyreiten werden in der Regel sogenannte Ausbinder verwendet. Diese „Hilfszügel“ sind beidseitig an Sattelgurt und Gebiss befestigt, sodass die sensiblen Tiere ihren Hals und Kopf nur stark eingeschränkt bewegen können und die Balance gestört wird. Stolpern Pferde infolgedessen, ist dies durch die Befestigung am Gebiss im empfindlichen Pferdemund sehr schmerzhaft für das Tier; ein Kleinkind könnte sich zudem nicht im Sattel halten. Ausbinder können unter anderem zu Verspannungen in Rücken und Hals, Genickentzündungen, Zahnproblemen oder Arthrose in der Halswirbelsäule führen und sollten grundsätzlich nicht über mehrere Stunden verwendet werden.
 
Besonders kritisch: das Reiten ohne Helm. Selbst wenn die Kinder mit Helm reiten würden, könnte ein Sturz tragisch enden, da es unmöglich ist, jedem Kind einen Helm mit optimaler Passform zur Verfügung zu stellen. In einer Studie verloren 37 Prozent der betroffenen Reiter den Kopfschutz schon vor dem Aufprall [1]. Kommen Steigbügel zum Einsatz, besteht zudem die Gefahr, dass Kinder bei einem Sturz mit dem Fuß darin hängen bleiben [2].
 
PETA weist darauf hin, dass Kinder beim Ponyreiten auf Weihnachtsmärkten die Botschaft erhalten, dass Tiere da sind, um uns zu unterhalten. In unserer heutigen Gesellschaft ist es wichtiger denn je, Kindern Mitgefühl zu vermitteln – auch für Tiere. Beim Ponyreiten als „Attraktion“ auf einem Weihnachtsmarkt hingegen lernen sie, dass die Bedürfnisse von Tieren hintenanstehen. Pferde gehören mit Artgenossen auf die Weide, nicht auf den Weihnachtsmarkt. Die tiergerechte Versorgung ist auf einem Weihnachtsmarkt kaum möglich: Pferde benötigen beispielsweise auch im Winter 30 bis 60 Liter Wasser am Tag und sollten häufig kleine Mengen Raufutter aufnehmen, da es sonst zu Verdauungsstörungen kommen kann.

[1] Dr. Wann, J. / Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (2009): Haftungsrechtliche Folgen des Reitens ohne Helm. Online abrufbar unter: https://www.pferd-aktuell.de/misc/filePush.php?id=1216&name=Reiten-ohne-Helm.pdf&products_model=20831.
[2] http://www.focus.de/regional/hamburg/kinder-hingen-kopfueber-von-ponies-maenner-stuermen-reitbahn-auf-hamburger-dom-mehrere-kinder-verletzt_id_5402166.html.
[3] BMEL (2000): Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben oder ähnlichen Einrichtungen. Online abrufbar unter: https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Tierschutz/GutachtenLeitlinien/HaltungZirkustiere.pdf?__blob=publicationFile.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Themen/Pferde
PETA.de/Ponykarussell

Kontakt:
Jana Fuhrmann, +49 711 860591-529, JanaF@peta.de