Engagement für den Tierschutz bewertet: PETA kürt die besten und schlechtesten Veterinärämter 2017

Stuttgart, 10. Januar 2018 – PETA hat die besten und schlechtesten deutschen Veterinärbehörden 2017 gekürt. Berücksichtigt wurden Ämter, die bei ihrer Arbeit besonders positiv oder negativ aufgefallen waren, nachdem sie von der Tierrechtsorganisation über einen Missstand informiert wurden. Die fünf tierfreundlichsten Behörden sind demnach die Ämter im Landkreis Nienburg/Weser (Niedersachsen), Kreis Borken (NRW), Landkreis Börde (Sachsen-Anhalt), Landkreis Bad Kissingen (Bayern) und Kiel (Schleswig-Holstein). Am schlechtesten arbeiteten die Amtstierärzte im Landkreis Oder-Spree (Brandenburg), Hochsauerlandkreis (NRW), Landkreis Göppingen (BaWü), Kreis Rostock (MV) und München (Bayern).
 
Veterinärämter sind für die Überwachung und den Vollzug des Tierschutzgesetzes in Deutschland zuständig. PETA meldet den Behörden jeden Monat zahlreiche Fälle von Tierquälerei und kontrolliert, ob und wie die Behörden daraufhin im Sinne des Tierschutzgesetzes tätig werden.
 
„Während in vielen Fällen in Zusammenarbeit mit Amtstierärzten sehr gute Erfolge für die Tiere erzielt werden, gibt es noch immer zu viele Behörden, die das Tierschutzgesetz und die entsprechenden Verordnungen und Richtlinien nicht umsetzen. Ein Grundproblem: Es fehlt eine neutrale Aufsichtsbehörde, die schlecht arbeitende Amtstierärzte kontrolliert“, so Jennifer Kuret, Koordinatorin für Missstandsmeldungen bei PETA.
 
Nachfolgend die Tierschutzfälle 2017, die in die Bewertung der Veterinärämter miteingeflossen sind:
 
Top:
Veterinäramt Kreis Nienburg/Weser: Zehn Katzen hatten die Amtstierärzte nach einem Hinweis von PETA in einem Haus in Rehburg-Loccum beschlagnahmt. Die Samtpfoten waren dort zwischen Müllbergen, Exkrementen und bereits verwesenden Katzenwelpen fast gänzlich auf sich allein gestellt.
 
Veterinäramt Kreis Borken: Sechs Hunde vegetierten bei Minustemperaturen in einem kleinen Waldstück in Reken in maroden, verdreckten Zwingern dahin. Die Behörde sorgte dafür, dass die Vierbeiner anderweitig untergebracht wurden.
 
Veterinäramt Landkreis Börde: Nach einem Hinweis von PETA beschlagnahmten die Amtsveterinäre umgehend knapp 300 Kaninchen und Meerschweinchen in einem Fall von Animal Hoarding in Oebisfelde-Weferlingen.
 
Veterinäramt Landkreis Bad Kissingen: Auf einem Hof in Burkardroth standen Kühe bis zum Bauch in ihrem eigenen Kot. Die Amtstierärzte kontrollierten umgehend vor Ort und leiteten Maßnahmen ein, um die Situation der Tiere zu verbessern.
 
Veterinäramt Kiel: Der Nachtclub "Ben Briggs" hielt Fische in einem Aquarium. In der Disco waren die Tiere lauter Musik und Besucherströmen ausgesetzt. PETA meldete dies. Daraufhin prüfte die Amtsveterinärin die Situation vor Ort und sorgte dafür, dass die Tiere ein neues, stressfreies Zuhause fanden.
 
Flop:
Veterinäramt Oder-Spree: Zahlreiche kranke, verletzte und tote Schweine fanden Tierschützer in Betrieben der Agrargenossenschaft Günthersdorf im Februar vor. Die Tiere mussten in völlig verdreckten, teils mit Gülle überfluteten Buchten leben. Amtsleiter Thomas Maczek behauptete wider besseres Wissen, dass die Aufnahmen nicht den aktuellen Stand der Schweinehaltung widergäben und keine Gefahr für das einzelne Tier bestünde.
 
Veterinäramt Hochsauerlandkreis: Aufnahmen einer versteckten Kamera, die PETA zugespielt worden waren, zeigten im Februar 2017, wie Arbeiter auf einem Biohof in Brilon Ziegen brutal misshandeln. Trotz mehrerer Meldungen schritt das Amt nicht ein.
 
Veterinäramt Landkreis Göppingen: Kranke und verletzte Schweine in verdreckten Buchten waren auf einem Video zu sehen, das Tierschützer in einem Mastbetrieb eines Landwirts in Bad Boll gemacht hatten. PETA zeigte den Bauern wegen Tierquälerei an. Das Verfahren wurde jedoch zunächst eingestellt, nachdem der leitende Veterinärdirektor Dr. Michael Pettrich in seiner Stellungnahme von falschen Behauptungen gesprochen hatte.
 
Veterinäramt Kreis Rostock: Lokale Tierschützer machten PETA auf eine Burmakatzenzüchterin in Westenbrügge aufmerksam, die zahlreiche Tiere zwischen Gerümpel und Exkrementen hält. Die Katzen wirken lethargisch, einige sind krank und verwahrlost. Die Rostocker Amtstierärzte aber greifen nicht durch – die Züchterin vermehrt die Tiere weiterhin.
 
Veterinäramt München: Circus Krone sperrt seine verhaltensgestörten Elefanten im Münchner Winterlager an den besucheroffenen Sonntagen an Ketten fixiert in eine Halle ein, wie mehrere Kontrollbesuche von PETA ergaben. Die Tierrechtsorganisation machte das Veterinäramt mehrfach auf diesen Missstand aufmerksam, geändert hat sich für Rüsseltiere jedoch nichts.
 
PETA steht täglich in Kontakt mit Veterinärbehörden, um Tierschutzmissstände und Fälle von Tiermissbrauch zu melden und zu verfolgen. Seit 2012 kürt die Tierrechtsorganisation jährlich die aus Tierschutzsicht positiv oder negativ aufgefallenen Veterinärämter. Im Ranking wird stets die gesamte Behörde genannt, auch wenn oftmals einzelne Amtstierärzte positiv oder negativ hervorstachen.
 
Zeugen von Tierquälerei sollten sich an die zuständige Veterinärbehörde ihrer Stadt oder ihres Landkreises wenden. Beobachtungen sollten detailliert und sachlich zusammengefasst werden. Besonders hilfreich ist Bild- und Videomaterial. Empfehlung von PETA: Nach der Meldung beim Veterinäramt unbedingt so lange nachhaken, bis der Missstand beseitigt ist (Fallbericht). Das kann ermüdend sein, ist aber oft die einzige Chance für das jeweilige Tier. Eine Übersicht mit ausführlichen Tipps, wie Zeugen gegen Tierquälerei vorgehen können, gibt es unter PETA.de/Whistleblower.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Veterinärämter-2017
 
Kontakt:
Denis Schimmelpfennig, +49 711 860591-528, DenisS@peta.de