PETA mahnt Pfungstadt zur Einstellung des Planverfahrens für Hai-Aquarium / Vorgehensweise verstößt gegen Auflagen

Pfungstadt / Stuttgart, 26. Juni 2019 – Die Planung für das Hai-Aquarium „Shark City“ in Pfungstadt basiert auf falschen Behauptungen und verstößt gegen das Transparenzgebot: PETA empfiehlt in einer Stellungnahme zum Bebauungsplan für den geplanten Hai-Zoo den Gremien der südhessischen Stadt die Einstellung des Planverfahrens. So werde frühzeitig ein rechtswidriges Vorgehen vermieden.
 
„Das Bebauungsplanvorhaben zeigt, dass die wirtschaftlichen Interessen die Belange des Tierschutzes eindeutig überwiegen. Haie werden hier als Geldquelle missbraucht und dienen nicht zur Sensibilisierung der Besucher für Ozeane und ihre Bewohner“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA. „Der Tierschutz ist in Artikel 20a des Grundgesetzes als Staatsziel von Verfassungsrang normiert. Damit hat die Verwaltung den Auftrag, Tiere zu schützen: Diesem wird die Gemeinde durch die vorliegende Planung nicht gerecht.“
 
PETA betont, dass durch den ausgelegten Entwurf des Bebauungsplans ein falsches Bild von der Planung des Aquariums vermittelt wird. Die Seven Seas GmbH & Co. KG behauptet, sie wolle mit ihrem Projekt bei der Bevölkerung ein Bewusstsein für bedrohte Tierarten schaffen und beruft sich auf einen pädagogischen Auftrag. Tatsächlich deuten die vorliegenden Planungen darauf hin, dass die Tiere unter nicht artgerechten Bedingungen gehalten und in erster Linie der Unterhaltung der Besucher dienen sollen. Dieses undurchsichtige Vorgehen verstößt gegen das Transparenzgebot. Daher rät PETA der Stadt, das Bauleitplanverfahren sofort einzustellen.
 
Vor der Wahl des Betreibers für Pfungstadt hatte die Stadt Sinsheim das Projekt „Hai-Aquarium“ bereits abgelehnt. Damals hatte PETA Hinweise weitergeleitet, die darauf hindeuteten, dass die Investoren hinter dem Rücken der Behörden agieren und beim Import von günstigen Wildfängen bewusst auch Todesfälle in Kauf nehmen. Offiziell werden etwa 15 Prozent der Haie für „Shark City“ Wildfänge sein. Von den marinen Zierfischen sind 99 Prozent Wildfänge [1].
 
Hintergrundfakten
Bereits der Transport zum Aquarium, der mehrere Tage dauern kann, führt zu einem hohen Stresslevel bei den Tieren, unter anderem aufgrund des Sauerstoffmangels, der häufig bereits zum Tod oder zu lebenslangen pathologischen Folgen führt. Gleiches gilt für die Quarantäne, die eine Voraussetzung für das Einsetzen der Tiere in die Schaubecken ist: Durch ein Verbringen der durch den Transport vorbelasteten Fische in die sehr kleinen Quarantänebecken ist keine ausreichende Sauerstoffzufuhr gewährleistet.
 
Im Rahmen der Zusammenführung verschiedener Arten in einem Schaubecken kann es zu gegenseitigen Attacken und sogar Tötungen unter den Tieren kommen. In den kleinen Becken gibt es keine Möglichkeit, dass sich die Tiere bei Antipathien oder Stress gegenseitig meiden. Artgerechtes Verhalten bleibt ihnen verwehrt: Die Haie verbringen aufgrund des Platzmangels in den Becken viel Zeit damit, aktiv zu schwimmen, anstatt – wie im Ozean – zu gleiten. Haie, die in Aquarien gehalten werden, weisen regelmäßig Verletzungen auf, die sie sich selber an den Aquarienwänden zufügen.
 
PETAs Motto lautet in Teilen, Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein: eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 
[1] Wabnitz, C.; Taylor, M.; Green, E.; Razak, T. (2003). From ocean to aquarium: the global trade in marine ornamental species. UNEP-WCMC Biodiversity Series. (https://www.unenvironment.org/resources/report/ocean-aquarium-global-trade-marine-ornamental-species)
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Sharkcity-Petition
 
Kontakt:
Thomas Lesniak, +49 711 860591-527, [email protected]