Corona-Pandemie: PETA und 11 weitere Tier- und Artenschutzorganisationen fordern sofortiges Wildtier-Importverbot von Bundesregierung und Parteien

Politik soll gegen Ursache der Krise vorgehen

 
Stuttgart, 26. März 2020 – In einem gemeinsamen Schreiben haben sich PETA und elf weitere deutsche Tier- und Artenschutzorganisationen an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Bundesumweltministerin Svenja Schulze sowie an die Parteivorsitzenden der Union, der SPD, der Grünen und der FDP gewandt. Der dringende Appell: Die Politik soll den Import von Wildtieren nach Deutschland umgehend verbieten. Die Viruserkrankung COVID-19 ist nach aktuellem Kenntnisstand auf den Handel und den damit verbundenen engen Kontakt mit Wildtieren beziehungsweise deren Verzehr zurückzuführen. Die Organisationen weisen darauf hin, dass Deutschland seit vielen Jahren eines der Schlüsselländer im Handel mit Wildtieren ist, die jedes Jahr zu Hunderttausenden aus aller Welt für den europäischen Heimtiermarkt importiert werden. Während zahlreiche Tiere bereits während des Transports sterben, sind die überlebenden oftmals stark geschwächt und können als Überträger von Zoonosen ein großes Risiko darstellen.
 
„Durch den Handel und die Ausbeutung von Wildtieren kommt es immer wieder zu gefährlichen, hochansteckenden Viruserkrankungen wie COVID-19, SARS oder auch dem Ebolafieber bei Menschen. Niemand weiß, welche Keime die Hunderttausenden exotischen Wildtiere in sich tragen, die Jahr für Jahr nach Deutschland importiert werden. Wir erwarten nun von der Bundesregierung, dass diese Importe angesichts der Corona-Krise umgehend verboten werden – alles andere wäre fahrlässig“, so Jana Hoger, Fachreferentin bei PETA.
 
75 Prozent der neu auftretenden Infektionskrankheiten haben einen tierischen Ursprung. [1] Mit 72 Prozent resultiert der größte Teil dieser Zoonosen aus dem Kontakt zu wildlebenden Tierarten. [2] Weitere Beispiele für gefährliche Viren, die in den vergangenen Jahren von Tieren auf Menschen übertragen wurden, sind SARS, MERS, Ebola, HIV, Bornaviren, Affenpocken und die Vogelgrippe.
 
Zudem bedroht der Wildtierhandel die Artenvielfalt: Laut dem Weltbiodiversitätsrat (IPBES) ist die direkte Ausbeutung der Natur einer der Hauptgründe für das Artensterben. Bei einem großen Teil dieser exotischen Tiere handelt es sich um Wildfänge aus Asien, Afrika und Südamerika. Sterberaten beim Fang und Transport von bis zu 70 Prozent gelten in der Zoohandelsbranche als üblich. [3]
 
Die Gesundheitsgefahren und auch die gravierenden Tier- und Artenschutzprobleme, die mit dem Wildtierhandel einhergehen, machen ein sofortiges Handeln unumgänglich. Bereits 2013 wurde zumindest ein Verbot von Wildfang-Importen von der damaligen Großen Koalition im Koalitionsvertrag vereinbart, jedoch nie umgesetzt. Während China auf die aktuelle Krise bereits mit einer dauerhaften Beschränkung des Wildtierhandels reagierte, gibt es in Deutschland und der EU bislang keine vergleichbaren Schritte. Infolge der Ausbreitung des H5N1-Vogelgrippe-Virus ist in der EU bisher lediglich seit 2005 die Einfuhr von Vögeln wildlebender Arten verboten.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 
Das Schreiben an die Bundesregierung und die Parteien steht hier zum Download zur Verfügung.
 
[1] One Health: OIE – World Organisation for Animal Health. Online abrufbar unter: www.oie.int/en/for-the-media/onehealth/. (17.03.2020).
[2] Global trends in emerging infectious diseases. – PubMed – NCBI. Online abrufbar unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18288193. (17.03.2020).
[3] Toland, Elaine / Warwick, Clifford / Arena, Phillip (2012): Pet Hate. In: The Biologist, Vol. 59 No. 3.
 

Wie Ware abgepackte Tiere auf der Fisch + Reptil 2017 / © PETA Deutschland e.V.

Das Motiv steht hier zum Download zur Verfügung.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Reptilienhandel
PETA.de/Wildtiermaerkte-schliessen
 
Pressekontakt:
Jana Fuhrmann, +49 711 860591-529, [email protected]