Presseportal Pressemitteilungen Unterhaltung Zoo

PETA weitet strafrechtliche Vorwürfe aus: Organisation wirft Lagunen-Verantwortlichen Betrug, Sachbeschädigung und Falschgutachten vor

Nürnberg / Stuttgart, 26. September 2019 – PETA hat seit 2011 mehrfach auf die gravierenden Missstände während der Baumaßnahmen in der Nürnberger „Delfinlagune“ aufmerksam gemacht. Die Situation ist bis dato unverändert, obwohl bereits weit mehr als 30 Millionen Euro in das Projekt geflossen sind. PETA kritisiert scharf, dass die Verantwortlichen der Stadt und die Zooverantwortlichen die ökologischen Schäden und das Leid der Delfine bewusst in Kauf genommen haben. Nach Ansicht der Tierrechtsorganisation handelt es sich um einen großangelegten Betrugsfall auf Kosten der Tiere, der Flora und Fauna sowie der Steuerzahler. PETA fordert den sofortigen Rücktritt der politisch Verantwortlichen und die Suspendierung der zuständigen Verwaltungsmitarbeiter.
 
„Wer vorsätzlich ein defektes Bauwerk errichtet, die Missstände jahrelang nicht behebt, Kritiker dieses Verbrechens öffentlich beleidigt und Steuerzahlern mit Beträgen in Höhe von zweistelligen Millionensummen schadet, ist das Bekleiden öffentlicher Ämter unwürdig. Die Verantwortlichen der Stadt kontrollieren sich seit über zehn Jahren als Bauherren gegenseitig – sie arbeiten Hand in Hand, um zu vertuschen, und begehen damit selbst Umgehungsstraftaten. Wir fordern, dieses wirtschaftskriminelle Projekt umgehend zu stoppen und die Delfine an betreute Meeresbuchten abzugeben“, so Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Rechts- und Wissenschaftsabteilung bei PETA.
 
Warnungen wurden aus ästhetischen Gründen ignoriert
Dr. Dag Encke, Direktor des Tiergartens Nürnberg, sah als Material für das Becken Naturstein vor, womit der Bau einer dichten Beckenfuge unmöglich wurde. Die bautechnischen Hinweise einer Architektin des Hochbauamts im Jahr 2009 wurden jedoch ignoriert und das Becken undicht gebaut.
Als das zuständige Bauunternehmen Adler & Olesch mit den Vorwürfen konfrontiert wurde, gab es bekannt, nie zu einem dichten Bau der Lagune verpflichtet worden zu sein. Haferbeck erklärt: „Nach insgesamt vier Razzien bei Behörden und Privatpersonen war die Staatsanwaltschaft bemüht, ihre Entscheidung, das Verfahren einzustellen, zu bestätigen.“ Ein Mitarbeiter der Firma musste infolgedessen eine Geldbuße in Höhe von 5.000 Euro zahlen – PETAs Ansicht nach eine Farce, da in derartigen Fällen Geldbußen in Millionenhöhe für die fehlerhaft arbeitenden Firmen üblich sind.
 
Erhebliche Planungsfehler mit gravierenden Folgen
Infolge des bewusst mangelhaften Baus trat tonnenweise Salzwasser aus dem Becken aus, unter anderem auch in ein nahegelegenes, geschütztes Biotop. Ein unter europäischem Schutzstatus (FFH) stehendes Waldgebiet mit teils über hundertjährigen Bäumen wurde zerstört. „Doch behördliche Gutachter haben vorsätzlich und bewusst nicht den ökologischen Schaden, sondern allein den Schaden der Bäume selbst kleingerechnet.“ Trotz aller Maßnahmen ging der Chloridgehalt, der jahrelang über dem zugelassenen Grenzwert lag, nicht zurück, sondern stieg 2012 sogar massiv an. „Auch die Delfine mussten wieder in das kleinere Becken umziehen und wurden hierfür vermutlich – typisch für den Nürnberger Tiergarten – sogar sediert“, so Haferbeck.
 
In Freiheit leben Delfine in komplexen Sozialverbänden – den sogenannten Schulen – und schwimmen am Tag bis zu 150 Kilometer weit. In Gefangenschaft müssen die intelligenten Tiere ihr Dasein in engen, trostlosen Betonbecken fristen, in künstlichem Salzwasser schwimmen und erhalten mitunter sogar Psychopharmaka, um die Situation zu ertragen.
 
PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 
Weitere Informationen:
PETA50Plus.de/Delfin-Lagune-Nuernberg-Delfinqualstaetten-gehoeren-geschlossen-das-Experteninterview
PETA.de/18-Fakten-Delfinarien-Duisburg-Nuernberg
PETA.de/Themen/Delfinarien
 
Kontakt:
Carolin von Schmude, +49 711 860591-528, [email protected]