„Böllern wie immer“ als falsches Signal in der Pandemie: PETA appelliert an Landesregierung von NRW und an die Regierungsfraktionen von CDU und FDP, Pyrotechnik künftig zu untersagen

Düsseldorf / Stuttgart, 16. November 2020 – Politische Entscheidungsträger in NRW haben verlauten lassen, private Pyrotechnik zu Silvester zuzulassen. PETA kritisiert die Ankündigung scharf, da Feuerwerkskörper für Tiere und Menschen stets Gefahr, mitunter sogar Lebensgefahr, bedeuten. Nicht nur zum Jahreswechsel, sondern auch zu diversen anderen Anlässen belasten die Knallerei und all ihre Begleiterscheinungen Lebewesen und Natur. Während wir alle vernünftig handeln und unsere Kontakte auf ein Minimum reduzieren sollten, werden durch solche Aktionen zusätzliche unnötige Gefahren geschaffen. „Böllern fürs Volk“ ist ein offensichtlicher Versuch, sich bei potentiellen Wählern beliebt zu machen. Die Tierrechtsorganisation appelliert nun an die Landesregierung von NRW und an die Regierungsfraktionen von CDU und FDP, verantwortungsvoll zu agieren und Feuerwerke im privaten wie auch im kommerziellen Rahmen zu untersagen.
 
„Alle Tiere leiden unter Feuerwerk: Es besteht insgesamt eine hohe Verletzungsgefahr; der bedrohliche Lärm und die unnatürlichen Lichter sorgen immer wieder für verzweifelte Suchen nach verängstigten tierischen Mitbewohnern. Auch Unfälle, beispielsweise mit Pferden oder Rehen, und entsprechende Todesfälle sind keine Seltenheit. Für Zoo- und Zirkus-Insassen sowie Tiere, die industriell ausgebeutet werden, bedeutet Pyrotechnik ebenfalls zusätzlichen Horror. Die Überreste eines jeden Feuerwerks verschmutzen außerdem unsere Umwelt und schaden dadurch allen Lebewesen“, so Birgitta Pilgrim, Kampagnenleitung bei PETA.
 
Tiere durchleben Todesängste, verletzen sich oder sterben
Jedes Jahr steigt die Zahl der Tiere, die sich rund um Neujahr bei Fluchtversuchen verletzen. Allein 2018 wurden an Silvester knapp 650 entlaufene Hunde und Katzen gemeldet – die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. [1] Die Knallerei versetzt auch sogenannte Nutztiere in Panik. Dies zeigt ein Beispiel vom bayerischen Schliersee: Dort waren bei einem Feuerwerk Anfang Oktober mehrere Kälber verschwunden. Die meisten Tiere in der landwirtschaftlichen Tierhaltung sowie alle gefangen gehaltenen Tiere in Zirkussen und Zoos können nicht fliehen und empfinden dadurch Todesängste. Naturschutzverbände weisen zudem jedes Jahr darauf hin, dass die lauten Knallkörper für Wildtiere enormen Stress bedeuten. Auch in Städten leben mittlerweile zahlreiche Wildtiere. Für Füchse, Marder, Waschbären und viele andere Tiere werden Raketen und Böller schnell gefährlich. Wenn sie flüchten, kann sie das so viel Kraft kosten, dass sie derart geschwächt die Wintermonate nicht überleben. Es dauert teilweise wochenlang, bis sich die Tiere von diesem Schock erholt haben. Viele Vögel weichen in für sie ungewöhnliche Höhen aus, was mit einem erheblichen Energieverlust einhergeht. Rauchschwaden und helle Leuchtraketen können außerdem zu Desorientierung führen, ihnen die Sicht nehmen und sie blenden, sodass sie Hindernissen nicht rechtzeitig ausweichen können. [2] Darüber hinaus kommt es wegen der Feuerwerkskörper immer wieder zu Unfällen. So erschreckten sich in den vergangenen Jahren beispielsweise oftmals Pferde und gingen durch; auch flogen panische Kraniche und Gänse in Autos, weil sie die Orientierung verloren hatten.
 
PETA ruft zu Rücksichtnahme auf und rät allen Tierfreunden, keine Raketen, Heuler und Co. zu starten sowie Veranstaltungen, die Feuerwerke enthalten, zu boykottieren. Tiere, Umwelt und auch die eigene Gesundheit werden profitieren. Allein das Beispiel der Feinstaubbelastung verdeutlicht das Risiko: Nach der Silvesternacht ist die Feinstaubkonzentration vielerorts so hoch wie sonst im ganzen Jahr nicht.: Die Folgen reichen von vorübergehenden Beeinträchtigungen der Atemwege über einen erhöhten Medikamentenbedarf bei Asthmatikern bis zu Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 
[1] Anfrage bei TASSO e.V., 2019.
[2] Shamoun-Baranes J., Dr. Adriaan M., van Gasteren H., van Loon E. E., Leijnse H., Bouten W. (2011): Birds flee en mass from New Year’s Eve fireworks. Behavioral Ecology. doi:10.1093/beheco/arr102.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Feuerwerk
 
Pressekontakt:
Julia Zhorzel, +49 711 860591-536, [email protected]