DRINGEND: Uns läuft die Zeit davon – Tierversuche in Europa beenden

„Deichschafe“ wieder aufrichten: PETA gibt Tipps – Schafe schubsen kann Leben retten

Stuttgart, 14. April 2022 – Augen auf beim Deichspaziergang: Das sonnige Frühlingswetter lädt zu ausgiebigen Spaziergängen ein. Auf Deichen an der Nord- und Ostsee kann sich Menschen dabei aktuell ein ungewöhnlicher Anblick bieten: Schafe, die hilflos auf dem Rücken liegen. Bevor die Tiere im Frühjahr in der Regel zwischen den Eisheiligen – Mitte Mai – und der Schafskälte – Anfang Juni – geschoren werden, haben sie ein sehr dickes Wollkleid. Sie schwitzen, ihre Haut juckt und die Tiere werden anfälliger für Parasiten wie Milben oder Zecken. Um sich zu kratzen, rollen sich Schafe auf den Rücken und sind manchmal nicht mehr selbstständig in der Lage, sich aufzurichten. Insbesondere dann nicht, wenn sie durch ein Übermaß an Wolle oder eine Schwangerschaft einen breiten Körperumfang haben. Auch Tiere, denen für die Fleischproduktion zusätzliche ausgeprägte Fleischpartien angezüchtet wurden, können manchmal nicht mehr selbstständig aufstehen – eine potentiell lebensgefährliche Situation. Patrick Nowey, PETA-Fachreferent für Tiere in der Bekleidungsindustrie, erklärt, warum die Rückenlage für Schafe so gefährlich ist und wie Spazierende eingreifen können, wenn sie ein Tier in dieser Notlage entdecken.

„Zu langes Liegen auf dem Rücken kann bei trächtigen Schafen und Tieren mit dichter Wolle schlimmstenfalls zu einem Kreislaufzusammenbruch oder Atemstillstand führen, wenn das hohe Gewicht auf die Lunge drückt“, so Patrick Nowey. „Mit ein paar beherzten Griffen können Spazierende den Tieren aber schnell und einfach helfen.“

PETA gibt Tipps:

  • Notlage erkennen: Zappeln die Tiere mit den Beinen in der Luft oder liegen reglos auf dem Rücken, ist schnelles Handeln gefragt. Denn es drohen nicht nur gesundheitliche Konsequenzen, auch Vögel oder Raubtiere können die wehrlosen Tiere so leicht angreifen. Liegen Schafe ruhig und entspannt auf dem Bauch, muss nicht reagiert werden.
  • Sicherheit einschätzen: Um die eigene Sicherheit nicht zu gefährden, sollte die Weide nur betreten werden, wenn kein sogenannter Herdenschutzhund oder Schafbock in der Nähe ist.
  • Beherzt eingreifen: Wer ein auf dem Rücken liegendes Schaf entdeckt, sollte ruhig auf das Tier zugehen und ihm bestenfalls von der Rückseite her einen beherzten Schubs geben, um es zum Aufstehen zu bewegen. So können Panik und Tritte vermieden werden.
  • Achtung, Kreislaufprobleme: Hat ein Schaf zu lange gelegen, kann es sein, dass es aufgrund von Kreislaufproblemen oder Orientierungslosigkeit nach dem Aufrichten wieder hinfällt. Dann sollte dem Tier wiederholt aufgeholfen werden. Ist das Schaf sehr schwach, muss es gestützt werden, bis es wieder selbstständig stehen kann.
  • Hilfe holen: Wer sich nicht selbst traut, einem Tier zu helfen, sollte schnellstmöglich eine Landwirtschaft betreibende Person in der Nähe oder die Polizei um Hilfe bitten.

Alle Tipps gelten auch für Schafe in Bergregionen.
In Deutschland werden Schafe nicht primär für die Wollproduktion, sondern hauptsächlich für die Landschaftspflege und die Herstellung von Fleisch und Milch gezüchtet. Trotzdem werden fast ausschließlich Tiere eingesetzt, denen der natürliche Fellwechsel weggezüchtet wurde. Für die Schafe ist das eine Katastrophe, denn sie können ihre Körpertemperatur nicht mehr eigenständig regulieren. Damit sind die Tiere in ihrem Wohlbefinden komplett vom Menschen abhängig. Werden sie nicht geschoren, wächst ihr dichtes Vlies unaufhörlich und verfilzt und sie können an einem Hitzschlag sterben. Wird zu früh geschoren, besteht die Gefahr, dass die Tiere bei unerwarteten Kälteeinbrüchen erfrieren. Fast alle Schafe müssen schmerzhafte Standardeingriffe wie das Entfernen der Schwänze über sich ergehen lassen. Gleichzeitig ist die Schur immer mit Stress, Panik und Gewalt für die ängstlichen Fluchttiere verbunden.

Menschen, die Kleidung ohne Wolle ausprobieren möchten, können beim nächsten Einkauf auf Textilien wie Bio-Baumwolle, Lyocell, Bambus, Polyester, Hanf etc. zurückgreifen. Diese rein pflanzlichen Fasern sind nachhaltiger und vermeiden Tierleid.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

Weitere Informationen:
PETA.de/Neuigkeiten/Qualzuchten-Wolle-Anzeige

Pressekontakt:
Valeria Goller, +49 711 860591-521, [email protected]