Friedrichshafen: Tote Schlange in Terrarium entdeckt – PETA bietet 1000 Euro Belohnung für Hinweise und fordert generelles Haltungsverbot von Reptilien in Privathaushalten

Friedrichshafen / Stuttgart, 23. November 2021 – Aufmerksame Bürger entdeckten am vergangenen Mittwochabend eine tote Schlange in Friedrichshafen. Alarmierte Beamte fanden das etwa 30 cm lange Tier in einem selbstgebauten Terrarium, welches in der Unteren Mühlbachstraße bei der Zufahrt Heiseloch abgestellt worden war. Bisher ist nicht bekannt, ob die Schlange wegen der kalten Temperaturen am Ablageort gestorben ist oder ob das Tier bereits tot entsorgt wurde. Hinweise auf den ehemaligen Schlangenhalter nimmt das Polizeirevier Friedrichshafen unter der Telefonnummer 07541-7010 entgegen.

PETA setzt Belohnung aus

Um den Fall aufzuklären, setzt PETA nun eine Belohnung in Höhe von 1000 Euro für Hinweise aus, die die tatverantwortliche Person überführen. Menschen, die etwas beobachtet oder anderweitige Hinweise haben, werden gebeten, sich bei der Polizei oder telefonisch unter 0711-8605910 oder per E-Mail bei der Tierrechtsorganisation zu melden – auch anonym.

„Wir möchten helfen, aufzuklären, von wem die Schlange ausgesetzt wurde. Üblicherweise handelt es sich bei solchen Funden um Tiere aus dem Internet oder von Reptilienbörsen, deren Käufer und Käuferinnen sich nicht ausreichend mit den Bedürfnissen der anspruchsvollen Wesen auseinandergesetzt haben“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Dieser Vorfall macht einmal mehr deutlich, dass exotische Tiere in der Heimtierhaltung verboten werden müssen. Auch weil die anspruchsvollen Tiere in Wohnzimmern nicht tiergerecht gehalten werden können.“

PETA weist darauf hin, dass das Aussetzen von Tieren laut Paragraf 3 des Tierschutzgesetzes verboten ist und ebenso den Straftatbestand der Tierquälerei nach Paragraf 17 des Gesetzes erfüllen kann. Dies kann mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden. Das Tierschutzgesetz greift auch, wenn Halter die Tiere nicht artgerecht unterbringen und versorgen oder notwendige Hilfeleistung unterlassen.

PETA fordert generelles Haltungsverbot von Exoten in Privathaushalten
Die Tierschutzorganisation kritisiert, dass der Kauf von Schlangen sowie anderen anspruchsvollen Tieren unabhängig von dringend erforderlichem Fachwissen möglich ist. In der Folge brechen jedes Jahr tausende exotische Tiere aus ihren Terrarien aus oder werden von überforderten Laien einfach ausgesetzt. Die Tierrechtsorganisation setzt sich daher für ein grundsätzliches Verbot von exotischen Tieren in Privathand ein und weist darauf hin, dass der Handel mit Reptilien und Amphibien auch den Tod unzähliger Tiere bedeutet: Viele der empfindlichen Exoten sterben bereits, bevor sie überhaupt in den Verkauf kommen. Verlustraten von 70 Prozent gelten in der Zoohandelsbranche als üblich [1]. Bei einem erheblichen Teil der auf Terraristikbörsen und im Handel angebotenen Wildtiere handelt es sich um Naturentnahmen. Im Auftrag profitorientierter Händler und Händlerinnen sowie gedankenloser Menschen, die die Tiere kaufen, werden die letzten artenreichen Naturgebiete regelrecht geplündert. Eine tierärztliche Fallstudie, bei der rund 150 verstorbene Reptilien untersucht wurden, kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten [2].
 
Auch wenn es sich um ungiftige Tiere handelt, können Exoten gefährlich für den Menschen sein: Studien zufolge übertragen die meisten Reptilien gesundheitsgefährdende Salmonellenarten; geschätzte 90 Prozent der Tiere tragen die Erreger in sich. Auf den Menschen übertragene Salmonellen können im Extremfall zur Hirnhautentzündung oder zum Tod des Menschen führen – vor allem Kinder sowie immungeschwächte und ältere Menschen sind gefährdet. Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge rührt jede dritte Salmonelleninfektion bei Kleinkindern von exotischen Tieren her [3].

PETA setzt regelmäßig Belohnungen in Fällen von misshandelten oder ausgesetzten Tieren aus, um bei der Ermittlung der Tatverantwortlichen zu helfen.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 

[1] Toland, Elaine/Warwick, Clifford/ Arena, Phillip (2012): Pet Hate, in: The Biologist, Vol. 59 No. 3.

[2] Schmidt, Volker (2008): Die Bedeutung von haltungs- und ernährungsbedingten Schäden bei Reptilien. Eine retrospektive pathologische Studie, 4. Leipziger Tierärztekongress.

[3] Robert Koch-Institut (2013): Salmonella-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern durch Kontakt zu exotischen Reptilien. Epidemiologisches Bulletin. 4. März 2013 / Nr. 9.


Weitere Informationen:
Reptilienhandel.PETA.de

PETA.de/Whistleblower

PETA.de/Tierqual

PETA.de/Reptilienchronik


Pressekontakt:

Julia Zhorzel, +49 711 860591-536, [email protected]