Füchse als Tollwutüberträger diffamiert: PETA fordert von Landrat Grabner sofortigen Stopp der Abschussprämie im Kreis Berchtesgadener Land

Bad Reichenhall / Stuttgart, 16. Januar 2020 – Das Landratsamt Berchtesgadener Land in Bad Reichenhall hat eine Fuchsabschussprämie ausgesetzt und auf seiner Website Fehlinformationen über gesundheitliche Gefahren durch die Tollwut bei Füchsen verbreitet – dabei gilt Deutschland bereits seit 2008 als tollwutfrei. Die ursprüngliche Seite ist mittlerweile nicht mehr abrufbar, ein Antragsformular für die Abschussprämie existiert jedoch nach wie vor. PETA wandte sich vergangene Woche an Georg Grabner und appellierte an den Landrat, die Fuchsjagdprämie umgehend zurückzuziehen und keine falschen Informationen über Füchse zu publizieren. Die Tierrechtsorganisation fordert eine Stellungnahme zur Abkehr von der Abschussprämie und ein Fuchsjagdverbot im Kreis Berchtesgadener Land.
 
„Wir erwarten von Landrat Georg Grabner, dass er die Abschussprämie zurückzieht und keine Fehlinformationen über mögliche gesundheitliche Gefahren durch Füchse mehr verbreitet. Solche Behauptungen stellen heutzutage allenfalls noch einige Jäger auf, die versuchen, ihr blutiges ‚Hobby‘ zu rechtfertigen“, so Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA. „Deutschland ist seit mehr als zehn Jahren offiziell tollwutfrei – und nicht die Jagd auf Füchse, sondern der Einsatz tierfreundlicher Impfköder hat die gefährliche Krankheit ausgemerzt.“
 
Hintergrundinformationen
Auf der Internetseite betonte das Landratsamt Berchtesgadener Land ausdrücklich, dass „die intensive Bejagung der Füchse als Hauptüberträger der Tollwut“ dem Schutz der Einwohner und Gäste sowie anderer Tiere diene. Zudem wurde behauptet, mit der Jagd auf Füchse den Fuchsbandwurm zu bekämpfen. Dabei ist dieser eine der seltensten parasitären Infektionskrankheiten und kann nicht als Begründung für die Massentötungen herangezogen werden. Auch Jagdverbände in ganz Deutschland schüren beim Versuch, ihr grausames „Hobby“ zu rechtfertigen, unnötige Ängste vor dem Fuchs als Überträger des Parasiten. Wissenschaftliche Studien beweisen jedoch, dass die Jagd den Fuchsbandwurm vielmehr weiterverbreitet und die Infektionsgefahr erhöht, statt den Parasiten einzudämmen – wie es auch bei der mittlerweile durch tierfreundliche Impfköder besiegten Tollwut der Fall war.
 
Jagd auch aus wildbiologischer Sicht unnötig
Obwohl es keinen Grund für die massenhafte Bejagung der Tiere gibt, töten Jäger in Deutschland jährlich fast eine halbe Million Füchse. PETA setzt sich für ein bundesweites Verbot der Fuchsjagd ein und hat auch eine Petition gestartet, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. Die Tierrechtsorganisation weist darauf hin, dass die Jagd auf Füchse keinerlei regulierende oder reduzierende Auswirkungen auf die Population hat. Verluste werden rasch durch Zuwanderung und steigende Geburtenraten ausgeglichen. Auch anerkannte Wildbiologen bestätigen, dass die Jagd aus ökologischer Sicht nicht notwendig ist. Dem renommierten Biologen Prof. Dr. Josef H. Reichholf zufolge müssen Beutegreifer nicht durch menschliche Jäger ersetzt werden, da sich im Wald wohnende Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten regulieren. [1] Als Gesundheitspolizei ist der Fuchs zudem ein wichtiges Glied im Kreislauf der Natur. Er sichert seinen Beutearten das Überleben, indem er schwache und kranke Tiere erlegt und Krankheitsherde somit eliminiert. Gefahren gehen von Füchsen nicht aus. In Luxemburg ist die Jagd auf Füchse seit 2015 verboten – ohne negative Auswirkungen.
 
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 
[1] Reichholf, J. H.: Die Wahrheit über die Jagd – Evolutionsbiologe Prof. Josef Helmut Reichholf widerlegt Jägerlügen. TV-Dokumentation SWR BW (15.05.2014).
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Fuchsjagd-stoppen
PETA.de/Deutschland-offiziell-10-Jahre-frei-von-terrestrischer-Tollwut-Peta-fordert-Fuchsjagd-Verbot
PETA.de/Fuchsbandwurm-Jagd
 
Pressekontakt:
Carolin von Schmude, +49 711 860591-528, [email protected]