Nach dem Lockdown droht Trennungsstress für Hund und Katze: PETA-Expertin gibt Tipps zur Umgewöhnung an den neuen Alltag

Stuttgart, 23. Februar 2021 Trennungsschmerz vorprogrammiert: In der Corona-Krise haben sich viele Hunde und Katzen an die Gesellschaft ihrer Menschen gewöhnt. Hunde genießen die soziale Bindung und ausgiebige Spaziergänge, Katzen erfreuen sich an zusätzlichen Kuschelstunden und Zeit zum Spielen. Für viele Tiere ein großer Zugewinn, denn nicht wenige Vierbeiner waren vor Lockdown und Homeoffice stundenweise alleine. Unvorbereitet kann die Zeit nach dem Lockdown deshalb für viele Hunde und Katzen Langeweile und echten Trennungsstress bedeuten. Wichtig ist, das Alleinsein wieder zu üben und die Zeit ohne Gesellschaft langsam zu steigern. Das kann je nach Wesen des Tieres bis zu mehreren Wochen dauern. Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA, hat einige Tipps für Tierhalter zusammengestellt.

„Soziale Tiere wie Hunde und Katzen sollten grundsätzlich nicht über viele Stunden allein gelassen werden, aber nach der intensiven Zeit der vergangenen Monate fällt den Tieren auch das kurze Alleinbleiben schwerer als ohnehin schon“, so Jana Hoger. „Viele Tiere sind stark ritualisiert und müssen die Trennung vom Menschen erst wieder lernen. Eine gute Basis ist wichtig für den langfristigen Erfolg – werden die ersten Übungsschritte solide und verlässlich aufgebaut, dann steht einer reibungslosen Steigerung nichts im Weg.“

Trainings-Tipps der PETA-Expertin für Hundehalter:

  • Zur Einleitung der Trainingseinheiten eignen sich entspannende Spaziergänge, damit der Hund bestenfalls ausgepowert ist und später zu Hause gut herunterkommen kann.
  • Es ist sinnvoll, Hunden eine dauerhafte Komfortzone zu schaffen, die Entspannung und Wohlgefühl vermittelt. Das kann beispielsweise eine Decke sein, auf der das Tier nicht gestört wird. Auch die Komfortzone muss vorab positiv aufgebaut werden, so lassen sich in der Trainingszeit zur Gewöhnung beispielsweise Leckereien und Kauartikel anbieten oder eine Extraportion Streicheleinheiten verteilen (wenn der Hund das als angenehm empfindet) – dabei sollten Hunde mit Kauartikeln niemals alleine gelassen werden, da sie sich an ihnen verschlucken können. Es kann sinnvoll sein, ruhige Musik laufen zu lassen, die das Tier dann bestenfalls mit dem Wohlgefühl verknüpft. Später beim Alleinbleiben, kann diese Musik Hunden helfen, sich zu entspannen.
  • Ein Beschäftigungskarton oder Schnüffelteppich kann in der Komfortzone für weitere Entspannung sorgen. In Schnüffelteppichen suchen die Vierbeiner nach Leckereien, die zwischen den Teppichflusen versteckt sind. In Beschäftigungskartons können Leckerlis oder auch Trockenfutter zwischen zusammengeknüllter Zeitung oder in alten Toilettenrollen versteckt werden.
  • Im nächsten Schritt kann es hilfreich sein, Kindergitter aufzubauen und damit in eine räumliche Trennung zum Hund zu gehen. Immer wieder wird so für kurze Zeit (mit langsamer Steigerung) das Alleinsein geübt. Entspannt der Hund in dieser Situation, kann das Training mit dem Schließen der Zimmertüren fortgeführt werden.
  • Hundehalter sollten auch im Alltag immer mal wieder die Türen hinter sich schließen, damit es für die Vierbeiner „normal“ wird, nicht überall hin folgen zu können.
  • Viele Hunde reagieren bereits alarmiert, wenn Halter das Schlüsselbund in die Hand nehmen oder Schuhe anziehen. Schlüsselbund, Arbeitskleidung, Handtasche usw. können Schlüsselreize sein, auf die Hunde mit Unruhe oder Stress reagieren, weil sie gelernt haben, dass sie kurz darauf alleine zurückgelassen werden. Tierhalter sollten diese Reize an Stellen in den Alltag integrieren, an denen der Hund nicht damit rechnet: Die Handtasche mit auf die Toilette nehmen, das Schlüsselbund zum Wäscheaufhängen einstecken, die Büroschuhe abends zum Fernsehen anziehen etc.
  • Während das Alleinbleiben in winzigen Schritten aufgebaut wird, dürfen die Hunde nicht tatsächlich allein gelassen werden. Im Zweifelsfall muss eine Übergangslösung gefunden werden, z.B. ein Hundesitter, denn sonst können Hund und Halter im Training um Wochen zurückgeworfen werden.
  • Grundsätzlich empfiehlt PETA, Hunde nicht über viele Stunden allein zu lassen. Wer den Hund in der normalen Arbeitszeit nicht mitnehmen kann, der muss nach einem Gassigänger oder einer Hundetagesstätte schauen, damit sich in der Zeit jemand um den Vierbeiner kümmert.

Tipps der PETA-Expertin für Katzenhalter:

  • Gemeinsame Rituale sind wichtig: Bevor Katzenhalter das Haus verlassen, sollte z.B. ausgiebig mit dem Tier gespielt werden.
  • Ist eine Katze zu sehr gestresst, reagiert sie häufig mit Unsauberkeit oder Aggression. Bei Problemfällen kann ein Tiertrainer oder -psychologe nützliche Tipps geben.
  • Manche Katzen freuen sich über Partnerkatzen – hier kann es sinnvoll sein, sich im Tierheim Rat zu holen oder einen Tierpsychologen zu Rate zu ziehen. So kann sichergestellt werden, dass der passende Partner in die Familie zieht. Wichtig ist auch hier ein langsames und entspanntes „Aneinander gewöhnen“.
  • Wohnungskatzen müssen die Möglichkeit haben, sich ausgiebig zu beschäftigen: Beispielsweise mit einem hohen Kratzbaum, der mit Liegeflächen in verschiedenen Höhen und Spielmöglichkeiten ausgestattet ist. Er ist für viele Katzen der Mittelpunkt ihres Lebens, auf dem sie stundenlang schlafen, sich putzen, ihre Krallen wetzen oder Kletterübungen machen. Darüber hinaus sind Fensterplätze sehr beliebt. Wird die eine oder andere Pflanze zur Seite gerückt, können Katzen nach draußen schauen. Für sie ist das ein bisschen wie Fernsehen und vertreibt ihnen die Zeit. Außerdem hilft Spielzeug, Katzen abzulenken. Ob Spielmäuse, Papierkugeln, mit Minze gefüllte Kissen oder geräuschvolle Stofftiere – es gibt viele Möglichkeiten, Katzen das Alleinsein zu versüßen. Nicht eingesetzt werden sollte Katzenspielzeug mit fest angebrachten Schnüren oder Gummibändern, da sich die Tiere verfangen und lebensgefährlich verletzen können.

Durch Corona ist die Nachfrage nach tierischen Mitbewohnern stark gestiegen. PETA appelliert an alle Menschen, die mit dem Gedanken spielen, ein Tier aufzunehmen, im Vorfeld einen tiergerechten Versorgungsplan zu entwerfen, der die „Zeit nach Corona“ einschließt. Denn kein Tier darf den Preis dafür zahlen, dass unüberlegte Entscheidungen getroffen wurden. Außerdem sollten Tiere niemals im Zoohandel, im Internet oder bei einem Züchter gekauft werden. Die Tierheime sind voll von Hunden und Katzen, die sehnsüchtig auf ein neues Zuhause warten.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein: eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

Weitere Informationen:

PETA.de/Themen/Tierische-Mitbewohner

PETA.de/Themen/Keinen-Hund-aufnehmen

Pressekontakt:Valeria Goller, +49 711 860591-521, [email protected]