Nach PETA-Anzeige: Schafhalter aus Dithmarschen zu 3.000 Euro Strafe verurteilt, nachdem er krankem Tier den Kopf mit einem Hammer einschlug

Meldorf / Stuttgart, 4. Oktober 2022 – Da er einem kranken Schaf den Kopf mit einem Hammer eingeschlagen hatte, wurde ein Schafhalter heute zu 3.000 Euro Strafe verurteilt (Az. 29 Ds 321 Js 5848/21.). Nachdem PETA im März diesen Jahres eine Whistleblower-Meldung erreichte, erstattete die Organisation bei der Staatsanwaltschaft Itzehoe Strafanzeige gegen den Schafhalter Lothar V. aus dem Landkreis Dithmarschen. Laut einem Augenzeugen versuchte der Halter, einem kranken Schaf mit einem Hammer den Schädel einzuschlagen. Den Aussagen des Whistleblowers zufolge hämmerte der Mann immer und immer wieder kräftig auf das Tier ein und ließ es dann mit seinen schweren Kopfverletzungen liegen. Das Schaf starb dem Zeugen nach daraufhin langsam und qualvoll an den Folgen seines zertrümmerten Schädels. Nach der Tierschutzschlachtverordnung ist der Kopfschlag zur Schafsbetäubung verboten. Um die Straftat zu verdecken, soll der Halter laut Aussagen des Beobachters am nächsten Morgen dem toten Schaf die Kehle durchgeschnitten haben, bevor es für die Tierkörperbeseitigungsanlage abgeholt wurde. PETA hatte von der Staatsanwaltschaft neben einer harten strafrechtlichen Sanktionierung auch ein Tierhalteverbot für den Mann gefordert.

„Das Amtsgericht Meldorf hat heute ein deutliches Urteil gegen den Tierquäler Lothar V. gefällt“, so Dr. Edmund Haferbeck, Senior-Mitarbeiter im Bereich Special Projects bei PETA, der als Prozessbeobachter anwesend war. „Das Gericht folgte dem Antrag des Staatsanwalts vollständig, der vom ‚Tier als Mitgeschöpf‘ sprach und die ‚Tat als nahe der Rohheit angesiedelt‘ ansah.“

Hintergrundinformationen
Schafe werden in Deutschland vorwiegend für die Landschaftspflege und die Fleisch- und Milchproduktion gezüchtet. Obwohl hierzulande kaum noch Wolle hergestellt wird, werden bis auf wenige „Haarschafe“ ausschließlich Tiere ohne natürlichen Fellwechsel gezüchtet. Bei dieser Form der Qualzucht ist es für das Wohlergehen der Schafe zwingend notwendig, sie regelmäßig zu scheren, da ihr dichtes Vlies sonst immer weiter wächst und verfilzt. Die Tiere schwitzen, ihre Haut beginnt zu jucken und sie werden anfälliger für parasitäre Erkrankungen wie Milbenbefall, Schaffliegen oder Haarlinge. Im schlimmsten Fall sterben sie ohne die Schur an einem Hitzschlag. Nichtsdestotrotz versetzt das Scheren die sensiblen Fluchttiere immer in Panik und lässt blutige Schnittwunden zurück.

In Deutschland lebt ein Großteil der Schafe in der sogenannten Hütehaltung: Die Tiere befinden sich außer im Winter ganzjährig auf der Weide. Auch wenn die Haltung im Freien auf den ersten Blick idyllisch aussieht, birgt sie aufgrund mangelnder Weidebeaufsichtigung und Versorgung der Tiere oftmals viele Gefahren. Immer wieder werden PETA Bilder zugespielt, die zeigen, wie sich Schafe in Zäunen verfangen haben und dort unentdeckt sterben. Oder an offenen Wasserstellen ertrinken, im Hochsommer vor leeren Wassertrögen verdursten, keinen Schattenplatz oder Unterstand bei Regenwetter zur Verfügung haben. Viele müssen auch an Ketten und Seilen angebunden an Ort und Stelle verharren. Derartige Missstände sind Alltag in der Schafhaltung. Zudem durchleben fast alle Schafe in Deutschland grausame „Standardeingriffe“: Ihnen werden die Ohren mit einer Erkennungsmarke durchgestochen und sie werden meist ohne Betäubung kastriert. Hierfür werden wenige Tage alten Lämmern mit einer Kastrationszange die Hoden abgequetscht oder Gummiringe um die Hodensäcke gelegt, um die Blutzufuhr abzutrennen. Aus hygienischen Gründen und für eine einfachere Besamung wird zudem zahlreichen weiblichen Schafen und Zuchtböcken der Schwanzwirbel mit Gummiringen abgetrennt. Nach dem Eingriff winden sich die Tiere mehrere Tage vor Schmerzen.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden.

Das tote Schaf mit zertrümmertem Kopf. / © PETA Deutschland e.V.

Dieses und weitere druckfähige Motive stehen hier zum Download zur Verfügung und können für die Berichterstattung verwendet werden.

Weitere Informationen:
PETA.de/Neuigkeiten/Dithmarschen-Schaf-erschlagen
PETA.de/Schafe-Deutschland

Pressekontakt:
Stefanie Bacher, +49 711 860591-431, [email protected]