PETA will Denkmal für Fische in Kiel: Zum Gedenken an das Leid von akut von Überfischung bedrohten Dorschen und Heringen

Kiel / Stuttgart, 15. Dezember 2020 – Ungewöhnliche Bitte für Fische in Not: Anfang Dezember hat sich PETA schriftlich an den schleswig-holsteinischen Umwelt- und Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht gewandt. In ihrem Schreiben bat die Tierrechtsorganisation den Minister, am Kieler Hafen oder in der Innenstadt ein Denkmal für Heringe und Dorsche errichten zu lassen. Hintergrund der Bitte ist das Ergebnis aktueller wissenschaftlicher Untersuchungen: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des GEOMAR Helmholtz Zentrums für Ozeanforschung in Kiel haben im Frühjahr 2020 Untersuchungen zum Laicherfolg von Heringen und Dorschen durchgeführt. Das Ergebnis ist laut der Experten „erschreckend und alarmierend“.[1] Mitte Oktober veröffentlichten sie eine Meldung dazu: Kein Nachwuchs bei Dorsch und Hering mehr, den Fischbeständen in der westlichen Ostsee droht der Kollaps. Aus Sicht der GEOMAR-Wissenschaftler muss jetzt dringend gehandelt werden, um eine Katastrophe abzuwenden. Sie schlagen eine völlige Einstellung jeglicher Fischerei auf Dorsch und Hering vor. Die Wissenschaftler haben sich mit ihrer Forderung neben Umweltminister Jan Philipp Albrecht auch an die Bundesministerin für Landwirtschaft Julia Klöckner gewandt.

„Die ganze Welt spricht von Artenschutz und Überfischung, PETA spricht vom Fisch“, so Meeresbiologin Dr. Tanja Breining, Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA. „In der industriellen Fischerei, aber auch beim Angeln sterben Fische tagtäglich einen furchtbaren Tod. Meist ersticken sie langsam an Bord von Schiffen, oder sie sind noch bei Bewusstsein, wenn man sie aufschneidet und ihre Organe herausnimmt. Das Denkmal soll Konsumenten und Fischer ermutigen, die freundlichen Meeresbewohner von ihrem Teller zu streichen und auf vegane Alternativen umzusteigen. Es könnte folgende Inschrift tragen: ‚Zum Gedenken an viele tausend Heringe und Dorsche, die in der Ostsee qualvoll starben. Bitte streichen Sie Fische und andere Tiere von Ihrem Speiseplan.‘ Für die Fischer wünscht sich PETA eine staatlich finanzierte Umschulung.“

Hintergrundinformationen

In den vergangenen Jahren hat nicht nur PETA eine Fangquote null gefordert, auch der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) empfiehlt seit 2018 eine Einstellung der Heringsfischerei. Die Fangzahlen sind alarmierend – und das nicht nur in der Ostsee, sondern weltweit. So wurden zwischen 2007 und 2016 jedes Jahr zwischen 790 Milliarden und 2,3 Billionen Fische gefangen. Weitere 460 Milliarden bis 1,1 Billionen Fische wurden getötet, um Fischmehl und -öl herzustellen, und im Jahr 2017 wurden 51 bis 167 Milliarden Fische in Aquakulturen getötet. [2]. Hinzu kommen Millionen Meerestiere, die als unerwünschter „Beifang“ in den Netzen landen und sterbend oder tot wieder über Bord geworfen werden. Dabei zeigen internationale wissenschaftliche Studien und Gutachten, dass Fische Angst und Schmerzen spüren [3]. Fische sind auch intelligente und soziale Tiere: Einige Arten benutzen Werkzeuge, andere singen wie Vögel in der Morgendämmerung gemeinsam im Chor. Sie leben oft in komplexen Sozialverbänden, schließen teils enge Freundschaften und kooperieren bei der Jagd nicht nur mit Artgenossen, sondern auch mit anderen Fischen oder Kraken [4].

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

[1] GEOMAR Helmholtz Zentrums für Ozeanforschung: Kein Nachwuchs bei Dorsch und Hering. 14.10.2020. https://www.geomar.de/news/article/kein-nachwuchs-bei-dorsch-und-hering.

[2] Fishcount.org.uk.

[3] Stellungnahme des FLI zu den Veröffentlichungen von Rose et al. (2012) sowie Arlinghaus und Cyrus (2013) (Berichterstatter: Dr. Michael Marahrens, Dr. Inga Schwarzlose), 2013.

[4] Balcombe, Jonathan P. (2016): What a Fish Knows: The Inner Lives of Our Underwater Cousins. Print.

Weitere Informationen:

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