Schimpansen im Zoo am Meer in Bremerhaven an Husten erkrankt: PETA fordert Ende der Menschenaffenhaltung in Gefangenschaft

Bremerhaven / Stuttgart, 21. November 2019 – Freiheitsentzug macht krank: Im Zoo am Meer in Bremerhaven leiden derzeit zwei der sieben Schimpansen an Husten und müssen medikamentös behandelt werden. Infektionen werden vor allem durch eine schlechte Belüftung in den kleinen, bunkerähnlichen Innengehegen begünstigt oder durch den Kontakt zu Menschen ausgelöst. Aufgrund der unnatürlichen und meist mangelhaften Haltungsbedingungen in Zoo-Gefangenschaft kommt es bei Menschenaffen immer wieder zu plötzlichen Todesfällen, Verhaltensstörungen und anderen Krankheiten; auch Babys werden in Zoos oft von ihren Müttern verstoßen. Die Tierrechtsorganisation PETA kritisiert die Haltung von Menschenaffen in Gefangenschaft scharf und fordert die Zooverantwortlichen auf, die Haltung der sensiblen Tiere schnellstmöglich zu beenden.
 
„Menschenaffen können nicht tiergerecht in Gefangenschaft gehalten werden. Auch das Argument des Artenschutzes zählt nicht: Es ist nahezu unmöglich, im Zoo geborene Menschenaffen erfolgreich auszuwildern“, so Biologin Dr. Yvonne Würz, PETAs Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche. „Die klimatischen Bedingungen hierzulande sind nicht annähernd mit dem Klima in Savannen und Regenwaldgebieten, dem Lebensraum von Schimpansen, vergleichbar. Das dürfte einer der maßgeblichen Gründe sein, warum die Tiere in Zoos anfällig für Infektionen sind.“
 
Hintergrundinformationen
Der Zoo am Meer Bremerhaven steht exemplarisch für eine Vielzahl von Zoos und Tierparks, in denen Menschenaffen unter völlig unangemessenen Bedingungen leben müssen. In deutschen Zoos sind seit Anfang 2010 mindestens 21 junge Menschenaffen gestorben, davon acht Tiere an Atemwegsinfekten: 2017 starben im Zoo Frankfurt zwei junge Bonobos an den Folgen einer Lungen- und Mandelentzündung. Im April 2016 wurde ein Orang-Utan-Baby im Dortmunder Zoo eingeschläfert. Das Tier litt unter einem Atemwegsinfekt und inneren Verletzungen. Im Frankfurter Zoo starb im Januar 2016 Gorilla Vutu an einer Darm- und Lungenentzündung. Im Stuttgarter Zoo Wilhelma überlebten 2014 und Anfang 2015 zwei junge Bonobos Infektionskrankheiten nicht, deren Auslöser auf Mängel in der Lüftungsanlage zurückzuführen gewesen sein soll. Anfang 2011 erlag das ein Jahr alte Orang-Utan-Mädchen Masaja einer Erkrankung; 2010 starb Gorillababy Juma im Stuttgarter Zoo an einer Lungenentzündung.
 
Schimpansen sind die nächsten Verwandten des Menschen, das Erbgut beider Spezies gleicht sich zu etwa 98 Prozent. In freier Natur leben sie in Gruppen aus zeitweise mehreren Dutzend Tieren. Sie nutzen eine Fläche, die in Waldgebieten bis zu 50 Quadratkilometer umfasst und in Savannen sogar weitaus größer sein kann. „Während die letzten Lebensräume der Tiere in Afrika zerstört werden, weil finanzielle Mittel für ihren Schutz fehlen, fließen jedes Jahr Millionen Euro an Steuergeldern in die Haltung und Nachzucht von Schimpansen in Gefangenschaft“, kritisiert Würz.
 
Die Ansprüche von Schimpansen sind derart komplex, dass ihnen keine zoologische Einrichtung einen artgerechten Lebensraum bieten kann. Wissenschaftlichen Studien zufolge leiden Menschenaffen in Zoos häufig unter schweren Verhaltensstörungen – auch in vergleichsweise großen Zoogehegen, die für Laien akzeptabel aussehen. PETA fordert ein generelles Zucht- und Importverbot für Menschenaffen, um die Haltung der Tiere in Zoos und Tierparks auslaufen zu lassen.
 
PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Menschenaffen
PETA.de/Zooirrtuemer
 
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