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Tod des letzten weißen Tigers im Zoo Aschersleben – PETA kritisiert Qualzuchten und fordert Ende der Großkatzenhaltung

Aschersleben / Stuttgart, 23. September 2022 – Am Mittwoch gaben die Verantwortlichen des Zoo Aschersleben den Tod des 16-jährigen weißen Tigers Karim bekannt. Die Großkatze wurde wegen mehrerer fortschreitender Erkrankungen von einem Tierarzt getötet – zuletzt konnte das Tier wegen zu großer Schmerzen gar nicht mehr aufstehen. Anlässlich Karims Todes erinnert PETA daran, dass weiße Tiger keine eigene Art darstellen, sondern als sogenannte Qualzucht gelten. Diese ist für die Tiere mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden und wird deshalb von internationalen Zoodachverbänden strikt abgelehnt. Dennoch missbrauchte der Zoo Aschersleben auch Karim zu Zuchtzwecken. PETA appelliert an die Zooverantwortlichen, die Zucht von Großkatzen zukünftig gänzlich einzustellen. Die Tierrechtsorganisation fordert zudem ein sofortiges Zucht- und Vermarktungsverbot insbesondere für weiße Tiger in Zoos und Zirkussen.

„Der Ascherslebener Zoo ist dafür bekannt, immer neue Inzuchten zu ‚produzieren‘“, so Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin für Zoo und Zirkus bei PETA. „Ziel ist nicht der Schutz oder das Wohlergehen der Tiere, sondern hier steht der Profit an erster Stelle – die Tiere gelten aufgrund ihrer Fellfarbe als besondere ‚Attraktion‘. Spätestens mit dem Tod des letzten weißen Tigers müssen die Zooverantwortlichen die tierschutzwidrige Zucht von weißen Großkatzen endlich beenden.“

Der Ascherslebener Zoo stellte zahlreiche weiße Großkatzen zur Schau und betrieb aktiv die Nachzucht von weißen Tigern. Zuletzt wurden 2014 dort drei weiße Tigerbabys geboren.

Inzucht führt zu massiven Gesundheitsproblemen und Totgeburten
Weiße Tiger oder Löwen sind keine eigenständigen Tierarten. Die rein weiße Fellfarbe kommt in der Natur sehr selten vor und wird rezessiv vererbt. Das bedeutet, dass zum Erhalt weißer Nachkommen die Erbinformation für die entsprechende Färbung sowohl vom Vater als auch von der Mutter weitergegeben werden muss. Die Zucht weißer Großkatzen in Gefangenschaft wird auf die gezielte Verpaarung von nur wenigen, teils verwandten wild gefangenen Tieren zurückgeführt. Als Resultat der extremen Inzucht weisen die Nachkommen häufig schwere genetische Defekte auf. Diese können beispielsweise Gaumenspalten, neurologische Störungen, deformierte Füße und Hüftgelenkfehlstellungen zur Folge haben. Nach Angaben des pfälzischen Zoos Landau in Rheinland-Pfalz müssen 30 bis 60 ingezüchtete weiße Tiger geboren werden, um ein „vorzeigbares“ Individuum zu erhalten. Der Großteil behinderter oder vermindert lebensfähiger Tiere wird in der Regel getötet. Daher verurteilen auch die Zoodachverbände in Europa (EAZA) [1], den USA (AZA) [2] und Australasien (ZAAA) [3] die Nachzucht weißer Großkatzen. Weiße Tiger oder Löwen werden aus finanziellen Motiven gezüchtet. Sie werden als vermeintliche „Attraktionen“ präsentiert oder für bis zu 50.000 Euro an private „Tierliebhaberinnen“ und „Tierliebhaber“ verkauft.

Artgerechte Großkatzenhaltung in Zoos ist unmöglich
Mit Artenschutz haben Zuchtprogramme in Zoos nach PETAs Ansicht nichts zu tun. In den Einrichtungen geborene Großkatzen können nicht wieder ausgewildert werden – in Gefangenschaft haben die Tiere nahezu keine Möglichkeit, Verhaltensweisen, die für ein Überleben in der Natur unverzichtbar sind, zu erlernen. In freier Wildbahn bewohnen Tiger und Löwen ein Revier von circa 300 Quadratkilometern. Im Zoo gefangene Tiere sind hingegen zu einem reizarmen Leben auf wenigen Quadratmetern verdammt. Artwidrige Haltungsbedingungen und schwere Verhaltensstörungen sind in zoologischen Einrichtungen eher die Regel als die Ausnahme.

Während meist Millionen in Zuchtprogramme und kostenintensive Bauprojekte der Zoos fließen, sind die Spenden an Organisationen, die in den natürlichen Lebensräumen bedrohter Tierarten echten Artenschutz betreiben, verschwindend gering. PETA fordert, dass Gelder künftig direkt in Artenschutzprojekte in den Herkunftsländern bedrohter Tierarten investiert werden, um ihr Überleben dort zu sichern.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden.

[1] European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) (26.04.2013): EAZA Position on Intentional Breeding for the Expression of Rare Recessive Alleles, online abrufbar unter: http://www.eaza.net/assets/Uploads/Position-statements/PositionStatementRareRecessiveAlleles.pdf. (23.09.2022).
[2] Association of Zoos & Aquariums (AZA) (Juni 2011): Welfare and Conservation Implications of Intentional Breeding for the Expression of Rare Recessive Alleles, online abrufbar unter: https://www.aza.org/assets/2332/aza_white_paper_inbreeding_for_rare_alleles_18_jan_2012.pdf. (23.09.2022).
[3] Zoo and Aquarium Association Australasia (ZAA), Position Statement: Standing of White (Leucistic and Albinistic) Lions and Tigers in the Association’s Species Management Programs

Weitere Informationen:
PETA.de/Themen/Weisse-Tiger-Loewen/
PETA.de/Themen/Zoo

Pressekontakt:
Julia Zhorzel, +49 711 860591-536, [email protected]