Vermehrt Wildunfälle im Herbst: PETA-Expertin gibt Tipps zur Vorbeugung und für das Verhalten im Ernstfall

Stuttgart, 14. Oktober 2021 – Hunderttausende Tiere wie Rehe, Wildschweine, Rothirsche, Füchse, Igel und Hasen sterben jedes Jahr bei Wildunfällen auf Deutschlands Straßen – im Herbst steigen die Zahlen. Landwirtschaftlich genutzte Felder werden immer früher und schneller abgemäht, die Wildtiere stehen plötzlich ohne Schutz und Nahrung da und müssen nach neuen Futtergebieten für die kalte Jahreszeit suchen. Auch die im Herbst vermehrt stattfindenden Treib- und Drückjagden können zu Wildunfällen führen, wenn zu Tode erschreckte oder angeschossene Tiere in Panik flüchten. Und nicht nur für Wildtiere können Unfälle tödlich enden, laut dem Statistischen Bundesamt kamen 2020 über 2500 Menschen bei Wildunfällen zu Schaden, 20 Fahrzeuginsassen starben. Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA, hat einige Tipps zusammengestellt, wie Menschen Wildunfälle vorbeugen und im Ernstfall reagieren können.

„Der Herbst ist für Wildtiere wie Rehe und Wildschweine eine besonders gefährliche Jahreszeit – in Gebieten mit viel landwirtschaftlicher Nutzfläche verlieren sie durch die Mahd ihren bisherigen Lebensraum, außerdem werden viele Tiere für Drück- und Treibjagden zum Abschuss freigegeben“, so Nadja Michler. „Bei Autofahrten ist deshalb besondere Vorsicht geboten. Wer einige Tipps beachtet, kann Unfällen vorbeugen und im Ernstfall schnell reagieren.“

PETA gibt Tipps:

–          Die meisten Wildunfälle ereignen sich in den Abend- oder frühen Morgenstunden in Waldabschnitten und an Feldrändern. Dort muss besonders aufgepasst werden.

–          Insbesondere im Herbst (und Frühjahr – auch dann steigt die Zahl der Wildunfälle wieder) sollten Menschen achtsam fahren und sich bewusst sein, dass jederzeit ein Wildtier auf die Fahrbahn laufen kann. Ab 100 km/h ist ein Zusammenstoß unausweichlich, bereits ab 80 km/h ist der Bremsweg gefährlich lang.

–          Wildtiere sind selten alleine unterwegs. Autofahrende müssen sich darauf einstellen, dass jederzeit weitere Tiere auf die Fahrbahn laufen können.

–          Wer ein Wildtier am Straßenrand entdeckt, sollte die Geschwindigkeit drosseln oder, wenn es der Verkehr zulässt, sogar abbremsen, das Fernlicht ausschalten, um das Tier nicht zu blenden und gegebenenfalls hupen, damit das Tier die Fahrbahn verlässt.

–          Sollte es trotzdem zu einem Wildunfall gekommen sein, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und die Unfallstelle abzusichern: Das Fahrzeug möglichst am Fahrbahnrand abstellen, die Warnblinkanlage einschalten und eine Warnweste anziehen – auch wenn das Wildtier geflüchtet ist.

–          Wurde ein großes Wildtier verletzt, etwa ein Reh oder Wildschwein, sollte es nicht angefasst werden, da die Tiere sehr wehrhaft sein können. Auch hier Ruhe bewahren, Panik hilft den Tieren nicht.

–          War ein Zusammenstoß tödlich, muss das Tier (wegen eventueller Parasiten oder Krankheiten) mit geschützten Händen an den Straßenrand gezogen werden, damit Weitere Unfälle verhindert werden.

–          Unfälle mit kleinen Tieren wie Fröschen, Eichhörnchen, Igeln oder kleinen Vögeln müssen nicht gemeldet werden. Bei Rehen, Wildschweinen, Füchsen und Tieren ähnlicher Größe gilt hingegen die Meldepflicht – Autofahrende müssen die Polizei verständigen. Die Behörde stellt dann eine sogenannte Wildunfallbescheinigung aus.

–          Achtung: Tote Wildtiere dürfen nicht vom Unfallort entfernt werden, sonst droht eine Strafe wegen Wilderei.

Mehr als eine Million Wildtiere sterben jährlich bei Wildunfällen. [1] Am häufigsten betroffen sind Rehe mit 49 Prozent. Unfälle mit kleineren Säugetieren wie Mardern, Igeln und Eichhörnchen liegen mit 12 Prozent auf dem zweiten Platz.

Inmitten von Kulturlandschaften, Straßen und eng bebauten Siedlungsbereichen wird der Lebensraum für Wildtiere immer knapper. Dort, wo einst Rast- und Futtergebiete waren, gibt es heute kaum noch Platz. Insbesondere die auf Profitmaximierung ausgerichtete industrielle Land- und Forstwirtschaft sorgt für einen Lebensraumschwund der Wildtiere. Tierarten, die versuchen, in Koexistenz mit dem Menschen zu überleben, werden vertrieben, gejagt oder zu sogenannten Schädlingen degradiert. 2017 hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Berlin das „Bundeskonzept Grüne Infrastruktur“ vorgestellt. [2] Wildtiere brauchen dringend mehr unberührten Lebensraum – in Form von jagdfreien Naturschutzgebieten und Nationalparks – und Querungshilfen (Grünbrücken), damit ihre Lebensräume besser vernetzt sind.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein: eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

[1] Deutscher Jagdverband: „Die meisten Wildunfälle passieren im April“. Online abrufbar unter: https://www.jagdverband.de/die-meisten-wildunfaelle-passieren-im-april (14.10.2021)

[2] Bundesamt für Naturschutz: „Bundeskonzept Grüne Infrastruktur“. Online abrufbar unter: https://www.bfn.de/themen/planung/bundeskonzept-gruene-infrastruktur.html.(14.10.2021)

Weitere Informationen:

PETA.de/Themen/Wildunfaelle/

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