Verstecktes Tierleid in Düngemitteln, Arbeitskleidung und Gartenmöbeln: PETA-Expertin gibt Tipps für ein wirklich tierfreundliches Gartenvergnügen

Stuttgart, 4. Mai 2021 – In vielen Bereichen des täglichen Lebens versteckt sich mehr oder weniger offensichtliches Tierleid. Auch der heimische Garten ist keine Ausnahme – denn Düngemittel, Arbeitskleidung und Gartenmöbel sind oft mit tierischen Inhaltsstoffen hergestellt. Chemische Spritzmittel oder Gifte töten darüber hinaus nicht nur Insekten, sie sind potentiell auch für Wildtiere oder Hunde und Katzen gefährlich. Johanna Fuoß, Expertin für veganen Lifestyle bei PETA, gibt Tipps für einen tierfreundlichen Garten.

„Kaum ein Hobbygärtner ahnt, wie viel Leid in einer einzigen Packung Dünger versteckt sein kann oder wie leicht sich Schnecken auch ohne Gift aus dem Gemüsebeet fernhalten lassen“, so Johanna Fuoß. „Werden ein paar einfache Dinge beachtet, wird der Garten zum idealen Lebensraum für alle Lebewesen.“

Düngemittel: In handelsüblichen Düngemitteln verstecken sich oftmals Zutaten wie Blut, Knochenmehl und der Kot kranker Tiere, inklusive Rückständen von Antibiotika und multiresistenten Darmkeimen. Alles getarnt unter wenig aussagekräftigen Namen wie „natürliche Inhaltsstoffe“ oder „NPK-Dünger“. Rein pflanzlicher Dünger ist appetitlicher, in gut sortierten Baumärkten, Bioläden und im Internet erhältlich und klar als „vegan“ gekennzeichnet. Statt toter Tiere und Fäkalien wird mit Mikroorganismen und Pflanzenabfällen wie Ackerbohnenschrot oder Klee gedüngt. Dünger wie Hornspäne werden hingegen aus den Hörnern und Hufen gewaltsam getöteter Rinder hergestellt. Da für die Aufzucht und Futtermittel der Tiere häufig Regenwälder abgeholzt werden, wird so auch noch der Klimawandel vorangetrieben.


Kampf dem Unkraut: Chemische Spritzmittel sind in einem tierfreundlichen Garten tabu. Sie werden mit dem rasanten Insektensterben in Verbindung gebracht und können beispielsweise auch bei Hunden und Katzen zu Vergiftungserscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen und Krämpfen führen. Klassisches Jäten, das Ausbringen von Rindenmulch beziehungsweise Stroh oder ein wollfreies, wiederverwendbares Unkrautvlies sind tierfreundlicher. Viele als Unkraut eingestufte Pflanzen dienen Insekten zudem als wichtige Nahrungsquelle und Lebensraum. Statt radikal zu jäten, sollte ein Rückzugsort mit vielen Wildpflanzen für Tiere in der Gartengestaltung eingeplant werden.

Pflegearbeiten im Garten: Da sich Insekten in Hecken und verblühten Stauden verstecken, um dort zu überwintern, sollten z. B. alte Pflanzenstängel den Winter über stehengelassen und erst im Frühjahr entfernen werden. Um Wildtiere während der Brutzeit zu schützen, ist ein Rückschnitt von Hecken zwischen März und September laut Bundesnaturschutzgesetz verboten. Kleinere Form- und Pflegeschnitte sind in dieser Zeit zwar erlaubt, doch Gartenbesitzer sollten sich vor jeder Arbeit vergewissern, dass sie Rotkehlchen, Zaunkönige oder Finken nicht beim Nisten stören. Auch in Totholz, Laub- und Reisighaufen können sich Tiere wie Igel oder Eidechsen befinden. Mähroboter sollten in der Gartenpflege gar nicht eingesetzt werden, da trotz der Sicherheitsmaßnahmen der Hersteller zahlreiche Kleintiere wie Igel getötet werden.


Tierfreundliche Vergrämung: Ein von Schnecken zerfressener Salat oder von Mäusen angeknabberte Wurzeln freuen keinen Hobbygärtner. Schneckenkorn und Nagergifte sind aber keine Lösung. Vergiftet zu werden, ist ein grausamer Tod und auch andere Wildtiere sowie Hunde und Katzen können mit den Stoffen in Berührung kommen und sterben. Schnecken lassen sich durch den Anbau abschreckender Pflanzen wie Bohnenkraut und Kamille und rund um die Beete ausgestreutes Sägemehl oder Kalk in Schach halten. Ein Hochbeet und Schneckenzäune sind besonders wirksame Methoden. Zudem lassen sich nachts Holzbretter im Beet auslegen. Bei Tageslicht verkriechen sich die Schnecken darunter und lassen sich kinderleicht einsammeln und umsiedeln. Gegen Mäuse können Pflanzenkörbe aus Maschendraht helfen.

Lederfreie Arbeitskleidung: Bevor Gärtner in der Erde wühlen, sollten sie sich Handschuhe zulegen. Statt Leder bietet sich Kunstleder oder Mikrofaser an. Auch im Öko-Test haben lederfreie Handschuhe 2017 besser abgeschnitten, da Echtlederprodukte oftmals das krebserregende Chrom-VI enthalten. Bei gröberen Arbeiten mit Motorsäge oder Axt sind Sicherheitsschuhe von Vorteil. Auch hier gibt es viele Modelle, die statt Leder aus robustem Cordura und atmungsaktiven Mikrofaserstoffen bestehen. Beim Kauf von Arbeitshosen sollten Tierfreunde Lederapplikationen, beispielsweise an den Kniepartien, meiden.

Vegane Gartenmöbel: Damit Gartenmöbel der Witterung standhalten, werden sie lackiert oder mit Wachsen und Ölen behandelt. Beim Kauf der Möbel und passender Pflegeartikel sollten Tierfreunde auf Produkte ohne Bienenwachs und Schellack zurückgreifen. Baumharze und Pflanzenöle sind eine tierfreie und ökologische Alternative – eine Anfrage beim Hersteller bringt Klarheit. Damit es auch gemütlich ist, eignen sich zudem Polsterauflagen ohne Wolle.

Durch die Landwirtschaft, die Jagdund die Erschließung von Wohnraum werden Wildtiere immer weiter verdrängt. Gärten gewinnen daher als Zufluchtsort noch mehr an Wichtigkeit. Präventive Maßnahmen und eine Artenvielfalt fördernde Gestaltung tragen dazu bei, dass sich die Gartenbewohner ganz einfach gegenseitig in Schach halten – so lässt sich Ärger für den Hobbygärtner und vor allem viel Tierleid vermeiden.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen oder sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

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