Queere Tiere: Homosexualität gibt es auch in der Tierwelt

Vor über 2.300 Jahren schon berichtete Aristoteles von schwulen Hyänen (eigentlich waren sie lesbisch, wie sich herausstellte). Doch lange Jahre galt auch mit Blick auf die Tierwelt Homo- und Bisexualität als etwas, das lieber totgeschwiegen oder geleugnet wurde. Gleichgeschlechtlicher Sex wurde als Dominanz- oder Kampfverhalten gedeutet, weil die Wissenschaft nicht wahrhaben wollte, dass Tiere lieben können und Spaß am Sex haben – selbst, wenn daraus kein Nachwuchs entsteht.

Sind viele Tiere homosexuell?

Doch in den vergangenen Jahrzehnten wurde immer mehr über gleichgeschlechtliche Liebes- und Sexbeziehungen unter Tieren bekannt. Bei fast 1.000 Spezies konnte entsprechendes Verhalten beobachtet werden. Umfangreicher dokumentiert wurde es immerhin bei rund der Hälfte dieser Anzahl. Und nochmal zurück zum Nachwuchs: Es sind sogar Fälle bekannt, in denen gleichgeschlechtliche Tierpaare gemeinsam Junge aufzogen. Dafür bedienten sie sich z. B. an den Eiern anderer Paare, adoptierten verstoßene Junge oder griffen sogar auf die Möglichkeit der Samenspende zurück.

„Männerfreundschaften“ bei Löwen und lesbische Albatrosfamilien

Von Insekten über Elefanten und Giraffen bis hin zu Delfinen und Pinguinen – gleichgeschlechtliche Liebe findet sich überall im Tierreich. Bei einigen Arten kommt sie jedoch häufiger vor als bei anderen. So ist etwa bei japanischen Makaken lesbisches Sexualverhalten sehr regelmäßig zu beobachten. Fast schon berühmt für ihre Neigung zum gleichen Geschlecht sind Pinguin- und Delfinarten. Bei Giraffen sind 90 % des beobachteten Sexualkontakts homosexuell – männliche Giraffen reiben dabei zum Beispiel ihre Hälse aneinander. Und auch Beziehungen unter männlichen Löwen können oft besonders innig werden. Beim amerikanischen Bison paaren sich Weibchen und Männchen nur einmal im Jahr – im Rest der Zeit haben die männlichen Tiere regelmäßig Sex mit anderen Männern. Beim Laysanalbatros sind 30 % der Paare auf einer hawaiianischen Brutinsel lesbisch. Sie bleiben meist ein Leben lang zusammen. Ihre Eier lassen sie von Männchen befruchten, doch dann sorgen die Frauen gemeinsam für das Ei und später das Jungtier.

Liebeskummer im Zoo

Zwar ist unter Tieren keine Homophobie bekannt; doch oftmals sorgen Menschen dafür, dass homosexuelle Tierpaare ihre Liebe nicht leben können: In mehreren Fällen wurden gleichgeschlechtliche Liebespaare in Zoos getrennt. Zwangsweise mit weiblichen Tieren eingesperrt, wollte man so für den gewünschten Nachwuchs sorgen. Das beweist erneut, dass es Zoos nicht um die Tiere selbst geht, sondern nur um den Profit, den sie aus ihnen schlagen können.

Was Sie tun können

Wie unterschiedlich Tiere lieben, zeigt auch, dass sie ganz individuelle Charaktere sind. Und als genau das sollten wir Tiere betrachten: als Individuen, nicht als Ware, wie es in der Nahrungsmittelindustrie, in der Unterhaltungsbranche, in der Forschung oder in der Bekleidungsindustrie leider noch immer gang und gäbe ist.

Unsere Autoren

Nadja Winter

ist Politikwissenschaftlerin, Brotliebhaberin und Hundehaareinsammlerin.