„Rennpferde“ in Südkorea vergewaltigt, geschlagen und getötet

Update Mai 2019

Nach der Veröffentlichung von PETA USA ermittelt nun die Polizei in Jeju Seobu über mutmaßliche Verstöße gegen das dortige Tierschutzgesetz. Das koreanische Ministerium für Land- und Forstwirtschaft und ländliche Angelegenheiten (MAFRA) und die Korea Racing Authority (KRA) haben außerdem angekündigt, der Aufforderung von PETA USA zu folgen und einen ´Ruhestandsplan´ für Pferde, die in der Rennindustrie eingesetzt wurden, zu erarbeiten.

Originalartikel:

Pferderennen sind ein Riesengeschäft – gerade auch in den USA und in Südkorea. Deshalb ermittelte PETA USA in dieser Tierqualindustrie und fand heraus: Unzählige ehemalige „Rennpferde“ werden in Südkorea auf grausamste Weise getötet, wenn sie nicht mehr „von Nutzen“ sind.

Woher stammen die Pferde?

Über 8 Milliarden US-Dollar verwetten Koreanerinnen und Koreaner jedes Jahr auf Pferderennen. Damit die Industrie stets mit neuen Pferden versorgt wird (auch zur Zucht), werden viele Tiere aus Amerika importiert. Doch einige sind keine schnellen Läufer oder ihre Leistung lässt mit der Zeit nach. Ein offizieller Vertreter der koreanischen Rennindustrie gab an, 1.600 Pferde würden jedes Jahr aus der Rennindustrie aussortiert, weil sie nicht mehr die gewünschte Leistung erbringen. Doch nur ca. 3 % von ihnen eignen sich zu diesem Zeitpunkt noch für andere Einsatzbereiche.

Was passiert mit dem Rest?

Pferdefleisch findet sich in zahlreichen südkoreanischen Supermärkten, und auch das Fett der Pferde wird verwendet, um Beauty-Produkte herzustellen. Ermittler von PETA USA sind der Frage nachgegangen, was zwischen der Rennbahn und dem Fleisch im Supermarkt geschieht.

Augenzeugen dokumentierten schreckliche Szenen im größten südkoreanischen Pferdeschlachthof. Arbeiter schlugen mit Stöcken auf die Pferde ein, damit sie aus den Transportern kamen. Die Tiere drängten sich panisch zusammen und wurden sogar ins Gesicht geschlagen.

Pferde Schlachthaus Suedkorea
3 Männer schlugen diese panischen Stuten abwechselnd fast 3 Minuten lang.
Im Inneren des Schlachthofs wurden die Pferde in eine Tötungsvorrichtung getrieben, die eigentlich für Kühe gedacht ist. Doch zwischen diesen Tierarten bestehen große anatomische Unterschiede. Außerdem sind Pferde tendenziell nervöser und bewegen sich stärker hin und her, wenn das Bolzenschussgerät an ihren Kopf angelegt wird. So ist ein akkurater Schuss kaum möglich. Dazu kommt, dass viele Pferde zu zweit hereingebracht wurden und das erste Tier vor den Augen seines Artgenossen erschossen und aufgehängt wurde. Dies verstößt gegen das koreanische Tierschutzgesetz. PETA USA und eine koreanische Tierschutzorganisation haben deshalb – auch im Fall der Schläge – Strafanzeige gestellt.

Von der Rennbahn zum Schlachthof

Einige der Tiere, die zum Schlachthof gebracht wurden, schienen geradewegs von der Rennbahn zu kommen. So etwa ein Pferd namens Cape Magic: Montagmorgen kam er mit einer großen Bandage am Bein im Schlachthof an; Unterlagen zeigten, dass er noch am Freitag ein Rennen in Busan gelaufen war. Die Ermittler konnten auch andere ehemalige Rennpferde sowie den Nachwuchs von Rennpferden identifizieren, so z. B. den Sohn der amerikanischen Rennlegende Medaglia d'Oro. Vier Mal „durfte“ er rennen. Seine beiden Halbschwestern gewannen 3,5 Millionen bzw. 4,69 Millionen Dollar – er selbst brachte der Industrie am Ende nur den Preis seines Fleisches ein.

Pferd Transport Schlachthaus Suedkorea
Cape Magic: Freitag auf der Rennbahn, Montag schon im Schlachthof.

Grauenvolle Lebensbedingungen

Einige der Pferde im Schlachthaus waren in einem so ungepflegten Zustand, dass sich PETA USA auch eine Farm ansah. Die Betreiber besitzen ein Pferdefleisch-Restaurant. Duzende dreckige, verwahrloste, teils kranke Pferde standen dort in verschmutzen, kleinen Gehegen und Ställen.

Vernachlässigte Pferde auf einer Pferdefleischfarm
Vernachlässigte Pferde auf einer Pferdefleischfarm.
Damit der Industrie ständig „Nachschub“ zur Verfügung steht, werden auf speziellen Farmen massiv Pferde gezüchtet. Die „Zuchthengste“ müssen in der Zuchtsaison mehrmals pro Tag Stuten „decken“. Diese Stuten werden dafür gewaschen, ihr Schweif wird eingewickelt und ein Gleitmittel aufgetragen. Dann wird eine Nasenbremse angelegt – eine Seilschlaufe, mit der die Oberlippe zusammengequetscht wird, damit sich die Stute nicht bewegt. Auch Pferde mit verletzten Füßen, Augenverletzungen und anderen Beschwerden mussten diese Prozeduren über sich ergehen lassen.
 
Die Stute wird während des „Deckvorgangs“ mit einer Nasenbremse festgehalten.
Die Stute wird während des „Deckvorgangs“ mit einer Nasenbremse festgehalten.

Was Sie tun können

PETA USA hat eine Petition an die zuständige Behörde in Südkorea gestartet. Diese soll einen umfangreichen Plan zum Umgang mit ehemaligen „Rennpferden“ ausarbeiten und die Zusammenarbeit mit der Fleischindustrie einstellen. Unterschreiben Sie bitte diese Petition.


Auch in Deutschland und anderen Ländern finden Pferderennen statt, in denen Tiere wie Maschinen funktionieren müssen. Erfüllen sie ihren „Nutzen“ nicht mehr, landen sie im Schlachthof. Viele verletzen sich auch während der Rennen so stark, dass sie vor Ort eingeschläfert werden müssen.

Unsere Autoren

Nadja Winter

ist Politikwissenschaftlerin, Brotliebhaberin und Hundehaareinsammlerin.