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Schildkröten-Haltung: Wasser- und Landschildkröten richtig halten

Wassserschildkroete

Sie möchten mehr über die Haltung von Schildkröten wissen? In diesem Beitrag finden Sie alle wichtigen Grundinformationen zur Haltung von Wasser- und Landschildkröten sowie Wissenswertes zu Terrarien und zur Ernährung, Überwinterung und Adoption von Schildkröten.

Schildkröten sind exotische Wildtiere, die ausschließlich in ihren natürlichen Lebensraum gehören. Daher sollten diese Tiere niemals in Zoohandlungen, auf Börsen oder im Internet gekauft, sondern grundsätzlich nur von einem Tierheim oder aus einer Auffangstation adoptiert werden.

Vor der Aufnahme einer Schildkröte

Schildkröten sind überaus anspruchsvolle und sensible tierische Mitbewohner, deren Anschaffung gut überlegt sein sollte. Leider stirbt ein Großteil der Tiere in Privathand frühzeitig an den Folgen einer falschen Haltung oder nicht artgerechten Ernährung. Auch werden jedes Jahr viele tausend dieser Tiere ausgesetzt und landen in Tierheimen. Das liegt oft daran, dass Zoohandlungen und andere Händler interessierten Käufern suggerieren, die Haltung von Schildkröten sei einfach, oder ihnen sogar eine komplett falsche Haltung vorschlagen. Auch ist vielen Menschen nicht bekannt, dass Schildkröten in 90 Prozent der Fälle Salmonellenerreger übertragen und sich somit nicht als tierische Mitbewohner für Kinder, ältere und immungeschwächte Menschen eignen.

Vor der Aufnahme sollten Sie sich bewusst machen, welcher Schildkrötenart Sie ein Zuhause geben möchten und ob das Tier noch wächst. Da Schildkröten weit über 70 Jahre alt werden können, denken Sie daran, dass Sie das Tier für sein ganzes Leben aufnehmen und versorgen müssen. Bitte informieren Sie sich vor der Aufnahme einer Schildkröte durch entsprechende Fachliteratur zusätzlich über die genauen Haltungsanforderungen der jeweiligen Schildkrötenart.

Haltung Landschildkröte: Terrarium oder Freigehege?

Landschildkröten sollten niemals in einem Terrarium gehalten werden. Für die meisten Schildkrötenarten ist die Haltung in einem Freigehege mit einem wärmeisolierten, beheizten Frühbeet am besten geeignet, denn sie benötigen die kälteren Temperaturen in der Nacht sowie den jahreszeitlichen Rhythmus, um sich auf die Winterstarre vorzubereiten. Eine Wechselhaltung zwischen Freigehege und Terrarium ist nicht möglich, da die Tiere überaus stressempfindlich sind und der ständige Umgebungswechsel sie krank machen kann. Schildkröten sollten daher dauerhaft im selben Gehege gehalten werden.

Das Außengehege sollte unbedingt eingezäunt sein, damit die Tiere jederzeit geschützt sind. Außerdem sollte es durch Hügel, Kletter- und Versteckmöglichkeiten sowie Sonnen- und Schattenplätze strukturiert sein und so den natürlichen Lebensraum der Schildkröten nachbilden. Das Gehege ist täglich von Kot- und Futterresten zu reinigen.

Feuchtigkeit und Wärme

Es ist wichtig, das Gehege immer feucht zu halten, da Schildkröten keine Trockenheit vertragen und sich dadurch Höcker auf ihren Panzern bilden können. Wählen Sie für den Boden ein Substrat, das nicht zu schnell austrocknet, und besprühen Sie den Boden täglich frisch mit Wasser. Besonders der Schlafbereich und die Versteckmöglichkeiten, wie beispielsweise Moos, müssen stets feucht – nicht nass – sein. Stellen Sie den Schildkröten Wasser in Trink- und Badeschalen zur Verfügung und wechseln Sie dieses täglich. Die Schalen sollten im Frühbeet und Freigehege stehen, sodass die Tiere jederzeit baden und trinken können.

Als Reptilien, zu denen Schildkröten gehören, benötigen die Tiere verschiedene Temperaturzonen. Im Außengehege spielt die Temperatur in der Schildkrötenhaltung keine Rolle, da die Tiere bei Temperaturen unter 12 Grad keinen Freigang haben, sondern sich im Frühbeet aufhalten oder sich in der Winterstarre befinden. Die Temperatur im Frühbeet sollte tagsüber mindestens 20 Grad und nachts nicht weniger als 14 Grad betragen. Im Sommer ist das Frühbeet durchgängig geöffnet, sodass die Temperaturen vom natürlichen Klima bestimmt werden. Im Frühbeet sollten sich eine Wärme- und UV-Lampe befinden, die an allen anderen Tagen für ausreichend Beleuchtung und Wärme sorgen. Bitte verwenden Sie niemals Heizmatten oder -steine, die in Zoogeschäften angeboten werden – diese können zu Missbildungen des unteren Panzers führen.

Haltung Wasserschildkröte

Da Wasserschildkröten keine Fische sind, dürfen sie nur in einem Aquaterrarium oder einem Aquarium mit Landteil gehalten werden. Auch wenn sie das Wasser brauchen, benötigen sie ebenfalls Landplätze, an denen sie sich sonnen und ausruhen können.

Das Aquaterrarium sollte prinzipiell groß gestaltet werden. Die Wassertiefe muss mindestens die doppelte Panzerlänge des Reptils betragen. Selbstverständlich muss der Wasserbereich mit einem Sprudler und Wasserfilter ausgestattet werden, sodass die Wasserqualität sichergestellt wird.

Gestalten Sie das Aquaterrarium abwechslungsreich mit schwimmenden Inseln, Steinen, Holzstücken und ungiftigen Pflanzen. Der Landbereich sollte mit einer Wärme- und UV-Lampe ausgestattet sein. Die Temperatur sollte mindestens 30 Grad betragen, für einige Schildkröten-Arten gerne auch 45 Grad. In einem entsprechenden Buddelbereich mit lockerer Erde können weibliche Tiere ihre Eier ablegen – denn ähnlich wie bei Hühnern legen weibliche Schildkröten auch bei Einzelhaltung Eier. Der Eiablageplatz sollte sich nicht zu dicht am Wasser befinden, da die Tiere sonst Angst haben, dass die Eier überschwemmt werden könnten. Da Schildkröten die Eier in diesem Fall nicht ablegen, besteht Todesgefahr für die sensiblen Exoten.

Die Schildkröte sollte auf keinen Fall aus dem Becken klettern können. Mit einer entsprechenden Abdeckung können die Tiere geschützt, die Feuchtigkeit im Becken gehalten und gleichzeitig die Frischluftzufuhr sichergestellt werden.

Gruppen- oder Einzelhaltung

Ob Schildkröten alleine oder in Gruppen gehalten werden sollten, hängt von der Schildkrötenart ab. So sind Wasserschildkröten tendenziell eher Einzelgänger. Grundsätzlich kann man sagen, dass unterschiedliche Arten auf keinen Fall zusammen gehalten werden sollten, da die Tiere nicht nur verschiedene Haltungsansprüche und Aktivitätszeiten haben, sondern auch unterschiedliches Verhalten zeigen. Auch sollten Jungtiere niemals mit erwachsenen Tieren gehalten werden.

Wer mehreren Schildkröten ein Zuhause schenken möchte, sollte auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis achten. Ein männliches Tier sollte mit mindestens drei bis vier weiblichen Tieren zusammenleben, da es die weiblichen Tiere sonst zu stark bedrängen könnte. Die Haltung von ausschließlich männlichen Schildkröten ist nicht ratsam.

Sollten Sie mehrere Schildkröten halten, benötigen die Tiere unbedingt ausreichend Platz, da es sonst zu Revierkämpfen kommen kann. Jedes Tier braucht seine eigenen Schlaf- und Versteckmöglichkeiten.

Ernährung

Die richtige Ernährung ist maßgeblich für die Gesundheit der Schildkröten. Leider gehört dies zu den häufigsten Fehlern, die in der Haltung der Reptilien gemacht werden. So werden Schildkröten oft mit Küchenabfällen, Gemüse und Obst, Brötchen oder Katzen- oder Hundenahrung ernährt, was zu Organschäden und sogar zum Tod führen kann.

Schildkröten benötigen frische und abwechslungsreiche Nahrung. Da Landschildkröten von Natur aus Vegetarier sind, die in freier Wildbahn nur selten eine Schnecke oder Insekten essen, sollten sie pflanzlich ernährt werden. Dabei sind Vitamine und Mineralstoffe sehr wichtig. Für manche Landschildkröten bietet beispielsweise eine Naturwiese mit Wildkräutern wie Klee, Huflattich oder Spitzwegerich die beste Nahrung. Zusätzlich kann Schildkröten etwas unbehandeltes Gemüse angeboten werden, beispielsweise selbst angebauter Salat. Bei Obst sollte man wegen des Fruchtzuckers eher vorsichtig sein. Mit separat angebotenem Kalkpulver ist die Kalziumzufuhr sicherzustellen.

Schildkroete isst Tomaten

Überwinterung

Viele Schildkrötenarten verfallen zur Überwinterung einige Monate in eine Winterstarre, bei der ihr Stoffwechsel zum Erliegen kommt und sie kaum Energie verbrauchen. Sie benötigen in dieser Zeit keine Nahrung oder Wasser. Die Winterruhe kündigt sich an, indem die Schildkröte nichts mehr isst, sich ein ruhiges Plätzchen sucht und auskühlt. Bis der Darm leer ist, scheidet sie weiterhin Kot aus, ca. vier Wochen lang. Anschließend gräbt sich die Schildkröte ein.

Während der Überwinterung sollten die meisten Schildkrötenarten bei ca. 4 bis 6 Grad gehalten werden, etwa in einem separaten Kühlschrank. Das Tier sollte in etwas feuchte Gartenerde mit einer Schicht Laub oder Moos gelegt werden. Die Umgebungstemperatur sollte 8 Grad niemals übersteigen, da der Stoffwechsel des Tieres sonst angeregt wird. Außerdem sollte der Zustand der Schildkröte täglich überprüft werden.

Adoptieren, nicht kaufen!

Wenn Sie sich dazu entschlossen haben, einer oder mehreren Schildkröten ein Zuhause zu geben, besuchen Sie bitte ein Tierheim oder eine Reptilien-Auffangstation. Dort warten unzählige Tiere darauf, ein liebevolles Zuhause zu finden.  

Der Kauf eines Tieres bei einem Züchter, auf einer Reptilienbörse, in einer Zoohandlung oder im Internet würde den skrupellosen Handel mit der Ware Tier unterstützen. Beim Reptilienhandel wird in Kauf genommen, dass zahlreiche Tiere durch Transporte, Krankheiten und nicht artgerechte Haltung sterben.