Was Ihr Schnitzel mit dem Klimawandel und dem Tod von Menschen zu tun hat

Bilder von abgemagerten Eisbären, schmelzenden Eisplatten, Dürre oder vom brennenden Amazonas sorgen seit geraumer Zeit für Schlagzeilen. Der Klimawandel betrifft jedoch mehr als Tiere und Umwelt: nämlich Ihre eigene Gesundheit! Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind zwischen 2030 und 2050 weltweit ca. 250.000 zusätzliche klimabedingte Todesfälle [1] zu erwarten.

Gesundheitliche Folgen

Der Klimawandel hat direkte und indirekte Auswirkungen auf Ihre Gesundheit: Direkt können steigende Temperaturen Hitzschläge verursachen, die zu Nervenschäden führen oder tödlich enden können. Die Hitzewelle in Europa im Sommer 2003 forderte mehr als 70.000 Tote [2][3].

Indirekte Faktoren sind Infektionskrankheiten, die sich durch den Zustrom von Insekten, wie Mücken und Zecken, in den sich erwärmenden Gebieten häufen. Auch mehr und länger dauernde Allergien werden zur Problematik, da sich die Blütezeiten von allergieauslösenden Pflanzen durch steigende Temperaturen verlängern. Ebenso fordert die mit der Klimaerwärmung einhergehende Luftverschmutzung pro Jahr weltweit mehrere Millionen Tote [4].

Der Klimawandel fördert zudem die Ozonbildung. Das Ozongas reizt nicht nur Augen und Atemwege, sondern beeinträchtigt auch Lungenfunktion und Leistungsfähigkeit. Die Ozonentstehung steht im Zusammenhang mit der Verbrennung fossiler Stoffe, was zur Freisetzung giftiger Gase, wie z. B. Methan und Kohlenstoffdioxid sowie anderer gesundheitsschädlicher Stoffe wie Feinstaub führt. Die kleinsten Partikel hiervon können ins Blut gelangen und somit den ganzen Körper belasten [5].

Zusammenhang zwischen Klimawandel und tierischen Produkten

Laut einem Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sowie weiteren wissenschaftlichen Studien gehört die industrielle Tierhaltung bzw. der Konsum tierischer Produkte zu den Hauptverursachern der Klimaveränderung. 14,5 % der global ausgestoßenen Treibhausgase können der landwirtschaftlichen Tierhaltung zugeschrieben werden. Der größte Anteil und die drei klimarelevantesten Treibhausgase (Methan, Lachgas und Kohlenstoffdioxid) entstehen dabei durch die Tierwirtschaft bzw. tierische Produkte [6]. Diese Emissionen kommen einerseits direkt durch Verdauungsprozesse oder Ausscheidungen der Tiere zustande, zum anderen indirekt durch die Abholzung der Wälder für Weideflächen und die Anpflanzung von deren Futtermitteln [7].

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Zudem hängt die Verbrennung fossiler Brennstoffe auch mit der Tierwirtschaft zusammen, da die Produktion tierischer Produkte vom Anfang bis Ende mit Energieverbrauch verbunden ist – von der Tierfutterproduktion über die Aufzucht der Tiere bzw. die Energieversorgung für die Betriebsanlagen der Tierwirtschaft bis hin zur Schlachtung, Verarbeitung, Verpackung und Auslieferung [8][9]. Ergebnisse aus dem Weltagrarbericht 2018 zeigen, dass die Produktion von 100 g Eiweiß von Rindfleisch aus Weidehaltung 36 Mal mehr CO2-Equivalente verursacht als die Produktion von 100 g Eiweiß aus Erbsen. [10].

Ein weiteres „Nebenprodukt“ der landwirtschaftlichen Tierhaltung ist der bereits erwähnte Feinstaub, der hauptsächlich durch Tierhaltung und Düngung mit tierischen Exkrementen entsteht. Laut einer Studie der Max-Planck-Gesellschaft sind 13 % der Todesfälle durch Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf Feinstaubbelastung aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung zurückzuführen. Verkehrsverursachter Feinstaub ist hingegen nur für 6 % der Sterberate dieser Krankheiten verantwortlich [11]. Auch das Umweltgift Ammoniak, welches das Vorläufergas der Feinstaubbildung ist, stammt in Europa zu 90 % aus der Landwirtschaft. Es entsteht in Tierexkrementen und somit größtenteils in der „Nutztierhaltung“ (12). Schlussfolgernd sterben laut einer Studie des Max-Planck-Instituts (2019) jedes Jahr ca. 50.000 Deutsche an der durch die landwirtschaftliche Tierproduktion verursachten Feinstaubbelastung [12].

Aufruf zur pflanzlichen Ernährung

Mehrere Institutionen, wie die FAO oder das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), fordern zu einer Ernährungsumstellung auf, um die Emissionen und damit die Klimaerwärmung massiv abzuschwächen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium zeigt auf, dass eine pflanzliche Ernährung über 40 % der persönlichen Treibhausgasemissionen und jährlich über 91 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid einsparen könnte. Laut einer Oxford-Studie (2019) spart die vegane Lebensweise pro Person und Jahr zwei Tonnen Treibhausgase ein [13]. Eine weitere Oxford-Studie (2018) kam zu der Schlussfolgerung, dass der Wandel hin zu einer veganen Ernährung die beste Möglichkeit ist, um die Auswirkungen auf das Klima am effektivsten zu bekämpfen [13][14].

Was Sie tun können

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[1] WHO, „Climate Change and Health“, online unter https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/climate-change-and-health (zuletzt abgerufen am 16.9.2019)
[2] Robine JM, Cheung SL, Le Roy S, Van Oyen H, Griffiths C, Michel JP, et al. (2008): „Death toll exceeded 70,000 in Europe during the summer of 2003“. In: C R Biol. 2008;331(2):171-8
[3] Nicole Simon (2019): „Der ganze Körper wird belastet“. In: Stern Magazin Nr. 36, 98-101
[4] Nicole Simon (2019): „Der ganze Körper wird belastet“. In: Stern Magazin Nr. 36, 98-101
[5] Nicole Simon (2019): „Der ganze Körper wird belastet“. In: Stern Magazin Nr. 36, 98-101
[6] Steinfeld, Henning/Gerber, Pierre/Wassenaar, Tom/Castel, Vincent/Rosales, Mauricio/de Haan, Cees (2006): „Livestock´s Long Shadow. Environmental Issues and Options“. Rom: UN Food and Agriculture Organisation (FAO)
[7] Willett, W./Rockström, J./Loken, B./ Springmann, M./ Lang, T./ Vermeulen, S. J./et al. (2019): „Food in the Anthropocene: the EAT–Lancet Commission on healthy diets from sustainable food systems.”
[8] FAO, „Key facts and findings“, online unter: http://www.fao.org/news/story/fr/item/197623/icode/ (zuletzt abgerufen am 17.9.2019)
[9] One Green Planet, „Explain Like I’m 5: How Fossil Fuels Are Used to Produce Meat“, online unter: https://www.onegreenplanet.org/environment/how-fossil-fuels-are-used-to-produce-meat/ (zuletzt abgerufen am 17.9.2019)
[10] Weltagrarbericht (2018). Online unter: www.weltagrarbericht.de/aktuelles/nachrichten/news/de/33244.html
[11] Lelieveld, Jos/Evans, John S./Fnais, Mohammed/Giannadaki Despina/Pozzer, Andrea (2015): „The contribution of outdoor air pollution sources to premature mortality on a global scale“. Nature Magazin 525, 367-371. Nature, 17 September 2015; doi: 10.1038/nature15371
[12] www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Studie-Feinstaub-Tote-durch-Landwirtschaft,feinstaubbelastung100.html (zuletzt abgerufen am 30.9.2019)
[13] https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/veganer-sparen-jaehrlich-zwei-tonnen-treibhausgase-a-1264577.html (zuletzt abgerufen am 30.9.2019)
[14] Brunekreef, B. et al. (2015): „Reducing the health effect of particles from agriculture“. In: The Lancet, 3, S. 831 f.
[15] Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) (2008): BMELV-Bericht zum Klimaschutz im Bereich Land- und Forstwirtschaft
[16] Poore, J. & Nemecek, T. (2018). https://science.sciencemag.org/content/360/6392/987.full: Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers