Schon gewusst? Stallkontrollen finden in viel zu wenigen Ställen statt

Dank des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) haben Organisationen wie PETA die Möglichkeit, Auskünfte zu erhalten, die ansonsten im Verborgenen bleiben würden – so beispielsweise Informationen zur Anzahl der Stallkontrollen, die jedes Jahr von Amtsveterinären „zum Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere“ durchgeführt werden.

In der Vergangenheit hat PETA immer wieder gezeigt, wie dramatisch die Situation von Rindern, Schweinen, Hühnern und anderen Tieren ist, die für Fleisch, Milch und Eier in nicht artgerechten Ställen, Buchten oder Käfigen gehalten werden. Im sogenannten „Mängelbericht des Bundeslandwirtschaftsministeriums“ wird schnell klar, warum so viel Tierleid im Verborgenen stattfindet und warum Recherchen von Tierschützern so wichtig sind.

Kontrollen in Ställen finden kaum statt

Diese Tabellen zeigen, wie wenige Betriebe tatsächlich überprüft werden: Insgesamt wurden 2017 nur etwa 2-7 % der Betriebe kontrolliert – lediglich bei Hühnern in der Eierindustrie lagen die Kontrollen bei 10-15 %. Und nur bei Hühnern, die in Käfigen gehalten werden, wurden knapp 45 % der Betriebe besucht.
Wie sorgfältig diese Kontrollen durchgeführt wurden und ob sie angekündigt waren, bleibt allerdings weiterhin ein Geheimnis.
 
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Diese schwerwiegenden Mängel wurden bei den Stallkontrollen festgestellt:

  • Kranke Tiere wurden nicht tierärztlich behandelt.
  • Die Tiere wurden nicht, wie gesetzlich vorgeschrieben, mindesten einmal am Tag kontrolliert.
  • Mängel bei der Fütterung, Wasserversorgung sowie Pflege der Tiere
  • Mangelhafte Haltungseinrichtungen
  • Sonstige Verstöße gegen Vorschriften, u. a. bezüglich Beschäftigungsmaterial, Platzangebot, nicht-kurativen Eingriffen (wie beispielsweise das Kupieren der Ringelschwänze von Ferkeln oder Schnäbel von Hühnern und Puten, das betäubungslose Kastrieren oder das Enthornen von Kälbern)

Als Ursachen für die Verstöße sollen vor allem diese Gründe verantwortlich sein:

  • Mangelnde Kenntnisse und/oder Fähigkeiten von Tierhaltern
  • Fehlende Fort- und Weiterbildungen
  • Unzureichende finanzielle, personelle und räumliche Ausstattung der Betriebe

Das Bundeslandwirtschaftsministerium für Ernährung und Landwirtschaft ist jedoch weiter davon überzeugt, dass das Kontrollsystem ein wirksames Mittel ist und somit derzeit keine grundsätzlichen Änderungen erforderlich sind.

Wir finden: Diese Bilder sprechen eine andere Sprache

Warum finden so wenige Kontrollen statt?

Zum einen fehlt es deutlich an Amtstierärztinnen und Amtstierärzten, die weitere Überprüfungen durchführen könnten. Allerdings stehen für die Besetzung weiterer Stellen keine Gelder zur Verfügung oder die Notwendigkeit zur Besetzung weiterer Stellen wird nicht anerkannt. Zum anderen scheint es jedoch so, als seien zusätzliche Kontrollen von Seiten der Politik sowie der Bauernverbände überhaupt nicht gewollt. Das zeigt vor allem der Umgang mit VeterinärInnen, die die oftmals dramatischen Zustände in der Landwirtschaft und in den Schlachthäusern nicht hinnehmen wollen: Sie werden nicht selten mundtot gemacht, bedroht und versetzt.

Was Sie tun können

Nur weil ein Betrieb ohne Beanstandung kontrolliert wurde, heißt das nicht, dass es den Tieren dort gut geht. Die Tierschutzgesetze sind viel zu lasch und geben Freiraum für Interpretation. Letztendlich bleibt das Tier ein Produktionsgut, das meist früher als später im Schlachthof getötet wird.
Alltag für die allermeisten Tiere ist ein Leben voller Entbehrung in nicht annährend artgerechten Ställen sowie die Überzüchtung auf immer mehr Fleisch, Milch und Eier, was die Tiere nicht selten krank macht.

Der einzige Weg, den eigenen Teller ethisch zu füllen, ist mit einer veganen Ernährung.

Unsere Autoren

Lisa Kainz

ist Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie. Sie hat Agrarwissenschaften studiert und will sich nun für alle Tiere stark machen, egal ob sie muhen, grunzen, gackern, bellen oder miauen.