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Seepocken sind keine Dekoration für Bierflaschen: PETA fordert FineFood Köhn auf, „Pirates Edition“ ohne Tiere herzustellen

Cuxhaven / Stuttgart, 15. Oktober 2020 – Freiheit für Seepocken: Im Cuxhavener Küstenbereich machen es sich kleine Krebstiere unter Wasser an Jachten und Booten gemütlich. Das brachte die örtliche Brauerei FineFood Köhn auf die Idee, Bierflaschen in der Elbe abzulassen, damit die mit den Rankenfüßern übersäten Flaschen wie „Piratenbier“ aussehen. Doch die Krebstiere ersticken in ihren Kalkgehäusen, wenn die Flaschen aus dem Wasser gezogen werden. PETA wandte sich daher gestern in einem Schreiben an die Geschäftsführung und appellierte an die Brauerei, die Seepocken nicht zu töten und zu dekorativen Zwecken zu missbrauchen, sondern ihr „Piratenbier“ künftig ohne Tiere herzustellen.
 
„Wir hoffen, dass die Brauerei FineFood Köhn Herz für Seepocken zeigt und ihre ‚Pirates Edition‘ künftig ohne Lebewesen gestalten wird. Die Tiere sind faszinierend und verbringen als freischwimmende Larven viel Zeit damit, den richtigen Untergrund auszuwählen, an dem sie dann für den Rest ihres Lebens festsitzen. Wählen sie Bierflaschen als ihre Heimat aus und werden zusammen mit ihnen aus dem Wasser genommen, können sie nicht mehr atmen und ersticken – von uns unbemerkt – in ihren Gehäusen“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin bei PETA.
 
Faszination Seepocken – Hintergrundinformationen
Als Krebstiere sind Seepocken mit Hummern, Krabben und Garnelen verwandt, die nachweislich Schmerzen empfinden. Wissenschaftler fanden heraus, dass einige Krebstierarten schmerzauslösenden Reizen wie Elektroschocks gezielt und bewusst aus dem Weg gehen. [1]
Seepocken leben überwiegend in der Gezeitenzone, in Gruppen auf Felsen, Booten und auf Muscheln oder anderen Tieren. Als Larven schwimmen sie noch als Zooplankton frei im Wasser. Sind sie bereit, sich niederzulassen, suchen sie nach einem geeigneten Ort, den sie mit Bedacht und anhand verschiedenster Faktoren auswählen. [2] Haben sie sich für einen Platz entschieden, schauen sie nur zum Filtern von Nahrung aus ihrem Gehäuse heraus, wenn sie von Wasser bedeckt sind. Der Weichkörper der Tiere ist von kleinen Kalkplättchen umgeben. An der oberen Öffnung befinden sich eine Art Verschlussdeckel, mit deren Hilfe sie sich bei Ebbe vor dem Austrocknen schützen können. Auf der Unterseite schließt sich eine Kalkplatte an, die fest auf dem ausgewählten Untergrund haftet. Dieser „Klebstoff“ ermöglicht es Seepocken, den extremen Bedingungen von Gezeiten und Brandung standzuhalten; er ist so stark, dass die Schale noch lange nach dem Tod der Tiere zurückbleibt.
 
PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 
[1] B. Magee; R. W. Elwood (2013): Shock avoidance by discrimination learning in the shore crab (Carcinus maenas) is consistent with a key criterion for pain, The Journal of Experimental Biology S. 353-358. Online abrufbar unter: https://jeb.biologists.org/content/216/3/353. (14.10.2020).
[2] Aldred N, Alsaab A, Clare AS. 2018 Quantitative analysis of the complete larval settlement process confirms Crisp’s model of surface selectivity by barnacles. Proc. R. Soc. B 285: 20171957. Online abrufbar unter: http://dx.doi.org/10.1098/rspb.2017.1957. (14.10.2020).
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Betaeubungspflicht-Hummer-Petition
 
Pressekontakt:
Valeria Goller, +49 711 860591-521, [email protected]