Sorge um krankes Elefantenkind im Zoo Hannover: PETA fordert Aufklärung über mögliche Virusinfektion – Tierrechtsorganisation sieht Elefantenhaltung in Zoos problematisch

Hannover / Stuttgart, 23. August 2019 – Verschweigt der Zoo Hannover eine Virusinfektion bei den Elefanten? Ein Zoobesucher stellte PETA Bildmaterial vom vergangenen Wochenende zur Verfügung, auf dem zu sehen ist, dass ein Elefantenkind zahlreiche kreisrunde Läsionen aufweist. Dabei könnte es sich um eine Pockeninfektion handeln. Da der Zoo bisher nicht öffentlich über diese mutmaßlich ansteckende Infektion berichtete, hat die Tierrechtsorganisation heute das Hannoveraner Veterinäramt informiert. Diese Viruserkrankung kann für Elefanten tödlich verlaufen oder andere weitreichende Folgen haben: Im Kölner Zoo kam es 2014 zum Beispiel aufgrund einer Pockeninfektion bei zwei Elefantenkühen zu Totgeburten [1]. PETA appelliert nun an den Zoo Hannover, die Öffentlichkeit über die Erkrankung des Tieres und Behandlungsmaßnahmen zu informieren.
 
„Wenn in der Elefantenherde im Zoo Hannover tatsächlich eine Virusinfektion ausgebrochen ist, müssen die Zoo-Verantwortlichen Transparenz zeigen. Es ist indiskutabel, der Öffentlichkeit eine möglicherweise gravierende Krankheit zu verschweigen. Wir hoffen natürlich, dass der Jungelefant die Krankheit gut übersteht“, so Dr. Yvonne Würz, Biologin und PETAs Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche. „Pocken scheinen ausschließlich bei Elefanten in Gefangenschaft auszubrechen und sind nur eines von vielen Problemen, die auftreten, wenn Elefanten in Zoos eingesperrt werden. Daher fordern wir weiterhin ein Ende der Elefantenhaltung in Zoos und stattdessen den verstärkten Schutz der natürlichen Lebensräume.“

Systembedingter Stress in Zoos begünstigt Infektionen
Virusinfektionen in Zoos sind keine Seltenheit. Erst im vergangenen Jahr starben im Hamburger Tierpark Hagenbeck zwei junge Elefanten an einem aggressiven Herpesvirus. Auch im Berliner Zoo starben bislang mindestens vier Elefanten infolge einer solchen Infektion. Der Ausbruch des Elephant Endotheliotropic Herpesvirus wird wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge mit starkem Stress in Verbindung gebracht [2]. Asiatische Elefanten besiedeln in freier Natur große Reviere und wandern über weite Strecken. Können Elefanten ihre natürlichen Verhaltensweisen nicht ausleben, entwickeln sie in der Regel Stresssymptome wie Stereotypien und sind besonders anfällig für Viruserkrankungen. Im Zoo Hannover wurden die Elefanten zudem über viele Jahre mit dem Elefantenhaken gequält, damit sie für Besucher Kunststücke vorführten.

Viele Elefanten in Zoos leiden unter schweren Verhaltensstörungen, was sich unter anderem im sogenannten Weben äußert, bei dem die Tiere Kopf und Körper hin und her schwenken. Das unnatürlich lange Stehen verursacht zudem Fuß- und Gelenkerkrankungen. Stress und Fettleibigkeit sind die Hauptgründe dafür, dass Elefanten im Zoo durchschnittlich deutlich früher sterben als ihre Artgenossen in freier Natur [3].

Artgerechte Elefantenhaltung in Zoos ist unmöglich
PETAs Motto lautet in Teilen, dass Tiere nicht da sind, um uns zu unterhalten. Die Tierrechtsorganisation spricht sich grundsätzlich gegen die Elefantenhaltung in Zoos aus, da diese unabhängig von der Haltungsform nicht artgerecht möglich ist. In der Natur leben die Rüsseltiere in stabilen Sozialverbänden und erleben eine Vielzahl von Umweltreizen. Der Zooalltag hingegen ist geprägt von Bewegungsmangel, Beschäftigungslosigkeit und zerstörten Sozialstrukturen. Im Zoo geborene Elefanten werden nicht ausgewildert. Außerdem importieren Zoos weltweit auch heute noch Tiere aus freier Wildbahn, sogenannte Wildfänge, und tragen so zu ihrem Aussterben in der Natur bei. In den meisten Zoos subventionieren Steuergelder das Einsperren von Elefanten. PETA fordert, dass diese Gelder künftig direkt in Artenschutzprojekte in den Herkunftsländern bedrohter Tierarten investiert werden, um ihr Überleben dort zu sichern.

PETA setzt sich gegen Speziesismus ein: eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

[1] https://www.ksta.de/koeln/nippes/koelner-zoo-pocken-virus-war-fuer-die-elefanten-teils-lebensbedrohlich-3378712.
[2] Fowler, M.E. & Mikota, S.K. (2006): Biology, Medicine, and Surgery of Elephants. Blackwell Publishing.
[3] Clubb R., Moss C. et al (2008): Compromised Survivorship in Zoo Elephants., Science 12 December 2008: 1649.
 

Elefantenkind im Zoo Hannover mit deutlichen Hautveränderungen / © PETA Deutschland e.V.
 
Das Motiv steht hier zum Download zur Verfügung.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Elefanten-in-Zoos
PETA.de/Zoo-Hannover
 
Kontakt:
Lisa Kienzle, +49 711 860591-536, [email protected]