Spacecows! – Astronautennahrung für Kühe?!

Nein, niemand will Kühe ins Weltall schießen. Das hat noch keinem Tier gut getan. Aber das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung führt eine neue Studie durch, die Astronautennahrung für Kühe testet.

Astronautennahrung?

Speziell gezüchtete Mikroben können Proteine herstellen, die an Kühe verfüttert werden könnten. Die Technik ist schon länger bekannt und wurde ursprünglich während des Kalten Krieges für die Raumfahrt entwickelt, um die Astronauten mit Proteinen zu versorgen. Als Futtermittel eingesetzt, sehen Wissenschaftler darin eine Möglichkeit zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft.

„Würden nur zwei Prozent des Proteinfutters durch eiweißreiche Mikroben ersetzt, könnte dies Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft, die globale Anbaufläche und Stickstoffverluste aus der Landnutzung um mehr als fünf Prozent senken.“


In genauen Zahlen könnten 6 Prozent der Ackerfläche, 7 Prozent der Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft und 8 Prozent bei den globalen Stickstoffverlusten eingespart werden.

Möglichkeiten und eine Lösung?

Der Bauernverband begrüßt diese Technologie, denn sie bietet eine Möglichkeit, die Klimabilanz zu verbessern. Die Prozentwerte klingen im ersten Moment auch gut. Allerdings werden für die Tierhaltung insgesamt 83 Prozent der Ackerfläche genutzt und 60 Prozent der Treibhausgase durch die Landwirtschaft verursacht. Eine vegane Ernährung, ohne jegliche Tierhaltung, hätte demnach einen viel größeren Effekt auf die Anbauflächen und den Klimawandel!
„Kühe, Schweine und Hühner werden mit sehr proteinreichem Futter gemästet. Inzwischen wird die Hälfte der auf Ackerland angebauten Proteine an Tiere verfüttert“, sagt Benjamin Leon Bodirsky, Autor der PIK-Studie.

Weitere Effekte

Aber die Astronautennahrung bietet unter Umständen weitere Effekte und kann beispielsweise die Milchleistung und das Wachstum der Tiere steigern. Moment? Worum geht es denn hier? Das Klima, die Milchleistung oder die Tiere?
Diese „Leistungsoptimierung“ gibt es bereits – und zwar in Form von Qualzuchten. Die Tiere werden dabei nicht mehr als Individuen angesehen, sondern zu Maschinen degradiert, um Menschen mit Fleisch und Milch zu versorgen. Das ist nicht mehr zeitgemäß.
 

Es sollte keine Forschung betrieben werden, um kleine Optimierungen zu erzielen, die dazu beitragen, einen unethischen Konsum zu rechtfertigen. Vielmehr sollte ein ethischer und klimafreundlicher Konsum gefördert werden! Selbst die Wissenschaftler geben zu, dass mikrobielles Eiweiß allein nicht ausreicht, um die tierhaltende Landwirtschaft nachhaltig zu gestalten.

Alternativen

Es wird sogar in Aussicht gestellt, dass das Protein aus Mikroben irgendwann für „jedermann“ nutzbar sein könnte. Aber warum Astronautennahrung essen? Mit einer rein pflanzlichen Ernährung haben wir schon heute die Möglichkeit, uns gesund, vielfältig und klimafreundlich zu ernähren. Und wer auf den Geschmack und die Konsistenz von Fleisch nicht verzichten will, der kann mühelos auf eine Fülle pflanzlicher Fleischalternativen zurückgreifen oder auf sogenanntes „Clean meat“ setzen. Auch für Milch und Eier gibt es zahlreiche Alternativen.
  

Was Sie tun können

Die vegane Ernährung ist die einfachste Lösung, um der Ausbeutung der Tiere und dem Klimawandel entgegenzutreten. Auf Technologien wie speziell gezüchtete Mikroben zu setzen und ein „Weiter so“ in der Tierausbeutung zu akzeptieren, kann keine Lösung sein.

Sie leben noch nicht vegan, möchten aber etwas für die Tiere tun? Dann testen Sie das kostenlose Veganstart-Programm, bei dem Sie 30 Tage lang nützliche Tipps für den spielend leichten Einstieg in die vegane Lebensweise erhalten. Die Tiere, das Klima und Ihre Gesundheit werden es Ihnen danken.

Unsere Autoren

René Schärling

René hat Geographie in Bremen und Hamburg studiert. Er mag Hummus und Humus, aber nur eins davon essen.