Schimpanse Lutz wieder unter Artgenossen: Tiergarten Straubing beendet Haltung

Update März 2021 – Teilerfolg

Der Tiergarten Straubing beendet mit der Abgabe von Lutz die Schimpansenhaltung [1]. Wie der Zoo nun bekannt gab, ist Schimpansenmann Lutz Ende Februar 2021 in den Zoo von Ljubljana in Slowenien umgesiedelt worden. Auch wenn er leider nicht, wie von uns gefordert, in eine anerkannte Auffangstation umziehen durfte, sondern in eine zoologische Einrichtung – dort kann er zumindest unter für Schimpansen angemesseneren Bedingungen leben, als dies im Tiergarten Straubing der Fall war. Dort kann er endlich in einer Sozialgruppe mit mehreren Artgenossen zusammenleben. Grund zur Freude ist außerdem auch, dass es mit dem Ende der Schimpansenhaltung im Tiergarten Straubing nun somit eine zoologische Einrichtung weniger in Deutschland gibt, in der unsere nächsten Verwandten unter völlig inadäquaten Bedingungen eingesperrt werden.

Herzlichen Dank an die über 2.400 Unterstützer, die sich im Rahmen unserer Online-Petition für Lutz starkgemacht haben. Bitte setzen Sie sich weiterhin mit uns für ein Ende der Gefangenhaltung von Menschenaffen in Zoos ein!

Originaltext:

Seit sein Artgenosse Alfons im Juni 2020 gestorben ist, lebt Schimpanse Lutz völlig allein im Tiergarten Straubing, Nun soll er an eine andere zoologische Einrichtung abgegeben werden, wo er weiterhin zur Unterhaltung der Zoobesucher ausgestellt werden kann [2]. Wohin die Reise für Lutz gehen soll, wurde bislang nicht bekannt gegeben. Bitte helfen Sie, die Zooverantwortlichen davon zu überzeugen, Lutz in verantwortungsvolle Hände abzugeben – am besten an eine anerkannte Auffangstation, wo er nicht weiter ausgebeutet und zur Schau gestellt wird. Die britische Auffangstation „Wales Ape and Monkey Sanctuary“ (WAMS) hat bereits angeboten, ihn aufzunehmen.

Mangelhafte Haltung im Tiergarten Straubing seit Jahren geduldet

In der Natur leben Schimpansen in großen, komplexen Sozialgruppen, deren Zusammensetzung sich immer wieder verändert. Eine paarweise Haltung oder gar eine Einzelhaltung der sozialen Menschenaffen ist daher tierschutzwidrig. [3]

Dennoch fristet der 28-jährige Schimpanse Lutz bereits seit 1996 sein Dasein im Tiergarten Straubing unter völlig indiskutablen Bedingungen. Die dortige Haltung steht wegen massiver Unterschreitung der behördlichen Mindestanforderungen bereits seit Jahren in der Kritik. Der winzige Innenbereich umfasst insgesamt nur knapp 60 Quadratmeter [4], was vor allem im Winter, wenn der Zugang zum Außenbereich nur eingeschränkt möglich ist, für unsere nächsten Verwandten sehr bedrückend sein muss. Bis 2010 waren dort noch drei Schimpansen eingesperrt: Die gleichaltrigen Schimpansen-Männer Lutz und Alfons, die beide bereits Verhaltensstörungen zeigten [5], und der wegen angeblicher Unverträglichkeit einzeln gehaltene Sebastian. Sebastian wurde 2010 an den Zoo Halle abgegeben. Alfons erkrankte an Krebs und starb im Juni 2020. Seitdem ist Lutz völlig allein. Im Oktober 2020 hat Lutz sogar durch die Gitterstäbe die Hand eines Angestellten gegriffen und anschließend zugebissen [6]. In einem Schreiben haben wir deshalb an die Verantwortlichen appelliert, Lutz an eine anerkannte Auffangstation abzugeben und die Zurschaustellung von Menschenaffen im Tiergarten Straubing endgültig zu beenden.

© Great Ape Project / Colin Goldner

Das Leid von Menschenaffen im Zoo

Menschenaffen leiden sehr stark in Gefangenschaft und entwickeln aufgrund der Enge und Beschäftigungslosigkeit häufig Verhaltensstörungen: Sie verletzen sich selbst, reißen sich die Haare aus, essen ihre Exkremente oder ihr Erbrochenes oder wippen mit dem Körper hin und her. Laut einer Studie, die das Verhalten von Schimpansen in sechs akkreditierten zoologischen Einrichtungen in Großbritannien und den USA untersuchte, zeigten alle 40 Individuen mindestens eine Form von abnormalem Verhalten, und das trotz Beschäftigungsmöglichkeiten („Enrichment“) [7]. Ausschlaggebend ist hierbei die Gefangenschaftssituation an sich, und nicht die konkreten Haltungsbedingungen: Auch bauliche Änderungen, wie vergrößerte Gehege, können die systembedingt mangelhafte Haltung und das damit einhergehende Tierleid nicht auflösen.

© Great Ape Project / Colin Goldner

Tiere einsperren ist kein Artenschutz

Zoos leisten keinen Beitrag zum Artenschutz. Sie können kaum langfristig erfolgreiche Auswilderungen vorweisen, insbesondere bei Primaten. Zudem können Tiere Verhaltensweisen, die für ein Überleben in der Natur unverzichtbar sind, in der Zoo-Gefangenschaft nicht oder nur schwer erlernen.

Menschenaffen raus aus Zoos

Der Öffentlichkeit ist es ein großes Anliegen, dass die leidvolle Gefangenhaltung unserer nächsten Verwandten im Tierreich beendet wird: Einer aktuellen, repräsentativen Meinungsumfrage zufolge befürwortet mit 41 Prozent die relative Mehrheit der Befragten ein Ende der Zucht und Haltung von Menschenaffen in deutschen Zoos.

Was Sie tun können

Bitte helfen Sie, damit Lutz endlich in einer Schimpansengruppe leben darf – möglichst in einer Einrichtung, die das Leid von Menschenaffen in Gefangenschaft nicht durch die Zucht weiterer Tiere ankurbelt.

Bitte unterzeichnen Sie auch unsere Petition für das Ende der Zucht und Haltung von Menschenaffen in Gefangenschaft und besuchen Sie keine Zoos.