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Thüringer Bauernverband klagt über „Mäuseplage“: PETA fordert Landwirtschaftsministerium auf, Fuchsjagd ganzjährig zu verbieten

Füchse als natürliche Feinde von Mäusen machen Gifteinsatz überflüssig


Thüringen / Stuttgart, 31. Juli 2020 – Jeder Fuchs zählt: Der Bauernverband erklärt Feldmäuse in Thüringen einem Medienbericht zufolge zu einer regelrechten „Plage“. Die Lösung sieht der Verband nun in einer tieferen Bodenbearbeitung und drängt zudem auf eine Ausnahmeerlaubnis zum Einsatz von Giftködern. PETA kritisiert diesen Ansatz scharf und fordert das thüringische Landwirtschaftsministerium jetzt auf, stattdessen die Fuchsjagd im gesamten Bundesland zu verbieten. Denn ein Stopp der Fuchsjagd ist die beste Maßnahme: Untersuchungen zufolge ernährt sich jeder Fuchs von rund 3.000 bis 5.000 Mäusen pro Jahr. [1, 2] Hobbyjäger hingegen verfolgen die nützlichen Tiere gnadenlos, weil sie sie als lebende Zielscheiben oder als Konkurrenten betrachten. Allein in Thüringen haben Jäger im Jagdjahr 2018/2019 mehr als 13.000 Füchse getötet.
 
„Es ist aus ökologischer und ethischer Sicht inakzeptabel, an der sinnlosen Hobbyjagd auf Füchse festzuhalten. Noch dazu wäre es fahrlässig, nun auch noch Giftköder auszulegen, die weitere natürliche Feinde von Mäusen – etwa Greifvögel – töten können und zudem Boden und Grundwasser vergiften“, so Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA.
 
Hintergrundinformationen
 
Als Grund für die „Mäuseplage“ führt der Bauernverband die Trockenheit an. Niederschläge regulieren die Mäusepopulation laut dem thüringischen Landwirtschaftsministerium, da Wasser in die Unterschlüpfe gelangt und die Tiere ertrinken. PETA warnt vor dem geplanten Gifteinsatz und fordert, stattdessen natürliche Feinde der Nager zu fördern. Zwar können aus populationsbiologischer Sicht Füchse und Greifvögel nicht allein eine große Mäusepopulation im Zaum halten. Mehrere forstliche Forschungsanstalten betonen jedoch, dass durch die Schonung von Füchsen und anderen Beutegreifern eine zu hohe Vermehrung von Mäusen im Wald verzögert oder verhindert werden kann. [3] Auch das Forstamt Göhrde hat die Fuchsjagd seit 2019 weitgehend ausgesetzt, um die natürlichen Gegenspieler der Mäuse zu schonen. Im Zeitraum von 2015 bis 2018 wurden in Deutschland nach Angaben des Umweltbundesamtes jährlich circa zwischen hundert und mehreren hundert Tonnen sogenannter Rodentizide (chemische Gifte) in der Landwirtschaft eingesetzt. [4] Derzeit sind etwa zehn verschiedene Giftstoffe zugelassen. [5]
 
Bundesweit töten Hobbyjäger jährlich über 400.000 Füchse. In Thüringen werden die Tiere ganzjährig bejagt. Jäger stellen ihnen mit Fallen, Gewehren und der Baujagd nach. Häufig flüchten angeschossene Tiere mit offenen Wunden oder sterben in den Fallen langsam und qualvoll. Dabei ernähren sich Füchse nicht nur von den bei Landwirten unbeliebten Mäusen, sondern sichern auch ihren Beutearten das Überleben, indem sie schwache und kranke Tiere erbeuten und Krankheitsherde somit sofort eliminieren.
Meist führen Jagdverbände an, dass Füchse die Bestände bestimmter Niederwildarten, wie Rebhuhn oder Hasen, bedrohen. Experten sind sich jedoch einig, dass die drastischen Populationsrückgänge betroffener Arten der industrialisierten Landwirtschaft und dem damit einhergehenden Lebensraumverlust zuzuschreiben sind. Hinzu kommt, dass Jäger in Deutschland selbst jedes Jahr etwa 190.000 Feldhasen töten.

In Luxemburg ist die Fuchsjagd bereits seit April 2015 verboten. PETA fordert auch für Deutschland ein flächendeckendes Verbot der Fuchsjagd und hat eine entsprechende Petition gestartet. Denn weder aus wildbiologischer noch aus gesundheitlicher Sicht besteht ein Grund für die Bejagung der Tiere. [6, 7] „Jäger hängen Füchsen bewusst ein schlechtes Image an, um ihrem blutigen Hobby weiter nachgehen zu können“, so Michler. Die zum Teil noch immer geäußerten Bedenken gegenüber den Beutegreifern beruhen auf längst widerlegten Annahmen. Deutschland ist seit 2008 frei von terrestrischer Tollwut und der Fuchsbandwurm zählt zu den seltensten Parasitosen Europas. Die Fuchsjagd hat zudem keinerlei regulierende oder reduzierende Auswirkungen auf die Population, weil Verluste rasch durch Zuwanderung und steigende Geburtenraten ausgeglichen werden. Fuchspopulationen regulieren sich aufgrund von Sozialgefügen sowie Nahrungsverfügbarkeit und Krankheiten selbst.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

[1] Honisch, M. (ohne Datum): Mäuse im Grünland erfolgreich bekämpfen. Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten (Allgäu) mit Landwirtschaftsschulen.
[2] Deutsche Wildtier Stiftung (2016): Mäuse-Jagd auf verschneitem Acker. Füchse fressen etwa 30 Kilo Mäuse im Jahr. Presseportal.de. Online abrufbar unter: https://www.presseportal.de/pm/37587/3229524. (22.08.2019).
[3] Gruber, F. (1988): Mäuse als Forstschädlinge. Forstschutz-Merkblatt 8a, Forstliche Bundesversuchsanstalt Wien, Institut für Forstschutz. Onlineversion: waldwissen.net (2015): Tipps zur Mäusebekämpfung. Online abrufbar unter: https://www.waldwissen.net/waldwirtschaft/schaden/nager/bfw_mauesebekaempfung/index_DE. (19.09.2019).
[4] Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Inlandsabsatz und Export von Pflanzenschutzmitteln. Zuletzt aufgerufen am 15.08.2019.
[5] Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) (2019):
Liste der zugelassenen Pflanzenschutzmittel in Deutschland mit Informationen über beendete Zulassungen. Online abrufbar unter: https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/04_Pflanzenschutzmittel/psm_uebersichtsliste.pdf?__blob=publicationFile&v=50. (15.08.2019).
[6] Baker, P./Harris, S./White, P. (2006): After the hunt: The future for foxes in Britain. Report. University of Bristol/University of York.
[7] Baker, P./Harris, S. (2006): Does culling reduce fox (Vulpes vulpes) density in commercial forests in Wales, UK? Springer-Verlag, 2005.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Fuchsjagd-stoppen
PETA.de/Fuchsbandwurm-Jagd
PETA.de/Fuechse
 
Pressekontakt:
Valeria Goller, +49 711 860591-521, [email protected]